129 nähme zu suchen. Da machte er in Köln die Bekanntschaft Landgraf Hermanns, welche be ­ stimmend war für sein ferneres Leben. Uns interessirt dieses seltsame Menschenkind, dessen Lebensgeschichte, von ihm selbst reimweise verfaßt, einen schäAbaren Beitrag zur Sitten ­ geschichte seiner Zeit bildet, allerdings nur in ­ sofern , als Johann 2 Jahre in tollem Lebens ­ wandel am Hofe Ludwigs in Kassel zubrachte; er sagt über den Aufenthalt mit anerkennens- werther Offenheit später selbst Folgendes: Eyn Lantgraff wasz Herman genannt, Bischofs zu Collen itz bekant; Derselbig nu ein broder hatt Zn Cassel sitzen in der statt. Tzu dem mich schickte alsobald Und glich by hm wort ich bestalt. Syn neun merck lantgraff Ludwig was, Den hübschen frewlin nyt gehaß, Eyn schöner surft was von Person, By dem hatt ich eyn gutten Ion; Doch was es alles gar verthon Myt fressen, suffen, dantzen, springhen On suß myt andern bösen dinghen, Durch bocß geselschafft gantz zerstört Ich armer sonder wart verfort. By tzwey jar tryb ich svllichs an. Dan starb myr ab der edel man. u. s. w. Und ferner: Hett Lantgraff Lodwyg blyben leben, Zn Cassel wer ich blyben kleben. So zog Johann von Soest später nach Heidel ­ berg, wo er sich dann der Wissenschaft und Dichtkunst widmete; er starb, beiläufig bemerkt, als Arzt in Frankfurt a. M?) Beide Brüder, Hermann und Ludwig, trafen, wie ich im An ­ schluß an das eben Erwähnte hervorheben will, in gemeinschaftlicher Liebe zur Musik zusammen. Hermann werden wir später noch ans anderem Felde als Kunstfreund kennen lernen. * * * Noch enger zeigt sich das Zusammengehen der beiden Brüder zwei Jahre später. Es war im Jahre 1471, am 23. Juli, da starb Bischof Ernst von Hildesheim, ein geborener Graf von Schaumburg. Die Gelegenheit schien günstig, Hermann auf den bischöflichen Stuhl zu erheben, und der Domprobst von Hildesheim, ') Friede. Pfaff, Johann von Soest. Allg. Konserv. Monatsschrift, 1887, S. 147 ff. u. 247 ff. Seine gereimte Lebensbeschreibung in Fichart's Frankfurtischem Archiv 1811. Obige Stelle S. 112 f. ein Herr von Wenden, war ganz für das hessische Interesse gewonnen. Am 29. September fand die Wahl des Domkapitels statt; allein Hermann erhielt nur einen Theil der Stimmen, die übrigen fielen auf Henning v o n H u s e n, damaligen Domdechanten, aus einem Geschlechte des Hildesheimischen Stistsadels stammend. Henning eilte zwar sofort nach Rom und erlangte die Bestätigung des Papstes Sixtus IV. Auch die Stadt Hildesheim trat auf seine Seite; nicht minder sagten ihm die Bischöfe von Verden und von Paderborn (Hessens alte Gegner) und die Grafen von Schauenburg und Lippe ihren Bei ­ stand zu.*) Dagegen setzte sich der Domprobst von Wenden in den Besitz des Städtchens Peine und des Schlosses Steuerwald, des festesten im ganzen Bisthum; die Ritter, Vasallen und Drosten des Stiftes und die Pfandinhaber der Schlösser traten sämmtlich auf seine Seite. Da zudem die Herzöge von Braunschweig für Hermann eintraten, so standen die Sachen für ihn keines ­ wegs ungünstig, wenn sein streitbarer Bruder Ludwig, der Hauptförderer des Planes, für ihn zu Felde zog und seine Kriegserfahrung für ihn in die Wagschale warf. Da aber starb Land ­ graf Ludwig in der Blüthe der Jahre, am 6. November 1471 auf dem Schlosse Reichenbach. Ich vermag daher Rommel nicht beizu ­ stimmen, der es lediglich Hermanns Friedensliebe bei dieser Gelegenheit zuschreibt, daß das Stift Hildesheim vor Krieg und Blutvergießen, den unvermeidlichen Folgen der Doppelwahl, verschont blieb. * 2 ) Hermann trat zurück. Aber erst um Jakobi 1472, nachdem der Kampf nahezu ein Jahr gewährt hatte; und der anonyme Verfasser der hessischen Chronik bei Senckenberg dürfte nicht Unrecht haben, wenn er sagt: „Ehe Lant ­ graff Ludwig starb, hat er vorsichtiglich gehandlet und es mit Fugen dahin gebracht, daz sein Bruder Lantgraff Herman ward postnlirt gein Hildesheim ein Bischof zu sein, und hatte gereid in (d. h. bereits inne) Steuerwald, das Haupt ­ schloß im Stift, und hatte kein Hindernus mehr. Aber da sein Bruder itztgenant gestorben war, da wolt er nimmer ein Sachse sein, und zohc wider in Hessen und blieb eine Zeit lang darinnen, und suchte hernach seine Wohnung zu Coellen, da er ein Thumbherre was." “) (Fortsetzung folgt.) ') Schate«, Annal. Paderb. 1t, l. XVII. p. 709. — Lüntzel, Geschichte der Stadt und Diöcese Hildesheim. II. 464 ff. 2) Hess. Gesch. II. 50. s) Senckenberg, Sel. juris rc. IV. 478.