117 aber über Vervollkommnung des Hohlgeschoßfeucrs, welche zum Besten des Dienstes verdiente Berück ­ sichtigung fanden. Insbesondere ist das von ihm 1849 ersonnene und 1854 in der kurhessischen Artillerie durchgeführte neue Zünderprinzip, Tempiren durch Bewegen eines Theiles des Zünders bei jeder Satzlage, durch den Ausspruch der vollen Anerken ­ nung seitens des deutschen Bundes und mehrfache Ordensauszeichnungen gewürdigt worden. Dieses neue Zündcrprinzip wurde nicht allein in mehreren deutschen Artillerien, vor allem in Oesterreich, sondern auch vom bekannten W. Armstrong für die königlich englische Artillerie angenommen. Im Jahre 1859 trat der Verewigte als Major zur k. k. Artillerie über, übertrug hier seine Zünder ­ konstruktion auf das gezogene Feldgeschütz, bildete be ­ hufs Erreichung größerer Brennzeit den Etagcnzünder aus und beschäftigte sich mit dem Anbringen des Zünders am Boden länglicher Geschosse. Nachdem nun „der geniale Erfinder" im Jahre 1859 „in Erwägung seines mit vieljähriger Auf ­ opferung an Zeit und Kräften, sowie eifriges Selbst ­ studium zu Stande gebrachten glänzenden Resultates" eine Gratifikation (15,000 fl.) erhalten hatte, erhob ihn die Gnade seines Kaisers 1862 in Anerkennung seiner vielen, stets erneuten Verdienste in den erb ­ lichen Adelsstand. Denn Wilhelm Ritter v. Breit ­ haupt hatte wahrlich dem Artilleriewesen durch seinen Rotationszünder einen großen Dienst geleistet; eine Thatsache, die allen klar werden muß, welche bcn traurigen Zustand der Geschoßzündung vor Bormanu und v. Breithaupt kennen. Aber, fährt der schon angeführte Nachruf der „Post" fort, ohne Bormanu kein Breithaupt, während andererseits auch ohne Breithaupt's Fortbildung Bormann's Erfindung ohne Lebensfähigkeit geblieben wäre. Neidlos wird also die Nachwelt beider hohes Verdienst anerkennen müssen. 1866 verließ Wilhelm Ritter von Breithaupt als k. k. Oberstlieutenant den österreichischen Dienst und lebte seit November dieses Jahres in seiner Vater ­ stadt, mit Wort und That unausgesetzt an der Lösung der so höchst wichtigen Zünderfrage betheiligt, welche Bestrebungen in der Schaffung einer universellen Geschoßzündung gipfeln. (Schluß folgt.) Eine Erinnerung an -en deutsch-fraiyösischen Feldzug. Dem Andenken der Frau vr. Claus, geb. Sanner, gewidmet von <£. Mentzel. (Schluß.) Oft unterhielt ich mich mit Frau Dr. Claus darüber, wie schön es doch sei, das; bei den Sol ­ daten gehässige Borurtheile, die sonst den Süd ­ deutschen vom Norddeutschen trennten, oder der konfessionellen Engherzigkeit Raum zu Ausschrei ­ tungen verliehen, vollständig vor den großen nationalen Aufgaben des Augenblicks in den Hintergrund zurücktreten. Selbst in dem eigent ­ lich doch sehr beschränkten Felde unserer Wirk ­ samkeit erkannten wir sehr oft, das; die Kampf- genossenschaft in Noth und Tod doch ein mäch ­ tiger Bändiger überhebender Gefühle und ein großer Förderer der edelsten bürgerlichen Tugen ­ den ist. Wie viele andere Kolleginnen, mit denen wir unsere Eindrücke austauschten, so hatten auch Dr. Claus und ich nie ein spöttisches Lächeln gesehen, wenn die Angehörigen verschiedener Glaubensbekenntnisse in ihrer Weise dem Lenker des Geschickes ihr Seelenheil anempfahlen. Und wie die Begeisterung, so hatte auch eine ernste, wahre Frömmigkeit in jener Zeit tiefe Wurzeln geschlagen, in der der Einzelne um großer Ziele willen oft so schwer leiden mußte. Es war natürlich, daß man zu Gott seine Zuflucht nahm; denn in den Aufregungen und Schrecken des Krieges, in dem jähen Wechsel der Ereignisse ersehnt das Herz einen starken Halt an das Ewige. Mit welcher Innigkeit sangeil unsere Kranken und Verwundeten am Abend der Friedens ­ feier „Nun danket alle Gott". — Wahrlich, der schroffste Radikalist hätte gegen die gläubige An ­ dacht, die sich in den meisten Gesichtern wieder ­ spiegelte, nichts einwenden können. Als der Feldzug schon lange vorüber war, habe ich mich noch oft mit Frau Dr. Claus und auch mit Frl. Eleonore Scheffer darüber unter ­ halten, daß die Soldaten uns Pflegerinnen ge ­ genüber doch ein sehr anständiges, ja sogar ehr ­ erbietiges Betragen an den Tag legten. Aus ­ nahmen mögen ja vorgekommen sein, allein im Allgemeinen war, soweit unsere Erfahrungen reichten, gegen das Verhalten der Verwundeten und Erkrankten nicht das Geringste einzuwenden. Dazu waren sie nieist von einer geradezu rüh ­ renden Dankbarkeit erfüllt, die sich auf alle mög ­ liche Art Ausdruck zu verschaffen suchte. Wer die „Oberhessische Zeitung" aus dem Ende des Jahres 1870 und dem ersten Viertel des Jahrs