114 uitb als zugleich bekannt wurde, dag ihn sein Landesherr, Landgraf Friedrich II., anstatt des früheren Amtes, zum Professor der Rechts ­ wissenschaft und der Sittenlehre ohne Aenderung des Gehalts ernannt habe. Bald darauf begann auch Robert mit gleichem Erfolg, wie früher als Theologe, Vorlesungen über Rechtswissenschaft zu halten. Diese gewiß seltene Wandlung in der wissenschaftlichen Beschäftigung eines Mannes ist aber nicht blos ein Zeugniß seiner bedeutenden geistigen Begabung, sondern auch und noch viel i mehr ein Beweis seiner Redlichkeit und Gewissen- ! Hastigkeit. Durch die Forschungen von Semler, Michaelis und anderen Theologen sowie durch das Studium der Kantischen Philosophie war nämlich sein Glaube an manche Stücke der über ­ lieferten Kirchenlehre erschüttert worden. Wenn ­ gleich seine Zweifel den Kern unseres christlichen Glaubens nicht berührten, so wollte er doch, da ihm Heuchelei von ganzem Herzen verhaßt war, seinen Studenten und den ihm untergebenen Geistlichen gegenüber ein Bekenntniß nicht ver ­ treten, dem er in seinem Innern nicht überall und vollständig beipflichtete. Er verzichtete daher lieber ans seine ehrenvolle und einflußreiche Stel ­ lung und wühlte den gewiß nicht leichten Weg, j sich auf einem anderen wissenschaftlichen Gebiete j einen Berns zu schaffen. Er selbst äußerte sich über die mit ihm vorgegangene Wandlung gegen einen Freund folgendermaßen; „Seit acht Jahren und besonders seit zwei Jahren habe er sich, theils wegen seiner Gesundheit, vornehmlich aber, weil sich seine Einsichten, die oft von unserem Willen unabhängig sind, so geändert Hütten, daß er dem von ihm abgelegten heiligen Eid nicht länger Genüge leisten könnte, ohne seinem mo ­ ralischen Charakter den größten Schaden zuzu ­ fügen, nach einer solchen Aenderung seines Be ­ rufes gesehnt." Solche Beweggründe, wie die oben angeführten, müssen jeden unbefangenen Beurtheiler mit Hoch ­ achtung gegen einen Mann erfüllen, der nicht anders reden wollte, als wie er dachte, dem die Wahrheit höher stand, denn alle äußeren Vor ­ theile. Solche Wahrhaftigkeit findet aber auch ihren Lohn in der freudigen Kraft des Schaffens. Wenigstens war es so bei Robert. Denn ob ­ gleich sonst ein alter Kopf, der bis in die Nähe des Schwabenalters gekommen ist, eben nicht ge ­ schickt zu sein pflegt, uni Neues zu erlernen, so inachte doch Robert darin eine Ausnahme. Auch in seinem neuen Beruf wirkte er nicht nur als Lehrer durch scharfsinnige Erörterung schwieriger Rechtsfragen und durch klare eindringliche Dar ­ stellung sehr günstig ans seine Zuhörer ein, sondern, sowie er einst neben der theologischen Professur noch als Konsistorialrath und geist ­ licher Inspektor thätig gewesen war, so widmete er sich später mit großer Hingebung den Ver ­ waltungsgeschäften bei der Universität. Unter den mancherlei Verbesserungen, die er ans diesem Gebiete vornahm, verdient besonders seine Für ­ sorge für die Professoren-Wittwenkasse Erwäh ­ nung. Diese hatte durch die unredliche Ver ­ waltung eines gewissenlosen Atenschen einen großen Theil ihres Vermögens verloren. Durch Robert's eifrige Bemühungen und durch die ihr von ihm gegebene Umgestaltung wurde nicht nur der frühere Besitzstand hergestellt, sondern sogar noch vermehrt. Sv hat er mancher hülfsbedürf- tigen Wittwe durch seine einsichtige und uner ­ müdliche Thätigkeit ein besseres Loos verschafft. Seiner Verdienste in anderen Zweigen der Ver ­ waltung hier zu gedenken, würde über die dieser Darstellung gesteckten Grenzen hinausführen; doch schon das Gesagte wird genügen, um zu erklären, wie er unter allen Professoren das größte Ansehen erlangt hat. Nachdem sie schon dem Theologen durch ihre Wahl die höchste aka ­ demische Würde, die des Prorektors, zweimal übertragen hatten, übertrugen sie den: Juristen dieselbe noch viermal, sowie sie ihn auch 1785 zum Vertreter der Universität im Landtag er ­ wählten. In Folge der von ihm nacheinander einge ­ nommenen zwiefachen Stellung erlebte er das für einen Professor gewiß seltene Glück, daß es ihm vergönnt war, seinen einzigen Sohn zu taufen, ihn 31t immatriknliren, ihn zum Doktor der Rechte zu promoviren, als Prorektor ihn in den Kreis der ordentlichen Professoren einzu ­ führen und schließlich noch in ihm, dem jungen Prorektor, seinen Vorgesetzten 311 begrüßen. Bei einem Manne von solcher geistiger Be ­ gabung, der es sich, wie einst Salon, zum Grund ­ satz gemacht hatte, auch als Greis noch täglich zu lernen, wird es nicht befremden, wenn er nach einer dreiunddreißigjährigcn Thätigkeit als Professor im 58. Lebensjahre sich noch einer neuen Art der Thätigkeit anbequemte. Er folgte nämlich im Jahre 1797 bereitwillig dem Rufe seines Landesherrn, der ihn zum Mitglied des Ober-Appellationsgerichts in Kassel ernannte. Er fand sich nicht nur mit Leichtigkeit in die veränderte Stellung, sondern er wurde auch bald ein ebenso thätiges als einflußreiches Mitglied des höchsten Gerichtshofes, wie er es einst 51t Marburg im Rath der Professoren gewesen war. Ja in gewissem Sinne setzte er sogar neben seinem Richteramt die Marburger Thätigkeit fort. Aus Liebe zur Jugend und zu seiner früheren Lehrthätigkeit hielt er nämlich zu Kassel jungen Juristen, welche das Studium auf der Universität vollendet hatten, unentgeltlich Vorlesungen über