112 Westseite der Insel zerstört worden waren, ge ­ lang es ihnen, an mehreren Punkten zu landen und die Häuser aller königlich Gesinnten zu ver ­ brennen. Am 6. wurde Newport auf Befehl des Kom ­ mandanten Pigot auf's Sorgfältigste bewacht. Nur Soldaten durften ein und aus gehen. Alle Häuser in Schußweite außerhalb der Befestigungen wurden verbrannt, alle Brunnen in der Um ­ gegend verschüttet, Bäume gefällt und Mauern niedergerissen. Diese Arbeit siel den Matrosen zu, die ein besonderes Lager hatten. Inzwischen standen die Truppen unter Gewehr, stündlich einen Angriff erwartend. Immer mehr wuchs das Erstaunen ob der unerwarteten, seltsamen Ruhe, bis endlich der 8. Aufklärung brachte. Als an jenem Tage ein dichter Nebel sich lich ­ tete, sah das Regiment Ditfurth in nächster Nähe zwei französische Kriegsschiffe schußbereit. Statt zu feuern nahmen dieselben einen süd ­ lichen Kurs und segelten um die Insel. — Nachmittags 4 Uhr erschienen 11 Schiffe am Eingänge zum Hafen und eröffneten ein heftiges Feuer. Sie segelten auf die Stadt zu, fort ­ während feuernd, aber die Kugeln gingen über das Ziel hinaus und viele fielen in das Lager des Regiments Anspach-Bahreuth. Die Land ­ batterien dagegen erwiderten mit solchem Er ­ folge, daß die Schiffe sich bald in sichere Ent ­ fernung zurückzogen, uni Ausbesserungen vorzu- nehnien. Im Hafen lagen noch eine britische Fregatte, ein Ostindienfahrer und mehrere Trans ­ portschiffe, die alle gleichzeitig verbrannt wurden, damit sie nicht eine Beute der Franzosen würden. Um ein Haar wäre auch die Stadt mit Mann und Maus der drohenden Aussicht eines ähn ­ lichen Geschicks entgangen, freilich nur um einem weit schrecklicheren zum Opfer zu fallen. Ein plötzlich aufspringender Wind trieb die Flammen dem Pulvermagazin zu und erst nach langer, angestrengter Arbeit gelang es Bürgern und Soldaten, die furchtbare Gefahr abzuwenden. Pigot konzentrirte feine Truppen auf die Stadt und ihre Umgebung und als am andern Morgen gegen 9 Uhr ein frischer Wind den dichten Nebel verscheuchte, sahen die im Schutze von Tammany Hill aufgestellten Truppen die französische Flotte in ziemlicher Nähe, zwischen den Inseln Cona- nicut und Gould Island. Weder den Offizieren noch den Mannschaften war der Anblick sehr er ­ wünscht. Den Kanonen des Feindes preisgegeben, hatten sie nicht einmal zum Manoeuvriren genü ­ genden Platz. Mit banger Erwartung sahen sieden Dingen entgegen, die da kommen sollten. So verstrichen viele Stunden, bis der Nachmittag den Bedrängten neue Hoffnung brachte. Um ! 4 Uhr erschien am Horizont ein Segel, ein zweites folgte^ und bald zählten die erfreuten Soldaten dreißig Schiffe. Es war die englische Flotte unter Howe. Pigot sandte ihr ein Boot mit einem seiner Adjutanten entgegen, während die Franzosen sich zu einem Angriffe zu rüsten schienen. Sie. landeten Truppen auf Conanicut und es schien, als ob sic, unterstützt von den amerikanischen Truppen auf der Westseite, zum Angriffe Vorgehen würden. Auch aus eine See ­ schlacht rechnete man; der Wind fiel jedoch, und bei Einbruch der Nacht war die englische Flotte noch eine Seemeile weit entfernt. Pigot, der noch imnier einen Angriff fürchtete, konzentrirte seine beiden Schlachtlinien. — Während der Nacht sandte er das Regiment Bayreuth an einen drei (engl.) Meilen entfernten Punkt, wo man eine Landung der Amerikaner befürchtete. Die Franzosen reparirten unterdessen ihre Schiffe. Um 10 Uhr folgenden Morgens verließen sie, von den Strandbatterien heftig beschossen, den Hafen, vor dem die Engländer Aufstellung ge ­ nommen. Mit Staunen sahen die Newpvrter, nachdem sich die Rauchwolken verzogen, daß die englische Flotte, wenn auch noch immer in Schlachtordnung, den Rückzug angetreten hatte und von der französischen verfolgt wurde. Noch ehe sie sich von der Ueberraschung erholt hatten, war das letzte Schiff im Südosten verschwunden! Wunderbar fast scheint es, daß nicht ein Eng ­ länder oder Hesse verwundet wurde, trotzdem die Franzosen 10,000 Schüsse abgegeben " hatten! Die Schiffe der letzteren hatten desto ärger zn leiden unter den Schüssen der drei Batterien, die sie passiren mußten. Die Fluth spülte die Todten an's Land, welche sic über Bord ge ­ worfen hatten. Verschiedene Detachements ameri ­ kanischer Truppen waren herbeigeeilt, um den Angriff zu unterstützen, zogen sich aber zurück, sobald sie die französische Flotte absegeln sahen. So konnte denn auch das Regiment Bayreuth am 11. wieder seine alte Stellung auf der vor ­ deren linken Flanke der Verschanzungen, nahe Tammany Hill, einnehmen. Die Vertheidigungs ­ werke lehnten sich an eine felsenbedcckte Anhöhe, auf welche sich die Truppen im Nothfall zurück ­ ziehen konnten. Drei gefangene amerikanische Offiziere sagten aus, daß ihre Truppen 20 bis 22,000 Mann stark bei Windmill Hill ständen, geleitet von Sullivan, Green und Lafayette; auch Präsident Hancock sei bei ihnen. — Sofort wurden neue Befestigungen angelegt. Strömender Regen machte jedoch bald alles Arbeiten unmög ­ lich und ein heftiger Sturm warf die Zelte um. (Fortsetzung folgt.)