88 — „„Mit Gott in einer jeden Sach Den Anfang und das Ende mach, Mit Gott gerath der Anfang wohl, Fürß Ende man Gott danken soll.""— „„Allein auf Gott setz dein Vertrauen, Auf Menschenhilf sollst Du nicht bauen, Gott ist allein, der Glauben halt, Sonst ist kein Glaub nicht in der Welt."" — „„Gott allein die Ehr, Sonst keinem Andern mehr."" „„Wer mit Gott geht aus und ciu Wird dort ewig bei ihm sein."" „„Johannes Noll nnd seine ehliche Hauß Frau Anna Elisabetha haben durch Gott Hilf diesen bau erbaut, desen Schutz ist auch wieder anvertraut, Er wache iber alte so sich wir uns tun nennen, Biß wir uns im Himmel kennen.""— An eine schlimme Feuersbrunst in diesem Dorfe erinnern die Verse: „„Drauervolle läge, Da lauter angst urd Plage Uns hart betroffen hat, Es war das unglücks-feuer So schnell und ungeheuer, Daß niemand konnte widerstehl!. Wo sind doch unsre Häuser zu sehn'? Sie wurden mit Hab und Gut Verzehrt durch die gluth."" — Von bitterer Erfahrung zxngt die Inschrift eines Hauseö in B r a n e r fchwend (an oberer Schwalm :) „Bauen ist eine Lust, Doch macht es den Beutel leer. Hätt' ich das eher gewußt, So baut' ich nicht mehr." — In Oberfeemen bei Gedern finden wir: „„Wo Fried' und Einigkeit regiert, Da ist das ganze Haus geziert."" — In R upPertsburg bei Laubach : „ „Da du lebst, da leb auch ich. Wohin hättest du mich gern gefangen, jetzt hättest du mich. Was hilft cs dir? Du bist tot, und ich muß sterben."" — , „Dis Haus steht in Gottes Hand, Kaspar Schad und Anna Katharina die Bauleut genannt, Meister Konrad Fritz gemacht mit seiner Hand, Gott behi'lts vor Feuers-Brand.""— In We 1 terfeld bei Laubach: „„Mit Ziegeln bin ich wohl versehn, An Holz thut es auch nicht fehlen, Die Fenster sind so eingericht, Wie man es hier vor Augen sicht. Am weisen wird kein Fehler sein, Drum laßt all nur eur Spotten sein."" — In Queckborn und Weikartshain bei Grünberg lesen wir wiederholt den Spruch: „„Durch Gottes Hilf und seine Macht Ist dieser Bau in Stand gebracht."" — In letztgenanntem Dorfe fanden wir an den Balken eines abgerissenen Hauses: . „„Sing, bät uud geh auf Gottes Wegen, ! So lang bit lebst in dieser Welt, l So schmückt dir Gott dein Haus mit Segen, An Gut und Nahrung wohl bestellt."" — j Dr. A. U. Aus Heimat!) und Fremde. Marburg. Dem Privatdoeent Dr. med. Karl Rose r dahier ist vom 1. April ab die durch den j Tod des Sanitätsrathes Dr. Noll erledigte Stelle ! des Dirigenten des L a n d k r a n k e n h a u s e s zu Hanau übertragen worden. — Der Professor Dr. med. E r u st F r e r i ch s, früher Privatdoeent der medizinischen Fakultät, hat seinen Wohnsitz nach Wiesbaden verlegt. — In der Sitzung des Abgeord ­ netenhauses am 5. März zu Berlin wurde der An ­ trag, 2400 Mk. für die Professur der Hygiene in Marburg und 4274 Mk. für das hygienische In ­ stitut daselbst zu bewilligen, angenommen. — Der außerordentliche Professor für englische Philologie und Direktor des romanisch-englischen Seminars Dr. Wilhelm Victor hat eine Berufung als ordent ­ licher Professor an die Universität Genf erhalten. Man hofft, daß es den Bemühungen der hiesigen philosophischen Fakultät gelingen werde, den verdienten Gelehrten und beliebten Lehrer der hiesigen Universität j zu erhalten. I Auf den durch Prof. Lueae's Tod erledigten Lehrstuhl für Ger m a it istik in M a r b u r g ist ein junger Gelehrter berufen worden, dessen engere Heimat das Hessenland ist. Prof. Dr. Edward Schröder wurde tm Jahre 1858 zu Witzeuhauseu geboren, verließ Ostern 1876 das Lyceum Fride- riciaimm zu Kassel mit dem Zeugniß der Reife und studirte zu Straßburg und Berlin germanische Philo ­ logie im engeren Schülerkreise Müllenhoffs unb Scherers. Nach dem Erscheinen seiner musterhaften Ausgabe des Anegenge (Quellen und Forschungen, Band 44), mit deren ersten Theil er in Straßburg promovirte, und seiner geistreichen Bearbeitung des goldenen Spiels von Meister Jngold in den Elsässer- Denkmälern No. III., arbeitete Schröder in Berlin an den Monumentis Germaniae, wo man ihm die schwierige Ausgabe der Kaiserchronik anvertraute. Von Berlin ging Schröder nach Göttingen, um dort durch seine Habilitation seine Universitätslaufbahn zu beginnen, die ihn bald nach Berlin zurückführen sollte, wo er außerordentlicher Professor wurde. Damals ruhte eine große, aber ehrenvolle Arbeitslast und Verantwortung auf ihm, als Müllenhoff und Scherer kurz hintereinander starben. Ihm vertraute man auch die