64 „Vereins für Naturkunde"; dem öffent ­ lichen Leben, den Gemeindcangelegcnheiten, den wissenschaftlichen, künstlerischen und gemeinnützigen Bestrebungen in hiesiger Stadt widmete er fünf ­ zehn Jahre lang die anerkenncnswertheste Thätig ­ keit ; wir können ihn daher als einen der Unseren betrachten: er gehört der Geschichte unserer Vater ­ stadt an, deshalb wird denn auch eine Skizze seines Lebens den Lesern unserer Zeitschrift sicherlich willkommen sein. Dank dem freund ­ lichen Entgegenkommen des Geschäftsführers des Vereins für Naturkunde, des hochgeschätzten treuen Mitarbeiters unserer Zeitschrift, der als Herausgeber des neuesten Berichtes des genann ­ ten Vereins uns daraus den ersten Aushänge ­ bogen zur Benutzung für das „Hessenland" zur Ver ­ fügung gestellt hat, sind wir in der Lage, nach den Valparaisoer „Deutschen Nachrichten" eine Lebensschilderung des hochverdienten Professors Dr. R. A. Philippi hier zum Abdruck zu bringen. Santiago, 16. September 1888. Unter der freudigen Theilnahme nicht nur der deutschen Kolonie Santiago, sondern derjenigen ganz Chile's feierte am 14. dieses Monats der von seinen Landsleuten wie Chilenen gleicher ­ maßen hochgeschätzte und allverehrte Herr Doktor Rudolph Amandus Philippi, der langjährige unermüdliche Direktordes National ­ museums, seinen achtzigsten Geburtstag. Es ist ihm vergönnt gewesen, diesen Tag in männlicher Rüstigkeit seines Körpers und in voller geistiger Frische zu begehen, reich wie je an den edlen Empfindungen eines eckt deutschen Herzens und deutschen Gemüthes. Möge es unserm „Alten Herrn" beschieden sein, seinen Angehörigen zur Freude, seinem Vaterlande zum Stolz, der Wissen ­ schaft zur Ehre, sich selbst zur Genugthuung, mit ungeschwächter Kraft noch lange Jahre unge ­ trübten Glücks in unserer Mitte zu wirken. Wir glauben im Sinne aller unserer Leser zu handeln, wenn wir im Folgenden dem Bericht über die Festlichkeiten selbst einige Notizen aus dem Leben des Jubelgreises vorangehen lassen. Rudolph Amandus Philippi wurde am 14. September 1808 zu Charlottenburg bei Berlin geboren. Er besuchte von 1818 — 1822 das Pestalozzi'sche Institut zu Jverdun. Die mächtige und unvergleichlich schöne Schweizer ­ landschaft rings um ihn her mußte durch sich selbst auf den geweckten Knaben einen lebhaften Eindruck machen. Hält man daneben den er ­ ziehlichen Einfluß Meister Pestalozzi's, der ge ­ rade damals bestrebt war, das Prineip der An ­ schauung in die Praxis des Unterrichts einzu ­ führen, seine Schüler zur Uebung ihrer Sinne anzuleiten, um richtig zu hören, zu sehen, zu beobachten, zu prüfen, zu vergleichen, und zu urtheilen, so wird man kaum fehlgehen mit der Behauptung, daß die umgebende Natur und die erziehliche Einwirkung auf die eigne, ihn, unsern gefeierten Veteranen, frühzeitig für das Studium der Naturwissenschaften, deiner später mit großem Erfolg oblag, vorbestimmt haben. Nachdem der vierzehnjährige Knabe die Schule Pestalozzi's verlassen, trat er in das berühmte Gymnasium „zum grauen Kloster" in Berlin ein, um nach dessen Absolvirung auf der zwei Jahre nach seiner Geburt gegründeten Berliner „Friedrich- Wilhelms-Universität" medicinischen Studien ob ­ zuliegen und im Alter von 22 Jahren das Staatsexamen abzulegen, sowie den Titel eines „Doctor medicinae“ zu erwerben (1830). Ehe der Doctor med. R. A. Philippi seine ärztliche Praxis aufnahm, ging er voil 1830— 1832 nach Italien, einerseits um Körper und Geist nach den langwierigen angreifenden Studien die nothwendige Erholung zu gönnen, andrerseits auch, um seiner Vorliebe für naturwissenschaftliche Studien eine praktische Genugthuung geben zu können. Besonders lang hielt er sich auf der Insel Sicilieu auf, die er in Gemeinschaft mit den beiden viel älteren deutschen Gelehrten Friedrich Hoffmann und Escher von der Linth, deren Bekanntschaft er zufällig in Italien gemacht hatte, gründlich erforschte. In jene Zeit fällt auch das Ereigniß der plötzlich, südwestlich von Sicilien, aus dem Mittelmeer auftauchenden vulkanische» Insel „Ferdinanden". Unsere drei Gelehrten beschlossen, dieselbe zu be ­ suchen und sie der kritisch-wissenschaftlichen Sonde zu unterwerfen. Sie fanden aber leider alles noch in einem solch brodelnden Urschlamm, daß eine Annäherung nur bis auf einen Kilometer Entfernung möglich wurde. Sobald ein Betreten möglich, nahmen das - neu geschaffene Land natürlich die Engländer in Besitz, unter deren Füßen es indessen bald wieder im Meere versank. Eine Episode möge hier noch erwähnt werden, weil sie charakteristisch ist für das damalige deutsche Gelehrtenthum und uns das ehrende Vertrauen offenbart, welches der junge Doktor sich schnell bei den beiden älteren Gelehrten zu erwerben verstanden hat. Es war in Neapel. Unsern jungen Forscher gemahnte der vvn Tag zu Tag drohender gähnende Abgrund seiner Börse sich mit dem Ge- danken der Rückkehr nach Deutschland zu be ­ freunden. Wir alle kennen ja das. Ein junger deutscher Doktor, der eben die Universität ver ­ lassen hat, befindet sich selten in der Lage, mit Glücksgütern so gesegnet zu sein, daß er nach Belieben reisen und ohne irgend welche Be ­ schränkung im theuern Anslande leben kann.