58 von Waldeck und Kunzwann von Falkenberg den Herzog Friedrich von Braunschweig auf dessen Rück ­ reise von der Kaiserwahl in Frankfurt bei dem Dorfe Kleinenglis ermordete. Die hierdurch entstandenen 5jährigen Fehden, durch welche die Stadt Kassel selbst bedroht wurde, mögen i in Reinhard zuerst die Lust an solchen erweckt haben, j die ihn dann bis an das Ende seines Lebens nicht wieder verlassen hat. Es wurden dann einzelne seiner Fehden mit be ­ nachbarten Rittern und namentlich seines im Jahre 1420 erfolgten Raubzugs in die Abtei Hersfeld er ­ wähnt, welche sämmtlich ungeahndet blieben. Im Jahre 1431 waren die Hertingshausen bis auf einen Enkel Friedrichs und Reinhards Gemahlin ausgestorben und wurde Reinhard am 20. Mai 1431 vom Erzbischof Konrad von Mainz über diesen minderjährigen Friedrich von Hertingshausen zum Vor ­ mund bestellt. Er kam nun in den Besitz der Hälfte der Her- tingshausenschen Besitzungen und bezog die Weidel ­ burg, während sein Nesse die Naumburg bewohnte. Auf der Weidelburg führte er ein sehr glänzendes Leben, welches aber den Neid seiner Nachbarn erregte und fortwährend zu Fehden mit diesen führte. Da er trotz seinem Uebermuth und seiner Rauflust jedoch zur Erkenntniß gekommen war, daß unter der Negierung Ludwig des Friedsamen die Macht des Landesherrn gewachsen und die Einrichtung der Ge ­ richte vervollkommnet sei, entzog er sich dem Mainzer Erzbischof und trug die Weidelburg mit vielen Ort ­ schaften, Zinsen und Zehnten im Jahre 1437 dem Landgrafen zu Lehen auf, von dem er sie zu rechtem Mannlehn wieder empfing. Hierbei mußte er sich bei Vermeidung des Verlusts aller seiner Güter ver ­ pflichten, sich jeder Fehde mit seinem Landesherrn zu enthalten und stets zur Aufnahme einer Besatzung in der Burg in Kriegszeiten bereit zu sein. Reinhard vermochte es aber nicht, Ruhe zu halten. Im Jahre 1442 lag er wieder in heftiger Fehde mit anderen Rittern wegen von ihm erhobener Ansprüche auf die Güter der Hunde von Holzhausen. Da alle gütlichen Versuche des Landgrafen und des Erzbischofs von Mainz, ihn zur Ruhe zu bringen, vergeblich waren, beschlossen diese, vereint gegen ihn vorzugehen und ihn und seinen Neffen, welcher stets mit ihm im Bunde war, zu züchtigen. Im April 1448 zogen landgräfliche und mainzische Truppen vor die Naum ­ burg und Weidelburg und eroberten erstere alsbald und letztere nach achttägiger Belagerung. Reinhard wurde gefangen und bat kniefällig um Gnade. Nur auf Fürbitte der Schwester des Landgrafen wurde ihm das Leben geschenkt, er ging aber der Weidel ­ burg und fast aller seiner Güter verlustig. An diese Eroberung der Weidelburg knüpfen sich nun mehrere von dem Vortragenden erwähnte Sagen, unter denen sich auch die an den verschiedensten Orten vorkommende Sage der Weiber von Weinsberg findet. Reinhard wohnte dann, den Verlust seiner Güter schwer empfindend, anfangs in Fritzlar, dann auf der Schauenburg und die letzte Zeit seines Lebens auf der Naumburg, nachdem er und sein Neffe diese Burg von Mainz wieder zurückerhalten hatten. Da ­ mit waren aber die Fehden noch nicht zu Ende, es entspann sich bald die blutige, vierjährige sog. Bundes ­ herrnfehde, welche Werner von Elben, Wolfs von Gudenberg und andere Ritter gegen ihn und seinen Neffen führten. Im Jahre 1461 endete er sein vielbewegtes Leben als landgräflicher Amtmann von Wolfhagen auf der Naumburg. Zum Schluß gab der Vortragende eine Beschrei ­ bung der Weidelburg in ihrem jetzigen Zustande und bemerkte, daß sein Vortrag mit den Zweck verfolgt habe, als Vorbereitung für einen Ausflug der Mitglieder des Vereins nach der Weidelburg, welchen der Vor ­ stand für den Monat Mai in Aussicht genommen habe, zu dienen; einen Punkt, von welchem Landau in seinen Ritterburgen sagt: »Hier bietet sich dem Blicke eine Aussicht dar, bei der jedes fühlende Herz sich mit hoher, entzückender Freude füllt und sich dann zu dem emporschwingt, der die Erde so schön geschaffen hat." Wir sind in der Lage, den Freunden der deutschen Literatur^ eine gewiß^ sehr willkommene Mittheilung zu machen Demnächst wird der literarische Nachlaß Franz Dingelstedt's veröffentlicht werden. Kein Geringerer als Julius Roden- berg in Berlin, unser hessischer Landsmann, der rühmlichst bekannte Dichter und Schriftsteller, hat sich dieser Aufgabe unterzogen. Ungeachtet des Unter ­ schiedes des Alters stand Franz Dingelstedt mit seinem Landsmanne aus der Grafschaft Schaumburg, Julius Rodenberg, in sehr nahen freundschaftlichen Beziehungen. Von Letzterem ging u. W. die An ­ regung zur Herausgabe der Gesammt-Ausgabe von Dingelstedts Werken aus, die 1871 in 12 Bänden im Verlage der Gebrüder Paetel in Berlin erschien, und ihm verdanken wir auch das treueste Lebensbild Franz Dingelstedts, ^ das er uns in seiner^ hochinter- essantelt,Schrift „Heimatherinnerungen" geschaffen hat. In bessere Hände konnte sonach der literarische Nach ­ laß Franz Dingelstedts nicht gelangen. Ueber das Stammbuch der althessischen Ritterschaft, ..... dem Verein der althessischen Ritterschaft gewidmet von Rudolf von Buttlar- Elb erb erg, gedruckt bei Wilhelm Börner in Wolf-