48 / seinen Märkten, Flecken und Dörfern jetzt und in Zukunft, namentlich in der Herrschaft Bremelau, die er von den von Wöllwarth erkauft hatte und mit der er der reichsfreien Ritterschaft des Kantons an der Donau angehörte, rothes Siegel ­ wachs zu führen, was ein Vorrecht des hohen Adels war. Doch wir müssen um einige Jahre in unserer Darstellung zurück. Das Jahr 1552 sollte nicht enden, ohne dem alten Konrad aufs neue für längere Zeit das Schlachtschwert in die Hand zu drücken. Der wilde Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach hatte auf seinen abenteuerlichen Fahrten auch das Ulmer Gebiet heimgesucht und die Burg Helfenstein erobert. Die Ulmer schnoben Rache; und ihr Nachbar Bemelberg bot ihnen seinen starken Arm und seinen erprobten Rath. So zogen denn die Ulmer unter Bemelberg und ihrem Bürgemeister Sebastian Besserer heran, vertrieben die feindliche Besatzung und zerstörten die Burg. Die wackeren Städter thaten sich darauf nicht wenig zu gute, und der Oberst Bemelberg hatte ihnen eine hohe Meinung von sich beigebracht. Im „Helfensteiner Liede" heißt es von ihm: „Conrat von Bemmelberg unser obrist war, „Er ist auch gwest bei diser gfar, „Es sei gleich frü oder spate; „Er stund selbst herzhaft bei dem gschütz, „Gab manchen guten rathe. „Der obrist war ein tapfer man, „Er war allzeit zuvorderst dran, „Ist bei den Ulmern bestanden. „Gott woll ihm geben glück und heil „In teutsch und welschen Landen. „Wir Ulmer wölln znm obristen halten „Und wölln die fach gott lassen walten, „Bei ihm wällen wir bleiben; „Und sollt cs kosten leib und gut, „Den feind wölln wir vertreiben." Und neue Arbeit gab es für den unermüdlicheit Mann im Westen des deutschen Reiches. Der Franzose hatte zum ersten Male, nach deutschem Lande lüstern, einen frechen Raub ausgeführt und, während der gichtkranke Kaiser durch Kur ­ fürst Moritz von Sachsen schwer bedrängt wurde, Metz, Toul und Verdun, drei deutsche Bisthümer und drei deutsche Reichsstädte, an sich gerissen. Den Raub ihm abzujagen, war Kaiser Karl fest entschlossen. Aber das Kriegsglück, das er so oft an seine Fahnen gekettet hatte, war dem alternden Herrscher nickt mehr hold, und der böse Spottreim: „Die Metze und die Magd haben dem Kaiser den Tanz versagt", ließ es ihn fühlen, daß gar mancher der Großen und der Kleinen im deutschen Reiche ihm diesen Miß ­ erfolg gönnte. (Schluß folgt.» —o~ an Keilrag zur Anziehung und Bildung hessischer Wrinzen Von I. Schwank. In dem hessischen Fürstenhause ist von Anfang an großes Gewicht aus tüchtige Bildung der Prinzen des Hauses gelegt worden, wodurch es kam, daß in nicht wenigen Fällen sogar be ­ deutende Gelehrsamkeit erworben wurde. Die größte Sorgfalt wurde natürlich bei dem zu ­ künftigen Nachfolger auf Tüchtigkeit in der Ver ­ waltung und Regierung verwendet. Die nöthige Ausbildung geschah nach den ersten Jahren der Kindheit an dem eigenen Hofe unter Leitung tüchtiger Staatsmänner und Gelehrten, meist aus dem Adel des Landes, z. B. die Erziehung des älteren und jüngeren Wilhelm unter Aufsicht und Leitung des bekannten Hans von Dörnberg, die des jungen Philipp unter Ludwig von Böme- burg (sogar mit Ausschließung seiner Mutter Anna), dann auf Universitäten, z. B. Paris und Prag, später Stuttgart, Genf, Straßburg, Basel u. s. w., ferner durch Reisen an fremde und ver ­ wandte Höfe und in benachbarte durch politische Beziehungen gerade verbundene Länder: Frank ­ reich, Niederlande, England, Jtailien. So kam es denn, daß in folge der trefflichen Gaben dieses Fürstenhauses eine große Zahl hessischer Fürsten und Prinzen sich durch hohe wissenschaftliche Bildung und Gelehrsamkeit auszeichnete, Er ­ findungen in mancherlei Künsten machte und wissenschaftliche Werke verfaßte. Nur für den in der hessischen Geschichte unkundigen Leser soll erinnert werden an Philipps des Großmüthigen staatsmünnische und theologische Bildung, an Wilhelm IV. mathematische, medizinische und astronomische Kenntnisse, an des Landgrafen Moritz theologische, mathematische und altklassische Gelehrsamkeit und an die matheinatischen und meteorologischen und geographischen Schriften