46 lonrafc von Kemelberg, der kleine Keß, der Mnösknechlsoberft. Eine historische Skizze von <£. Stenü eil- (Fortsetzung.) IV. Es war gut. daß der Kriegsrath und Oberst Bemelberg dieses Werk in einer Zeit verfaßt hatte, wo er noch nicht in die Wirren der Partei- kämpfe verflochten war, denen sich damals kein bedeutender Mann entziehen konnte und in denen es nur wenigen vergönnt sein sollte, vor Ver ­ unglimpfung bewahrt zu bleiben. — Schon seit lange lastete bange Gewitterschwüle, das untrüg ­ liche Anzeichen eines schweren Wetters, auf allen Gemüthern, aber die Kriege im Osten und Westen und Süden hatten noch immer eine augenblickliche Ableitung gebracht. Doch war Karl V. mit den Jahren nicht duldsamer ge worden, der Einfluß der Spanier, eines Alba, eines Avila j Zuniga, hatte ihn nur selbst ­ herrlicher und bigotter gemacht, als er in jungen Jahren gewesen. Andererseits war die Sache der Reformation in stetiger Zunahme begriffen; sie konnte nunmehr als fest begründet gelten, da seit dem Jahre 1539 auch der brandenburgische Kurstaat für sie gewonnen war. Aber ein Zu ­ sammenstoß war unvermeidlich, das hatte man hüben und drüben erkannt. Die Verhandlungen, die gepflogen wurden, waren nur das Anzeichen ängstlicher Gemüther auf der protestantischen Seite, während sie von der anderen Seite so eifrig, aber erfolglos betrieben wurden, um Zeit zu Rüstungen zu gewinnen. Denn des „hispanischen Karl" Sache stand zunächst recht ungünstig. Unserm Konrad von Bemelberg ist es gewiß schwer angekommen, in diesem unseligen schmalkaldischen Kriege, dem trüben Vorspiel des entsetzlichen dreißigjährigen Krieges, Partei zu ergreifen; die Dienstverhältnisse drängten ihn aber auf die kaiserliche Seite, auf der auch der Herzog von Baiern zu finden war, und zwangen ihn, alle Stimmen des Herzens zum Schweigen zu bringen und, wenn essein müßte, gegen seinen hessischen Lehnsherrn, Landgraf Philipp, auf dessen Seite er seine Stammesvettern wußte, das Schwert zu ergreifen. Wie so gern hätte er das Aeußerste abgewandt! Mit welcher frohen Zuversicht wird er sich dem Aufträge, den ihm der Kaiser ertheilte, mit den Häuptern des schmal ­ kaldischen Bundes, die in Donauwörth versam ­ melt waren, zu verhandeln, unterzogen haben! Er traf sie nicht mehr; auch wäre es nutzlos gewesen: Kaiser Karl, dessen Gewissen von Spaniern uttb Italienern unablässig geschürt wurde, wollte ja keinen Frieden mit den Ketzern. Der Krieg in Oberdentschland brach aus. Herzog Wilhelm vou Baiern, der sich für neutral erklärt hatte, übertrug Bemelberg das Amt eines Pflegers in dem festen Städtchen Rain, das, am Lech nur wenig über eine Meile östlich von Donauwörth gelegen, 800 Landsknechte, die der Kaiser geschickt, in seinen Mauern barg. Gerade hier begann der augsburgische Feldhauptmann Sebastian Schertlin, Bemelbergs alter Gegner, ein ebenso geschickter wie entschlossener Führer, die Feindseligkeiten; er besetzte die Lechbrücke bei Rain und begann die Beschießung der Stadt. Bemelberg, im guten Glauben, Herzog Wilhelm sei und bleibe neutral, und nicht im Stande, sich lange der Uebermacht gegenüber zu halten — auch war ein Brief Herzog Wilhelms an ihn, der ihm anbefahl, die Stadt unter allen Umständen zu halten, von den Gegnern auf ­ gefangen worden — räumte den Platz, da ihm und seinem Kriegsvolk freier Abzug mit allen kriegerischen Ehren zugesagt wurde. Er ahnte nicht, wie verhängnisvoll dieser Schritt für ihn werden sollte; Herzog Wilhelm genehmigte zwar, den Verhältnissen billig Rechnung tragend, die Uebergabe; dagegen setzte der Kaiser, als er bald darauf Rain einnahm, seinen Kriegsrath Bemel ­ berg gefangen und nahm ihm seine Aemter und Würden. Bald aber sah er ein. welche Kränkung er dem trefflichen Manne zugefügt; er gab ihm Freiheit und alle seine Ehren zurück, ja schickte ihn im November 1546 als Unterhändler zum Landgrafen nach Kassel. Auch diesmal konnte der wackere Konrad seinem angestammten Landes ­ fürsten wenig nützen; die Kriegsfurie war einmal entfesselt, und welsche Hinterlist fand ihr Ge-