42 Das Falckenheiner'sche Kaiserfestspiel ^Hohen ­ staufen und Hohenzollern", welches wir bereits in Nr. 15 dieser Zeitschrift vom vorigen Jahre besprochen haben, ist hier sechsmal zur Aufführung gelangt und hat jedesmal großen Beifall gefunden. Die Jnscenirung wird als eine vortreffliche gerühmt. Der Dichter Dr. W. Falckenheiner, der Regisseur Franz Treller und der Leiter der musikalischen Begleitung Musik- director A. Brede wurden wiederholt gerufen. In der Monatsversammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde er ­ ledigte zunächst der Vorsitzende, Major von Slamford, die geschäftliche Tagesordnung, hiernach hielt W. R o g g e - Ludwig den angekündigten Vortrag über „Reinhard von Dallwigk, ein hessischer Raubritter zu Anfang des 15. Jahrhunderts, und Johann Bernhard von drallwigk, ein hessischer Staatsmann aus der Zeit des Deißigjährigen Krieges«. Der Vortrag fand bei ­ fällige Aufnahme. Wir werden auf denselben zurück ­ kommen. Am 17. Januar fand im Hahn'schen Gasthofe dahier auf Anregung der Beamten der hiesigen Landes - bibliothek zu Ehren des nach langjähriger Dienstzeit am 1. Januar in den Ruhestand getretenen Bibliothek- secretärs Leonhard Schultheis ein Abendessen statt, an dem sich ca. 40 Freunde des genannten Herrn, betheiligten. Bibliothekar Dr. Lohmeyer brachte den ersten Trinkspruch aus. Er feierte in beredten Worten die Verdienste des Herrn Schultheis, der über 41 Jahre an der hiesigen Landesbibliothek thätig gewesen sei, hob dessen Fleiß, Berufstreue, Freund ­ lichkeit und Gefälligkeit gegen Jedermann hervor, gedachte der vortrefflichen Charaktereigenschaften des ­ selben und überreichte ihm als Andenken ein Bild, welches die zeitigen Beamten der hiesigen Landes ­ bibliothek in photographischer Gruppe darstellt. Sichtlich gerührt, dankte Herr Schultheis in ver ­ bindlichster Weise. Es folgten dann zu Ehren des ­ selben noch eine große Anzahl von Trinksprüchen, theils ernster, theils humoristischer Art, einer sogar in gebundener Rede, welche mit dem Gesang ­ entsprechender Lieder im Chor und im Quartett abwechselten. Es herrschte bei diesem Feste eine sehr angenehme Gemüthlichkeit, und der Verlauf desselben liefert wohl den besten Beweis, welcher Anhänglichkeit und Beliebtheit sich Herr Leonhard Schultheis bei seinen Freunden und Bekannten erfreut. An Stelle des zum Bibliothekssekretär beförderten Dr. Karl Scherer ist Dr. phil. Fritz Seelig zum Assistenten der hiesigen ständischen Landesbibliothek er ­ nannt worden. Fritz Seelig, ältester Sohn des Amts ­ gerichtsraths F. W. Seelig dahier, ist am 24. Okt. 1860 zu Rotenburg an der Fulda geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Kassel, gen. Lyceum Fridericianum, von Ostern 1869 bis Herbst 1879, studirte dann drei Semester (bis Ostern 1881) in Berlin und hier ­ nach fünf Semester (bis Herbst 1883) zu Straß ­ burg germanische Philologie und Geschichte. Mit abschließenden Arbeiten zum Examen pro facul- tate docendi beschäftigt, verlebte er das fol ­ gende Jahr theils in Kassel, theils in Straßburg, um dann seit l.Okt. 1884 als Einjährig-Freiwilliger im Königl. bayerischen Jnfanterie-Leibregiment zu München seiner Dienstpflicht zu genügen. Den Schluß des Jahres 1885 und das Jahr 1886 war er als Erzieher am Genfer See und an der Riviera thätig, zugleich für Zeitschriften und Tagesblättern arbeitend. Dann wirkte er, nach einer 13tägigen Dienstleistung zu Metz als Unteroffizier der Reserve, im Jahre 1887 als Lehrer für Geschichte, neue und klassische Sprachen im Institut Khuen zu Straßburg, bis er im Frühjahr 1888 als Volontär in die kaiserliche Universitäts- und Landes-Bibliothek eintrat, um von dortaus mit Beginn dieses Jahres Assistent der Landesbibliothek zu Kassel zu werden. Seine, 1887 als Sonder-Abdruck aus dem III. Bande der Straß ­ burger Studien erschienene Dokwr-Dissertation, auf Grund deren er bei der philosophischen Fakultät der Kaiser - Wilhelms - Universität feierlichst promovirt wurde, führt den Titel: „Hans von Bühel. Ein Elsässischer Dichter, um 1400. Eine litterarhistorische Untersuchung.« Unsere hessischen höheren Lehranstalten werden kommende Ostern mit ihren Jahresberichten folgende wissenschaftliche Abhandlungen bringen: Kassel, Friedrichsgymnasium: Das Problem der Willensfreiheit. Von Hüpeden. „ Wilhelmsgymnasium: Ueber die Jagd bei den Griechen. 2. Abth. Von Manns. „ Realgymnasium: 1) Lehrplan für den Unterricht im Französischen. 2) Ueber Quintilians institutio oratoria. Von Peters. „ Realschule: Beitrag zur Reform des fran ­ zösischen Unterriästs. Von Quiehl. Hanau, Gymnasium: Vindiciae Livianae. Von Heraeus. Hersfeld, Gymnasium: 8tau8 puer ad mensam und sein Verhältniß zu ähnlichen Er ­ zeugnissen des 15. Jahrhunderts. Bon Burch enne.