37 er stellt ihm auch ein schmeichelhaftes Zeugniß für seine Bildung aus. Das Werk, das er da ­ mals (1544 und 45) im Bunde mit seinem Freunde, dem Grafen Reinhard von Solms, ver ­ faßte und das m. W. bisher noch nicht gedruckt ist, ist das militärische Testament des merkwürdigen Mannes, das ihn hoch ebrt. Es führt den Titel: „Ein Kriegsordenong von allen Ampter des Kriegs, wie die versechen, bestallt und regirt werden sollen und was einer jeden Person zu thun gehören will, ein jedes mit seiner figuern besonders angezeigt und beschrieben" und ist mit farbigen Bildern aller Aemter (Chargen) reich geziert. Bemelberg erscheint in diesem Werk als begeisterter Lobredner der militärischen Zucht: „Wo nun gehorsame, forcht, Sorg und vleis ist, da Wirt alles wol aufgericht und steet Alles in gueter Huet und achtung." „Darumb dann einem jeden kriegsherren von nöten, uff diese Haupt ­ stuck eines gueten und bestenndigen regiments vleissige achtung zu haben, dieweil on dieselben weder glück, Bictory noch auch einige wolfart und herrliche löbliche that verhoffet mag werden." Und ebenso tritt er warm für die ehrliche Krieg ­ führung, die bona guerra ein, die freilich immer mehr durch die Spanier verdrängt wurde, welche die mala guerra, die von den Schweizern er ­ funden war, erst zur vollen Ausbildung brachten. (Fortsetzung folgt.) —s-»es— Kessen im Wichte des 11 Jahrhunderts Durch Zufall wurden wir auf ein merkwürdiges Buch, eine Reisebeschreibung aus dem Jahre 1632, auf ­ merksam, welches folgenden, hier nur zum kleinsten Theil citirten Titel führt: Teutsches Reyßbuch durch Hoch vnd Nider Teutschland. auch an - gräntzende, vnd benachbarte Königreich Fürstenthumb vnd Lande, als Vngarn, Siebenbürgen, Polen, Schweden u. s. w. u. s. w. Durch Marlmim Zeillerum. Straß- burg. In Verlegung Lazari Zehners Seligen Erben. Anno MDCXXXII. Wir können es uns nicht versagen, unseren Lesern hier einen kleinen Auszug, unser Hessenland betreffend, zu geben, der weniger des Inhaltes wegen, als wegen der Form, der eigenthümlichen, naiven Darstellung eines gewissen Reizes nicht entbehrt. St. Giessen. 2 weil.*) Abraham Säur sagt, dasz Giessen vorzeiten ein kleines Dorff, Dewungen genant, gewesen, so in einem Sumpfs gelegen, vnd, wie man sag, aufs dem Markt so tieff gewesen, dasz die Wägen bisz an die Axen sein eingangen, vnd weil das Regenwasser hauffenweisz dahin geflossen, so sehe es Giessen genant worden. Wann und zu welcher zeit aber nran ein Statt allhie erbawt habe, das ist vnbewust: Jedoch helt man dafür, dasz schon zu 8. Plisabethae zeiten da ein Statt gewest sehe, weil Landgraff. Otto in Jahr 1325. Ihr Privilegien ertheilet, dasz die so in den Vorstätten daselbst wohnen, eben solche bürgerliche Freyheiten haben sollen, als die so in der Ringmawren wohnen. Anno 1530. ist sie vom Landgraff Philipsen zu Hessen mit einem Wahl und Graben bevestigt worden. Als aber be ­ sagter Landgraff. Anno 1547. gefänglich angenommen ward, so hat Grass Reinhard von Solms, auff *) Von Butzbach. Keysers Caroli bevelch, diese Vestung niederreisseu lassen: die aber Aimo 1560. zum andernmal zubawen angefangen, vnd innerhalb fünff Jahren vollendet: auch Anno 1571. von Landgraff Ludwigen dem Eltern, an vielen orthen verbessert, vnd Anno 86 mit einem schönen Zeughausz versehen worden ist. Anno 1607. hat Landgraff Ludwig, der Jüngere, zu Hessen allda ein schönes Collegium erbawt, und ein Hohe Schul angerichtet, so aber der derzeit nicht mehr daselbst ist, sondern die Proffesores nach Marpurg gezogen sein. Zum eingang der Frankfurter Pforten stehen diese Versz in Stein gehawen, so Petrus Paganus gemacht hat: Captus erat Princeps, non Marte, sed arte Philippus, Cum bene munitum destrueretur opus. Nominis hoc patrii Ludovicus amore refecit, Anno bis septem lustra sequente novo. Principe dignus, honos, Patriae sarcire ruinas, A quibus Hassiacos, Christe tuere polos. St. Marpurg. 3 weil. Disz ist die Haupt Statt im Fürstenthumb, oder Lande an der Löhn, oder im Ober Fürstenthumb Hessen, so vorzeiten Mattium geheissen, und der Mattiacorum Hauptfleck gewest ist. Dann diese Mattiaci, so Hessen waren, nicht in See- oder Nord Holland, oder an der Insel, wie theils wollen, sondern in der Wetterau, vnd in einem theil von Hessen gewohnt haben. Vnd haben sie im Jahr Christi 49. den Namen der Catten verlohren, vnd sein dafür Mattiaci genant worden, wie Cluverius beweiset. Es wollen theils, das sie Martisburgum vorhin geheissen habe, als ob sie dem Heidnischen Abgott Marti zu ehren erbawt worden were. Andere führen den Namen von einem Marco ­ miro her, nach welchem sie vmbs Jahr 140. Marco-