19 Auch war seine hessische Herkunft nicht gerade förderlich für seine Beliebtheit unter den meist dem Süden Deutschlands entstammten Kriegs ­ knechten. Nichtsdestoweniger zeigte er sich der Aufgabe gewachsen; er und Bourbon führten das Heer, den Herzog von Urbino, der in den Pässen der Apenninen lauerte, täuschend, in kühnem Zuge über das Gebirge und bedrohten zu gleicher Zeit Florenz und Rom. Da aber auch hier die Stimmung des Heeres sich nicht besserte und Florenz von dem Herzog von Urbino gedeckt wurde, beschlossen die beiden Heerführer, gerades Weges in Eilmärschen ans Rom loszu ­ gehen , um durch einen entscheidenden Schritt alle Truggespinste, die welsche Tücke geschäftig wob, zu zerstören. Es blieb kaum ein anderer Ausweg, als durch einen Sturm sich der heiligen Stadt zu bemächtigen ; denn hinter ihnen drängte das ligistischc Heer heran, und in der armseligen Campagna grinste ihnen das Gespenst des Hungertodes mit jedem Tage schrecklicher ent ­ gegen. Am 5. Mai war das kaiserliche Heer vor Rom angelangt, am 6. in aller Frühe schritt man zum Sturm, den der dichte Nebel be ­ günstigte. „Es war ein herber Sturm, denn das Geschütz, sonderlich die Handrohren, gingen immer aufs sie ab, doch hat Gott mercklich ob ihnen gehalten, denn so oft sie einfielen, fiel ein dicker Nebel an, der sie bedeckt und überschattet. Es haben auch etliche Kriegsleut bekennt und gesagt, Gott sey ihnen Vorgängen im Nebel, und hab sie über die Mauer hineingezogen." Bourbon sank, als er eine Leiter anlegte, von einer Kugel tödtlich im Unterleib getroffen, mit den Worten: „Nach Rom! Nach Rom!" zu Boden. Das entflammte die Wuth der Stürmenden noch mehr; der verlorene Haufen, das erste Treffen der Landsknechte, drang unwiderstehlich vor; der Profoß Klaus Seidenstücker bahnte, mit seinem gewaltigen Schlachtschwert die Feinde nieder ­ mähend, den Seinen den Weg. Konrad von Bemelberg drang an der Spitze des gewaltigen Haufens nach; auch die Spanier erklommen die Mauer; die Leostadt war in den Händen der Kaiserlichen. Bemelberg „versammlet aufs dem Platz bei St. Peters Burgk den verlorenen Hauffen, die den Sturm erobert hatten, und ließ ausruffen, daß keiner plünderte oder sich vom Hauffen ließ, bey Verlust seines Lebens, und thät sich nach diesem Sieg alles Kriegsvolck wieder in Ordnung, und blieben stehen, bis sie alle zusammen kamen, haben eine starcke Ordnung gemacht und musten sorgen, die aus der Statt möchten in sie fallen." So wurde (denn „der Hunger wolt kein Verzug leiden") auch das Trastevere erstürmt. Bis gegen 6 Uhr Abends war die harte Blutarbeit gethan; aber erst gegen Mitternacht — bis dahin hielt sie die Erwartung eines Angriffs zusammen — zer ­ streuten sich die Sieger zur Plünderung, die jeder Schilderung spottet: das Rom der Re ­ naissance ging unter den Händen roher Kriegs ­ knechte zu Grunde. Und doch sind sämmtliche Berichte darin einig, daß die Deutschen dabei weit glimpflicher verfuhren als die Spanier. „Die Teutschen haben sich an Essen und Trinken begnügen lassen und die Leut umb wenig Geld geschätzt." Wir werden kaum fehlgehen, wenn wir diese Haltung der deutschen Landsknechte auf Rechnung Bemelbergs setzen. Auf dem wackeren Konrad ruhte in dieser Zeit, die der Einnahme Roms folgte, eine große Last; denn die Lage des kaiserlichen Heeres war noch immer eine bedenkliche. Papst Klemens, dessen Geiz und Ränkesucht es über sich gewonnen hatte, die ewige Roma dem Wüthen einer zügel ­ losen, wüthenden, hungrigen Soldateska Preis zu geben, hielt sich noch in der festen Engelsburg und erwartete Hülfe vom Herzog von Urbino. Doch wagte dieser keinen entschiedenen Angriff, bei dem die Kaiserlichen in große Bedrängniß gerathen wären. Diesen fehlte ja vor allem ein Führer; Philibert von Chalons, der Prinz von Oranien, der nach anfänglichem, heftigem Wider ­ spruch dem Connetable im Oberbefehle gefolgt war, vermochte es nicht, dessen Ansehen zu ge ­ winnen. Auch als der Papst endlich nach Urbinos Rückzug jeden Gedanken auf Entsatz aufgab und am 5. Juni kapitulirte, war nicht viel gewonnen. Zwar hatte Klemens VII. sich verbindlich ge ­ macht, in 3 Raten 400,000 Dukaten zu zahlen; aber die Zahlungen erfolgten so lässig und so ungenügend, daß 14 Fähnlein keinen Sold be ­ kamen. Die Spanier wurden dabei entschieden bevorzugt; ein Spanier wurde auch Kommandant der Engelsburg. Der Papst schürte geflissentlich die Zwietracht zwischen beiden Nationen, bei der er nur gewinnen konnte. Die Unmäßigkeit in der Lebensweise, die Ausdünstungeu der Leichen machten das Klima in dem sommerlichen Rom immer mörderischer; unsichere Gerüchte über die im Anzuge begriffene Pest durchschwirrten die Straßen der Stadt, die die Landsknechte eine „Mördergrube" nannten. So brach endlich die lang verhaltene Wuth der rauhen Krieger, die sich verrathen glaubten, in Helle Flammen aus; sie richtete sich zunächst gegen Oranien, der mit Mühe ihnen entkam und in Siena Zuflucht fand. Das war nicht geeignet, die Stimmung der Landsknechte zu ändern, die endlich am 10. Juli — nur 3 Fähnlein blieben unter Veit Wähinger als Besatzung der Engelsburg zurück, auch die Leibwache des Papstes bildeten deutsche Lands ­ knechte unter Sebastian Schertlin — Rom den