18 onraö von Kemelberg, öer kleine Keß, der Wanösknechlsoberst. Eine historische Skizze von E. St end eil- (Fortsetzung.) II. Es wollte kein Friedmsjahr der geängstigten Christenheit tagen. Gewaltiges Gähren im Schooße der einzelnen Länder; Feindschaft um dynastischer Interessen willen zwischen den beiden mächtigsten weltlichen Herrschern des Abend ­ landes; der Papst dem einen der beiden ver ­ bündet; Italien wiederum die Wahlstatt für das Ringen der Herrscher. Da zogen die Deutschen im November des Jahres 1526 von Bozen und Trient her auf wilden, in Eis und Schnee starrenden Alpen- strafien durch die mit so viel Blut getränkten Klausen in das gepriesene Land Jtalia, um das von dem Heere der Liga unter dem Herzog VonUrbino in Mailand belagerte kaiserliche Heer zu entsetzen; nicht wie in den früheren Jahr ­ hunderten glänzende Ritter in schweren Panzern und Helmen mit wallendeni Federbusch, nein — derbe Bauernsöhne aus allen Theilen des weiten heiligen römischen Reiches, die dem Pstuge entlaufen waren, um reiche Beute zu machen oder aus fremder Erde einen rühmlichen Soldaten ­ tod zu finden — vergessen, verschollen, beweint von Niemand. Der Ruhm des deutschen Ritterthunis lag bei Morgarten und Sempach gefällt unter den Spießen der schweizer Bauern; nicht des Einzelnen Tapferkeit galt mehr, die Schlachten wurden durch die Wirkung der Masse entschieden. Diese Masse, die Gemeinde der Landsknechte, in Ordnung zu halten, in dem Kampf an geeigneter Stelle zu verwenden, vor allem aber bei guter Laune zu erhalten, war der Führer Hauptauf ­ gabe. Sonst hatte die Gemeinde ihre unantast ­ baren Gesetze, die kein Offizier verletzen durfte; der Offizier war nur der Beamte, der diese Gesetze zur Ausführung brachte. Alles kam naturgemäß auf den Obersten an, dem sich die Landsknechte auf einen Artikelbrief hin ver ­ pflichtet hatten; er mußte nicht nur ein ge ­ schickter und besonnener Führer und ein tapferer Kriegsmann sein, wichtiger war es für ihn, durch unerschütterliche Ruhe und durch die Gabe der Rede und der Ueberredung den schwierigen Geist der Landsknechte zu lenken, nicht minder, stets bei Kasse zu sein. Alles das traf bei Georg von Frundsberg und seinem Loco- tenenten Konrad von Bemelberg zu, der sich im Juni 1526 dem Kaiser auf 3 Jahre verpflichtet hatte. Mit 38 Fähnlein Lands ­ knechte erschienen sie im November 1526 in Oberitalien; in blutigen Gefechten wiesen sie den Ligisten die Eisenrechen ihrer Vierecke und er ­ zwangen den Uebergang über den Po. Der Herzog vonUrbino ließ nunmehr von dem in Atailand eingeschlossenen Connetable von Bourbon ab, der sich endlich am 7. Februar 1527 bei Fiorenzuola mit dem deutschen Heere ver ­ einigte. Schon das lange Warten auf den Herzog von Bourbon, der dann den Oberbefehl über das kaiserliche Heer übernahm, hatte die Landsknechte verdrossen ; als man end ­ lich Ende Februar in das päpstliche Gebiet ein ­ rückte, traf die Nachricht ein, der Bicekönig von Neapel, Lannoy, habe mit dem Papst einen Ver ­ trag abgeschlossen, kraft dessen das kaiserliche Heer den Kirchenstaat räumen sollte; jetzt brach der Unwille der spanischen und deutschen Söldner in offene Meuterei aus; Bourbon's Quartier wurde geplündert, er selbst rettete nur das nackte Leben. Frundsberg berief, im Vertrauen auf seine Macht über die rohen Gemüther, die Ge ­ meinde der Landsknechte; aber wüthendes Ge ­ schrei unterbrach seine Rede ; ja die Wildesten richteten die Speere auf seine Brust. Das war zuviel für den alten Helden; vom Schlage ge ­ troffen , brach er zusammen; mühsam raffte er sich noch einmal auf, verließ aber das Heer und kehrte siech zur Heimath, wo er schon im August 1528 verschied. Bemelberg hatte unter diesen schwierigen Verhältnissen die Führung der Lands ­ knechte übernommen, ohne dabei durch das An ­ sehen und die Würde Frundsbergs unterstützt zu sein; denn er blieb Hauptmann und Locotenent und handelte nur im Aufträge des Obersten.