14 kommendes, gefälliges Wesen Hai er sich bei Allen, welche in der hiesigen Laudesbibliothek zu Verkehren pflegten, das beste Andenken gesichert. An seiner Stelle ist der seitherige Bibliotheks-Assistent Dr. Karl Hermann Scherer zum Bibliotheks ­ Sekretar ernannt worden. Derselbe ist am 26. Ok ­ tober 1861 zu Kassel geboren. Nachdem er das Kasseler Gymnasium von 1871—1880 besucht hatte, widmete er sich von da bis 1884 auf den Uni ­ versitäten Leipzig, Marburg und Bonn dem Studium der klassischen Sprachen, der Archäologie und Ge ­ schichte, beschäftigte sich dann abwechselnd zu Bonn und Kassel speziell mit Studien auf dem Gebiete der griechischen Literaturgeschichte. Vom 10. Februar 1886 ab Praktizirte er an der hiesigen Landes- bibliothek und wurde am 1. Juli des genannten Jahres mit Versetzung der Assistenten-Stelle an der ­ selben betraut. Am 28. Mai 1886 bestand er zu Bonn das 6XNIU6N rigorosum und wurde am 9. August daselbst auf Grund seiner Dissertation „de Aelio Dionysio Musico qui vocatur öffentlich zum Doktor philosophiae Promovirt. Vom 1 .April 1887 bis 31. März 1888 that er als Einjährig-Freiwilliger seinen Dienstbei dem 3. hessischen Infanterieregiment Nr. 83 und erhielt am 30. März 1888 das Qualifikations- Attest zunl Reserve-Offizier, trat dann in seine frühere Stellung als etatsmäßiger Assistent an die Landesbibliothek zurück und wurde durch Beschluß des kommunalständischen Landesausschusses vom 16. No ­ vember 1888 zum Sekretär derselben vom 1. Januar 1889 ab ernannt. Universitätsnachrichten. Die Gesammt- zahl der auf der Universität Marburg im- matrikulirten Studenten beträgt in diesem Winter ­ semester 791 gegen 905 im vorigen Sommer ­ halbjahr. Dazu kommen 70 Hörer. Die imma- trikulirten Studierenden vertheilen sich auf die ein ­ zelnen Fakultäten wie folgt: Theologische Fakultät 185, juristische Fakultät 101 , medizinische Fakultät 209, philosophische Fakultät 296. — Am 20. De ­ zember wurde der für das physiologische Institut errichtete Neubau an den Direktor dieser Anstalt „Professor Dr. Külz- übergeben. Hessische Kücherschau. Petrographische Untersuchungen einiger Ge ­ steine der Rhön. Von Ed. Möller aus Hannover. — Neues Jahrbuch für Mineralogie rc. 1. Bd., 2. Heft S. 25—-116. Stuttgart 1888. Wie unsere Referate in der Abtheilung „Hessische Bücherschau- zeigen, wird an der naturwissenschaftlichen Durchforschung des Hessenlandes eifrig und erfolgreich weiter gearbeitet. Die vorliegende Abhandlung hat sich zur Aufgabe gestellt, drei bislang petrographisch noch nicht näher untersuchte Rhönberge in dieser Hinsicht klar zu stellen. Es sind der Linsberg, der U l m e n st e i n und. der Pietzelstein, drei Berge, welche nördlich bezw. nordöstlich von Hof ­ aschenbach, östlich bezw. südöstlich von Mackenzell ge ­ legen sind, und von denen die beiden ersteren dem Kreise Hünfeld, der letztere dem Staate Weimar angehören. Mit welcher Akribie der Verf. bei seinen Untersuchungen zu Werke gegangen, erhellt daraus, daß er zur Untersuchung der die genannten Berge zusammensetzenden Gesteine von 55 Handstücken, 80 Dünnschliffe angefertigt, außerdem von allen Gesteinen quantitative chemische Analysen ausgeführt hat. Ohne uns auf nähere Details einzulassen, sei hier nur das Ergebniß der Untersuchungen mitgetheilt. Der Linsberg — die hessische Generalstabskarte (No. 26, Hünfeld) benennt ihn Lemskopf, welcher sich im Ganzen 110 m über den Aschenbach erhebt, ist von der Spitze etwa 30 m abwärts mit Wald bestanden und besteht gerade bis an diesen aus eruptiven Massen, welche den Wellenkalk, der seinen Fuß bildet, durchbrochen haben. Diese eruptiven Gesteine sind als sanidinreicher Tephrit, bezw. als Plagioklas führender Phonolith anzusprechen, und zwar tritt der erstere als dünnplattiges Gestein an der Spitze des Berges auf, während der letztere dick- plattige lose Blöcke bildet und besonders an der Süd ­ seite sich findet. Außerdem steht auf der Spitze in großen Blöcken noch ein basaltisches Gestein an, das der Verfasser als Nephelinbasalt bezeichnet. Der zweite Berg ist der 30 in höhere, mit Buchen bestandene, einem langen Dache vergleichbare Ulmen ­ stein.*) Er liegt nur einige 100 in nördlich vom Linsberg. Seine oberste Spitze, von losen Blöcken, z. Thl. von aus der Erde herausragenden Basalt ­ säulen gebildet, ist unbewaldet. Auch dieser Basalt ist zum größten Theil Nephelinbasanit, zum Theil aber auch Limburgit. Der P i e tz st e i n endlich, welcher bei Spahl auf großherzoglich-sachsen-weimar- eisenachischem Gebiete gelegen und bis auf die eine weite Umschau ins Land gewährende Spitze ganz bewaldet ist, besteht aus einem Basalt, den die neueren Geognosten mit dem Namen Nephelinbasalt bezeichnen. Der Pietzelsteiner Basalt steht in großen Blöcken an und zeichnet sich durch bedeutenden Magnetitgehalt aus. Beim Umgehen der Spitze weist in Folge dessen die Magnetnadel stets auf diese hin. Unsere mineralogisch gebildeten Leser mögen die Abhandlung selbst zur Hand nehmen und sie studiren. A. *) Der alte Voigt nennt ihn in seiner 1783 erschienenen „Mineralogischen Beschreibung des Hochstists Fulda" M u l m e n st e i n.