7 d em Lande," — die leider Fragment geblieben — angeregt hat. Daß jedoch dieser Einfluß nicht so weit ging, um auf ein durchaus originales, ganz auf sich ruhendes Talent umgestaltend zu wirken, beweisen folgende bezeichnende Worte in demselben Briefe: „Von meinem lieben Molchen H. bekomme ich fleißig Briefe und könnte Ihnen, wären wir nur zusammen, manches Interessante daraus mit ­ theilen; fast keiner schließt ohne Grüße an Sie, die ich Ihnen hiermit in Bausch imd Bogen über ­ mache. Leider bin ich mit Matchen, was Kunst und Poesie betrifft, nicht einer Meinung, da sie einer gewissen romantischen Schule auf sehr geistvolle, aber etwas einseitige Weise zugethan ist; dennoch ist jedes ihrer Worte tief ged acht und sehr beherzt gens- werth; sie wird mich aber nie in ihre Manier hineinziehen, die ich nicht nur wenig liebe, sondern auch gänzlich ohne Talent dafür bin, was sie verstockter Weise nicht einsehen will. Sie wissen selbst, liebster Freund, daß ich nur im Naturgetreuen, durch Poesie veredelt, etwas leisten kann, Molchen hingegen ist ganz Traum und Romantik und ihr spuken unaufhörlich die Götter der Alten, die Helden Calderon's und die krausen Märchenbilder Arnim's und Brentano's im Kopfe. So haben wohl nur die vielen Vor- und Gespenstergeschichten, der mannigfache Volks- aberglaube u. s. w. unseres Vaterlandes sie dahin gebracht, bei meiner Halsstarrigkeit ckauts de mieux diesen Stoff in Vorschlag zu bringen, und ist das Buch fertig, d. h. wenn Sie mir dazu rathen, so wird es ihr schwerlich genügen. In meinen Gedichten glaubt sie ein gutes Talent auf höchst traurigem Wege zu sehen, namentlich „Die Schlacht im Lo euer Bruch" ist ihr durchaus fatal, sie nennt es eine ganz verfehlte Arbeit auf höchst widerhaarigem Terrain.*) — Sie werden *1 Von der „Schlacht im Loener Bruch" urtheilt I. Scherr: „Dieses Gedicht darf sich kecklich zu dem Besten stellen, was im ganzen Umfange der Weltliteratur von Wehr und Waffen singt und sagt." leicht hieraus folgern, daß ihr „Des Arztes Vermächtniß" am meisten zusagt. Da sie mich aufrichtig liebt und Großes mit mir im Sinne hat, so quält sie mich unermüdet und mit Bitten, die einen Stein erweichen sollten, von meinen Irrwegen abzulassen. Das ist eine harte Nuß!" Ein ander Mal schreibt sie von Apenburg, einem der Güter ihrer Verwandten, unter'm 22. August 1839 in ihrer frischen, drastischen und manchmal selbst an's Burschikose streifenden Aus ­ drucksweise an Schlüter: „Die Onkels sind sehr gütig gegen mich und Malcheni st auchwahr ­ haftig kein Lump! wenn sie nur erst hier wäre! Das ärgert mich am meisten, daß Ihr Euch gegenseitig nicht kennt, obgleich ich wohl den Kürzeren dabei ziehe und am Ende et ­ was drüber sein könnte." Oben war schon vor ­ ausgeschickt: „Nächstens giebt es aber einen Feier ­ tag im Kalender, Molchen H. kömmt, wann weiß ich nicht genau, doch darf ich schon in den nächsten Tagen anfangen, sie zu erwarten; das ist doch wohl ein Fest!" „Nach Kassel soll ich auch noch mit Malchen, dazu wird es aber schwerlich kommen und das schadet auch nicht; ich will sie lieber drei Tage hier haben, als zehn in Kassel in einem fremden Hause und meine Zeit in Besuchen versplitternd." Diesen hier ausgezogenen Briefstellen ließen sich noch andere beifügen, welche bekunden, was Amalie Annetten galt und wie hoch sie von ihr gehalten wurde — von ihr der unvergleichlichen deutschen Frau, die mit dem wunderbarsten Talente zugleich die seltenste Charaktergröße in sich vereinigte. Gäbe es da wohl eine bessere Gewährleistung für den ethischen Werth und die geistige Bedeutung unserer Landsmännin als die Liebe und Aner ­ kennung von solcher Seite? — (Fortsetzung folgt.) Hessische Hssiziere. Ein Beitrag zur hessischen Militärgeschichte. Von I. Schwank. (Fortsetzung. S. d. Nummer 21 u. 22 des Jahrgangs 1888.) Oberst Heinrich Wilhelm Huth trat im März 1762 als Generalmajor und Chef der Ingenieurs in kur-hannöversche Dienste, ging 15. Februar 1763 an den fürstlichen Hof nach Hanau und danach als Generallieutenant in k. dänische Dienste. Graf Christian Ludwig von Isenburg, geboren 8. Oktober 1710, hessischer General- LvyiflW < O