353 herausgegebenen Blättern für Geist und Herz eine Anzahl Gedichte. Mit der 6. Digilie endete Koch seine poetische Thätigkeit und bald sollte er erfahren, wie wetter ­ wendisch die Gunst des Volkes sei, „nach einem kurzen Lenz allgemeiner Liebe, in der er sich ge ­ sonnt hatte, trat jetzt eine frostige Zeit allgemeinen Hasses ein." Im Jahre 1832 war nach Erscheinen der be ­ kannten Bundestagsbeschlüsse vom 28. Juni. welche den konstitutionellen Liberalismus zur Ruhe verwiesen, auch in Kurhessen der Kampf gegen denselben entbrannt. Der gegen die Feinde der Volksfreiheit ge ­ richtete Haß wurde auch Koch zu Theil, als in dieser Periode des politischen Partheihaders seine Bestellung als Sekretär der Landtagskommission erfolgte. Von vielen seiner früheren Freunde gemieden, litt er schwer in dieser Zeit, bis ihn die Liebe zu neuem Leben erweckte. Bei Fräulein Fulda, einer Tochter des Münzdirektors, verweilte in dieser Zeit in Kassel eine Tochter ihrer in Braunschweig an den Oberistlieutenant a. D. v. Bosse verheiratheteu Schwester, welche dieser zur Zeit, als er in Kassel als westpfälischer Offizier in Garnison stand, kennen gelernt hatte. Im Jahre 1810 hatte er bei der Belagerung von Gerona als westphälischer Artillerieoffizier einen Arm verloren, avancirte unterKönig Jerüme zum Obristlieutenant uud Palastfourier, und folgte dem entthronten König bis zum Ende der 20r. Jahre ins Exil. Die Liebe Kochs zu der 16jührigen Henriette v. Bosse war gleich bei ihrem ersten Anblick in ihm erwacht ebenso bald hatte er Gegenliebe ge ­ funden und fand die Verlobung statt. In einem ihrer Briefe schreibt diese ihrem Verlobten: „Ich lebte in Gedanken all die Momente wieder durch, welche durch Dich Bedeutung für mich ge ­ wonnen haben, von dem ersten an, wo ich Dir in der Bellevue begegnete und Du mich so ver ­ wundert ansahst." Einige Tage nach dieser Begegnung schrieb sie einer Freundin: „Ich habe einer Sitzung der Landstände bei ­ gewohnt. Dr. Koch war von der ganzen Ver ­ sammlung der schönste, überhaupt zeichnet er sich Vortheilhaft vor allen andern jungen Leuten aus durch seine schlanke Figur, seine alabastcrweiße Stirn, der man das Denken ansieht und durch seine vornehme Haltung. Dazu hat er wunder ­ volle braune Augen, die oft wie die Sterne glänzen und volles dunkelbraunes Haar." — Das Beisammensein der Liebenden blieb aber nach ihrer Verlobung von sehr kurzer Dauer. Der Vater der Braut war auf die Anzeige davon alsbald nach Kassel geeilt und hatte für die Brautleute, da beide ohne Vermögen seien, in Uebereinstimmung mit Kochs Vater eine Prüfungs ­ zeit auf ein Jahr bestimmt, in welcher sie sich nicht sehen sollten, und die Veröffentlichung der Verlobung erst genehmigt, wenn Koch sein Assessor- examen: bestanden haben würde, bis dahin aber den Liebenden einen Briefwechsel gestattet. Nach der Abreise der Braut führte Koch ein gänzlich zurückgezogenes Leben, entsagte aller publicistischen Thätigkeit und widmete sich eifrig den Arbeiten seines Berufs in dem ihn jetzt allein beherrschen ­ den Streben, eine Stellung" zu erringen, welche ihm die Heimführung seiner geliebten Henriette gestatte. In einem Briefe an diese schreibt er: „Nie, und wenn ich auch in den unbeschränktesten Verhältnissen lebte, würde ich jetzt die heilige Kunst durch dergleichen Schriftstellereien entweihen, wie ich sie noch vor 2 Jahren auf einen edlen Boden streute. Drei Vigilien machten mich be ­ kannt im Lande, das war ein Zeichen, das man noch Gemeinheit haßte"; und in einem andern Brief: „Politische Sorgen lasten schwer auf mir, ach es ist schrecklich, wenn ein Ideal nach dem andern zerschlagen wird." Koch hatte seine Hoffnung zur Erreichung seines Ziels auf Hassenpflug gesetzt. Er schrieb an einen Freund: „Hassenpflug, der jetzt im Ministerium ist, scheint mir gewogen und so habe ich alle Hoffnung, bald vorwärts zn kommen und Henriette heimzuführen." Nach kurzer Zeit konnte er dann auch schon seiner Braut mittheilen daß er am 26. Juli 1832 provisorisch zum außerordentlichen Referenten im Ministerium des Innern ernannt sei, „ich gestehe, schreibt er, daß das in Rücksicht auf mein Alter (24 Jahre) ein rasendes Glück ist. Meine juristische Laufbahn werde ich mir dennoch offen halten." Es war ein sehr trügerisches und sehr kurzes Glück. Selbst Henriette konnte ihre Bedenken nicht verheimlichen. Sie schrieb: „Also Hasien- pflug ist nicht allein Minister der Justiz, sondern auch des Innern, Jordan gedrückt und mit ihm in Streit für die Verfassung, so sagen die Zei ­ tungen und Deine Briefe. Du, abhängig von dem einen und ein Freund des andern, da gilt es, solchen Konflikten gegenüber das Bewahren der eignen Ehre." Und schwer war auch der Kampf, welchen Koch, der Freund und treue Anhänger seines Lehrers Jordan, in seiner Stellung zu bestehen hatte, ein Kampf, dem er nicht gewachsen war. Er schrieb an seine Braut: Du bist glücklich, weil Du die Qual nicht kennst, wenn ein Staatsdiener etwas gegen seine Ueber ­ zeugung thun muß. O, noch vor wenig Wochen schritt ich so sorgenlos auf der Bahn fort, sie war eben, ich ahnte nicht die Ausschreitungen