348 Beginn des achten Jahrhundertes, und widmet sich einer Schilderung, solcher selischen Kämpfe in den Gemütern. Nur ein so sittlich gediegenes Volk als die Germanen ihrer ursprünglichen Art nach waren, vermochte die Offenbarungs-Wahrheit in ihrer lau ­ tersten Tiefe voll und ganz zu erfaßen. Wenn uns Grebe als durchaus gläubiger Christ entgegen tritt, so kennzeichnet und ehrt es doch auch sein deutsches Gemüt, die Liebe zu edlen Vorfahren, daß er gleich ­ wol dem Scheiden der alten Götter wehmütigen Ab ­ schieds-Gruß mit Nichten versagt. Im Falle der Geismarer Donars-Eiche, womit tatsächlich das Heidentum in unserer nördlichsten Mark seinen Abschluß fand, gipfelt auch Greben s lebenswarme Dichtung. Ebenwohl der Gunst ward unser Chatten-Stamm teilhaft, daß ihm das Christen ­ tum germanische Raffen-Genossen übermittelten: dem Südwesten der westgothische Adaling S. Goar, dem Nordosten der große Angelsachse Winfrid Bonifaz. In sechzehen Abschnitte, deren jeder wiederum in einzelne Gesänge zerfällt, gliedert Grebe in reicher Ausführung seinen Stoff: Einleitung; der Eichen- Hain; Brunons Jugend; die Weißagung der Priesterin; ein Volks-Fest; das Gastmahl; die Flucht der Geister vor dem Kreuze; auf der Gerichts-Stätte; die Klagen; Bruno und Priester Wolfram; der Kampf; Berta; der Hohen Untergang; die Befreiung; der Fall der Eiche; Schluß. „Hoch im Nord am Urdaborne Nah' dem großen Welten-See Webt und wirkt die heil'ge Norne, Kiest auf Erden Wol und Weh." hebet, im Heidentume stehend, die Dichtung an; „Engel-Fürsten schwebten nieder, Die dem Trone Gottes nah'; Laut ertönten Jubels-Lieder: Soli deo gloria!" ist die den Ausgang feiernde Strofe. — Ergreifend schön sind manche Seiten des Gedichtes; das dem Verlaufe der Ereignisse eingewobene Liebes ­ Schicksal entwickelt sich ungekünstelt durch mancherlei herbes Leid zu glücklichem Ende. In ethnologischer Hinsicht ist einiges verfehlt: namentlich muß der chattische Stamm in seiner Ge ­ samtheit als eigenster echter Kern fränkischer (istäwischer) Völkerschaften gelten; nicht als verwandtes Anhängsel. Zumal in den Kämpfen wider Thüringe und Sachsen waren wir Träger fränkischer Reichs-Geschichte; nicht einmal gelegentliches Liebäugeln selbst heidnisch gebliebener Chatten mit jenen überlieferten Wider ­ sachern unseres Stammes dürfte jemals unterstellt werden. Auch kleine geschichtliche und volkstümliche Irrtümer laufen wohl hie und da mit unter. Selbstredend tuet derlei rein dichterischem Werthe der Schöpfung G r e b e n s keinen Abbruch. Wir empfehlen das, von vaterländischem wie gottseligem Sinne zeugende Büchlein — das dem Andenken des seligen Herrn Metroplitanes Vilmar zu Melsungen gewidmet ist — der Leserschaft unserer lieben Zeit ­ schrift „Hessenland" zu freundlicher Teilnahme und etwa geneigter Beachtung als weihnachtliches An ­ gebinde. Die Ausstattung ist gefällig; Wahl wissen ­ schaftlicher germanistischer Schreibung, anstatt der neuen schulmäßigen Alfanzerei hätte einzig zum Stoffe gepasst. Kermann v. Pfister. Wir verfehlen nicht, die Kunstliebhaber unter den Lesern des „Hessenlandes" darauf aufmerksam zu machen, daß am Montag den 26. November in Leipzig durch die Kunst ­ handlung von C. G. Boerner der Verkauf des sehr reich ­ haltigen Kunstnachlasses der Künstlerfamilie Ruhl aus Kassel stattfindet. Begründer der sehr bedeutenden Sammlung war der Hofbildhauer Professor Johann Christian Ruhl (lebte von 1764 — 1842 in Kassel); fortgesetzt wurde dieselbe von seinen beiden Söhnen, dem in März 1887 dahier verstorbenen Geheimen Hofrath Ludwig Sigismund Ruhl und dem Ober-Hofbaudirektor Julius Eugen Ruhl (ge ­ storben in Kassel am 27. November 1871). Der Katalog, welcher in der G. Klaunig'schen Hofbuchhandlung dahier, einzusehen ist, umfaßt 569 Nummern, von denen die meisten mehrere Blätter enthalten. Briefkasten. Mehreren Mitarbeitern. Wir bitten um Angabe von Namen (nicht Buchstaben) zur Unterzeichnung Ihrer Einsendungen. Das gilt insbesondere für C. R. (Hohen ­ stein bei Chemnitz); 0. W. F. (Kassel); Aug. R. (Kassel); H. Ch. in N. (Bayern); M. S. (Haina). E. Bn. Fulda. Wir sind Ihnen noch einen Brief schuldig und gedenken in Bälde unserer Verpflichtung nachzukommen. M. H. Regens bürg. Dürfen wir „Weihnachtsgebet" verwenden und unter welchem Namen? E. II. Kassel. 8. B. Trier. Warum hören wir nichts von Ihnen. H. R. H. Kassel. Soll im Frühjahr verwendet werden. G. N. Hanau. C. H. Fulda. M. K. 0. in G. (bei Schlüchtern). Nicht verwendbar. Probiren Sie es mit einer zweiten Sendung. R. in Berlin. Trabert's Gedichte erregen allgemeines und berechtigtes Aufsehen. So kräftige Klänge schlagen selten an unser Ohr. Das Büchlein eignet sich trefflich zum Weihnachtsgeschenk. Berichtigung. In dem Artikel „Hessische Offiziere" in der vorigen Nummer unserer Zeitschrift, Seite 327, Spalte 1, Zeile 28 ist statt Christian Bödicker zu setzen: Herm. Phil. Reinh. Bödicker. Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.