331 Hände des Mädchens ihm das Glas reichten, nach minutenlanger Dauer, — während welcher sie ihn geholt und eingegossen, — da zwang er den Kranken es zu leeren. Er that es willenlos, es war ja der Arzt, der es ihm reichte. Der Schließer hatte die Magd herein gerufen. Mit sicherer Hand schrieb Paul das Rezept. „Eilen Sie in die Apotheke, so schnell sie können," befahl er. Erst als das Mädchen davon gelaufen, fragte der Schließer: „Wollten Sie nicht zum Herrn Medizinalrath senden, Fräulein? Nur in der Angst vorhin lief ich hinauf zu dem Herrn, weil's doch auch ein studirter Doktor ist, und weil's doch gar lang dauert, eh' der aus der Stadt herauf kommt." Paul saß neben dem Kranken, dessen Zustand momentan erträglicher schien. Er prüfte den -£• Trost. Stich der Wespe macht Beschwerde, Schmerzt und brennt wie glühend Erz. Erde drauf! Der kühlen Erde Nur ein wenig heilt den Schmerz. Herz! Gedulde dich zu warten! Enden wird auch dir das Leid, Wenn man dort im stillen Garten Auch auf dich die Erde streut. <Ä. Hravert. Al- tch sinn erste« Mal die Uahlstraße betrat. Vorfahren Ihr! o könnte ich's doch sagen, Vielleicht ist es auch ohne Wort Euch klar, Die Straße hier soll Euren Namen tragen, Nicht heut', nicht morgen, nein für immerdar. Neu müssen Häuser sich an Häuser reihen, Ein schlichtes Heim, daneben höchste Pracht, Hier ieh' ich Kinder sich des Lebens freuen, Im Gegenüber Sorge, Kummer, Nacht. Dort schaut mein geist'ges Aug' in Kranz und Schleier Die junge schöne Braut zum Altar gehn, matten, stockenden Pulsschlag. Dann wandte er sich zu Lotte: „Ich glaube, Sie lassen Ihren Hausarzt erst morgen in der Frühe rufen. Es ist spät und überhaupt fraglich, ob Sie den Herrn zu Hause treffen. Für den Augenblick ist ja auch Alles geschehen. Ich werde die Wirkung des ersten Pulvers hier abwarten. — Sie können ja den Schließer auch hier behalten, der Sicher ­ heit wegen," schloß er bitter lächelnd. Mit einem ganz erschreckten Ausdruck in den matten Augen, starrte der Inspektor den Sprecher an. Erst jetzt schien ihm klar zu werden, das war ja nicht sein altbekannter Arzt, das war ja der Gefangene. Aber da war es schon wieder, das herzbeklemmende Gefühl, der Athem stockte. — Und wieder flößte Paul ihm etwas Wein ein. — (Fortsetzung folgt.) ' 4 Und höre bei der frohen Hochzeitsfeier Die Eltern für das Wohl des Kindes flehn. Wie dumpf erschallt der Todtenglocke Läuten, Es bricht ein treues, edles Menschenherz. Vom theuren Gatten muß die Gattin scheiden, Und wo das Glück geweilt, zog ein der Schmerz. So zieht sich fort wie eine lange Kette, Was nur von fern die Menschenbrust bewegt, Auch Geiz und Bosheit stnden ihre Stätte, Die Wollust selbst die schmntz'gen Schwingen regt. Doch nein, ach nein! es dringt mein heißes Flehen Zu Euch in jenen hehren Geistersaal, Ihr sel'gen Geister werdet mich verstehen, Die Ihr jetzt nah dem höchsten Ideal. Laßt Eure Schaffenskraft auch ferner walten In dem Euch nah verwandten Stadtgebiet Die heil'ge Kunst sich mehr und mehr entfalten, Daß nur Erhab'nes, Reines dort erblüht. Habt Ihr doch einst in längst entschwund'nen Zeiten Den Namen Nahl in Hessen groß gemacht, Die Zukunft mag nun Schön'res noch bereiten, Wenn als Verklärte Ihr darüber wacht. Hmikie Wepler.