326 die Verordnung vom 23. September 1774 für die niederen Schulen zur Folge hatten. In dem Hochstifte Fulda hatte zwar der Grundsatz der allgemeinen Schulpflicht schon durch die Ver ­ ordnung des Fürstabtes Adolf von Dalberg vom 20. Dezember 1733 Geltung, diese Anordnung stieß aber überall auf Schwierigkeiten. Dem Fürstbischof Heinrich von Bibra blieb es vorbehalten, hier durch ­ greifend zu wirken und nach dem von dem Abte Johann Ignaz von Felbiger von Sagan, welcher gewissermaßen als der Vater des katholischen Schulwesens anzusehen ist, für die Schuleinricht ­ ungen gegebenen Vorbilde ein musterhaftes Schulwesen in seinem Lande zu schaffen. Um aber auch einen tüchtigen Lehrerstand heranzu ­ bilden und denselben mit den neuen Principien bekannt zu machen, wurde kurz nach Erlaß der Verordnung vom 23. September 1774 eine Musterschule in Fulda gegründet, die von allen Lehrern besucht werden mußte. Die Gehalte der Lehrer wurden erhöht und denselben eine der Wichtigkeit ihres Berufs angemessene Stellung angewiesen. Zum Direktor des Volksschulwesens wurde auf die Empfehlung des Leibarztes I>r. Weikard hin dessen ehemaliger Mitschüler am Gymnasium zu Hammelburg, der Kaplan Trümbach von Kloster- tulba, bestellt. Die Wahl war eine vortreffliche. Trümbach war ein fähiger Kopf, gab sich Mühe und brachte das Schulwesen bald empor. Ein Merkchen, das er darüber schrieb, gab Or. Weikard, nachdem er in späteren Jahren als Hofarzt und Etatsrath nach Petersburg berufen worden war, einst bei Gelegenheit der Kaiserin Katharina II. von Rußland. Sie glaubte, Weikard habe es verfaßt, und machte ihm Lobsprüche darüber. Weikard versicherte, daß er nicht der Verfasser sei. „Mau kann sich nicht satt genug daran lesen", bemerkte die Kaiserin, und suchte Gebrauch davon zu machen. So wenigstens berichtet M. A. Weikard in seinen Denkwürdigkeiten. Trüm ­ bach starb früh, an ihm verlor das Schulwesen im Fuldaer Lande einen seiner tüchtigsten Ver ­ treter. Neben den niederen Knabenschulen wurde einige Jahre später für die Stadt Fulda auch eine große Töchterschule mit sieben Lehrerinnen begründet und deren Einrichtung in dem Herbst ­ prüfungsbuche des Jahres 1778 bekannt gemacht. Alle diese Anordnungen waren aber blos die Vorläufer der eigentlichen Reorganisation des Volksschulwesens im Hochstifte Fulda, welche am 2. April 1781 durch des Fürstbischofs Heinrich von Bibra berühmte „Allgemeine Ordnung für die niederen Schulen des Bisthums und Fürsten ­ thums Fulda" in's Leben trat. A.F.C. Vilmar und Heinrich Heppe, sonst Gegner auf theologischem und kulturhistorischem Gebiete, stimmen überein in dem Lobe dieser Schulordnung, die für die trefflichste und umfassendste jener Zeit gilt. (Fortsetzung folgt.) Hessische Mflzrere. Ein Beitrag zur hessischen Militärgeschichte. Von I. schwank. » ie Hessische Armee war früher eine Pflanz- schule für die militärische Ausbildung des ~ t Offizierkorps. Dies läßt sich aufs genaueste nachweisen durch Aufzählung meist höherer Offiziere, welche als Ausländer in hessische Dienste traten. Es haben aber auch viele Offiziere den hessischen mit fremdländischem Dienst vertauscht, woselbst sie bereitwillige Aufnahme und rasche Beförderung zu überwiegend sehr hohen Stellen fanden. Als Beleg dafür lassen wir nachstehend eine Reihe meist höherer Offiziere folgen, wie wir sie in den uns zu Gebot stehenden Quellen gefunden haben, ohne auf Vollständigkeit des Verzeich ­ nisses Anspruch zu machen. General-Lieutenant Louis Marquis d'Angely, Chef des Regiments von Loßberg, vorher in K. preußischen Diensten, ging 29. März 1784 in Pension und starb 5. März 1797 in seiner Vaterstadt Bologna. Graf Albrecht von Anhalt, geboren 25. Juni 1735, verließ 1752 den hessischen und trat in König!, preußischen Dienst. Georg Friedrich von Auerochs, geboren 23. September 1657 zu Oepfershausen in Sachsen- Meiningen, 1684 Kapitaiu-Lieutenant in hes ­ sischen, dann Brigadier in holländischen, später Generalmajor in hessischen Diensten. Hier wurde er am 1. Januar 1708 General-