325 lichung seiner Person, sondern ausschließlich auf die Wohlfahrt seiner Unterthanen war das Streben dieses edlen Fürsten gerichtet." Die Städte Fulda, Hammelburg, Hünfeld und Brückenau ließ Heinrich von Bibra mit neuem Pflaster belegen, die Dörfer mit Feuerspritzen versehen. Er ordnete die Anlegung der Todten- höfe außerhalb der bewohnten Ortschaften an und verbot das Begraben der Leichen innerhalb der Kirchen, Städte und Dörfer. Im Jahre 1782 erließ Fürstbischof Heinrich eine Verordnung über die Armenpflege, durch welche dieser Zweig der Staatsverwaltung eine durchgreifende Organisation erhielt. An jeder Gerichtsstelle mußte sich eine Armenkommission bilden, welche halbmonatliche Berichte und Ta ­ bellen an die Centralarmenkommission in Fulda einzusenden hatte; jene Tabellen hatten Rubriken: 1) für die arbeitsunfähigen, 2) für die von der Kommission zu beschäftigenden, 3) für diejenigen Armen, welche durch Zwangsmaßregeln zur Ar ­ beit anzuhalten seien. Hiermit trat ein strenges Verbot des Bettelns in Wirksamkeit. 1787 er ­ ließ der Fürst eine Zunftordnung. Er errichtete ein Zwangsarbeitshaus mit Wollenmanufaktur im Spital zum hl. Geist, ferner eine Waisen ­ anstalt und eine Vorschußkasse. Aber nicht allein um die materielle Wohl ­ fahrt seines Landes hat Fürstbischof Heinrich VIII. sich die größten Verdienste erworben, auch für das geistige Wohl seiner Unterthanen war er, wie bereits bemerkt, eifrigst besorgt, und wie wenige unter den Fürsten seiner Zeit suchte und wußte er dasselbe zu fördern. Zwei Schöpfungen sind es in dieser Beziehung, die ihm vor allem in der Geschichte seines Landes einen unvergänglichen Namen ver ­ schafft haben: Die Stiftung der Landes ­ bibliothek und der Erlaß einer Schulord ­ nung, welche letztere heute noch mit zu dem Besten gehört, was auf diesem Gebiete geleistet worden ist. Heinrich von Bibra war, wie die meisten Fürst ­ äbte und Fürstbischöfe von Fulda im vorigen Jahrhundert, kein Freund der Jesuiten, denen in jener Zeit hauptsächlich der Unterricht in dem Hochstifte Fulda anvertraut war. An der Universität theilten sie sich mit den gelehrten Benediktinern, mit welchen sie fast ständig auf dem Kriegsfuß lebten, in die Professuren, das Gymnasium beherrschten sie ganz und auch an den niederen Schulen war ihr Einfluß vorwiegend. Da erfolgte am 21. Juli 1773 durch Papst Klemens XIV. die Aufhebung des Jesuitenordens, die für den Fürstbischof Heinrich von Bibra weder unerwartet noch unerwünscht gekommen zu sein scheint. Gleich nachdem die Nachricht in Fulda eingetroffen, richtete er an den Kanzler der Universität, den Propst vom Michaelsberg Freiherrn Damian Ritter von Grünstein ein Schreiben, das nach den einleitenden Kurialien mit den Worten beginnt: „Nachdem endlichen Seine päpstliche Heiligkeit Sich entschlossen, den Orden derer ckosaitaruin .... aufzuheben." (S. Komp, die zweite Schule Fulda's 1877, pag. 157.) Und nun kam der vom Fürstbischof Heinrich schon längst gehegtePlan der Verbesserung des Schulwesens in seinen Landen zur raschen Ausführung. Er setzte zu diesem Zwecke eine aus dem Superior des Benediktinerordens Karl von Piesport, dessen jüngerem Bruder dem Domkapitular und Universitäts-Rektor Ermenold von Piesport, dem geheimen Hofrath Franz Leonard Brack und dem Professor des kanonischen Rechts Di'. Ludovicus Beck bestehende Kommission ein, zu deren Berathungen auch der fürstliche Leibarzt Dr. M. A. Weikard zugezogen wurde. Das Ergebniß derselben war die fürstliche Ver ­ ordnung vom 23. September 1774, welche das gesammte Unterrichtsgebiet der höheren, mittleren und niederen Schulen umfaßte. Der Lehrplan für die mittleren und niederen Schulen erfuhr durch diese Verordnung eine vollständige Änderung. Bei den mittleren Schulen, zu welchen das Gymnasium zählte, wurde nicht blos auf die alten Sprachen Latein und Griechisch Rücksicht genommen, es wurde vielmehr ganz besonderes Gewicht auf den Unterricht in der deutschen Sprache und in den Realien gelegt. An das Gymnasium, welches vier Klassen umfaßte, schloß sich als höhere Schule ein zweijähriger philosophischer Kursus an, in welchem die sog. philosophischen Disciplinen, als Philosophie im engeren Sinne, Philologie, Geschichte, alte und neuere Literatur, Mathematik und Naturwissen ­ schaften von Professoren der Universität gelehrt wurden. Erst nach Absolvirung dieses Kursus konnten die Schüler zu den eigentlichen Fach ­ studien übergehen. Der Unterricht an dem hoch- fürstlichen Gymnasium, wie die Anstalt nunmehr hieß, war anfänglich Weltgeistlichen übertragen worden. Da diese aber, wenig vertraut mit den pädagogischen Anforderungen und dem Schulfache überhaupt, sich nicht so bewährten, als man gehofft hatte, so mußte man wohl oder übel zu den Exjesuiten zurückgreifen und diese als Lehrer des Gymnasiums verwenden. Einen besonderen Einfluß gewannen sie dadurch jedoch nicht wieder. Sie mußten sich genau nach den Weisungen des gestrengen Herrn Superiors Karl von Piesport richten, welcher der eigentliche Kultusminister des Fürstbischofs war. Von weit größerer Bedeutung waren die ein ­ greifenden Aenderungen und Verbesserungen, welche