320 in die Hände des Gesammtvorstandes gelegt war, gab Gymnasialdirektor Dr. Heußner (Kassel) einen kurzen Bericht über den Versuch des Gymnasial ­ lehrers H ontcm a n n (Hannover), die Fachworte der Grammatik zu verdeutschen. Hiermit war die Tagesordnung erledigt, v. Wartenberg, Excellenz (Weimar) brachte ein mit Begeisterung aufgenommenes Hoch auf den hochverdienten Gründer und Vorsitzen ­ den des Vereins, Prof. Hermann Riegel, aus. Damit wurde die Hauptversammlung für geschlossen erklärt. Nachmittags vereinte ein glänzendes Fest ­ mahl im großen Saale des Stadlparkes noch einmal die Theilnehmer, wobei sich die Begeisterung für die hohe Sache des Sprachvereins, die Genugthuung über das Erreichte und die Freude an dem un ­ gezwungen herzlichen Zusammensein dieser Tage in einer endlosen Reihe von Trinksprüchen, ernst und heiler, in Vers und Prose, kundgab. Noch lange nach Beendigung der Tafel dauerte die Fröhlichkeit fort und man sagt, daß viele der auswärtigen Gäste erst spät am anderen Tag sich dem Dampfroß an ­ zuvertrauen wagten, das sie ihrer Heimath zuführen sollte. So verlief die zweite Hauptversammlung des „Allgemeinen Deutschen Sprachvereins" bei ungetrübter Uebereinstimmung in segensreicher Arbeit; sie brachte allen Teilnehmern vielseitige Anregung, der Sache selbst die reichste Förderung. Möge denn der Deutsche Sprachverein weiter wachsen und wirken zum Heil seines Volkes! „Die Sprache ist der Spiegel einer Nation", sagt unser großer Dichter; wir dürfen uns heute der Hoffnung hingeben, daß dieser Spiegel dem deutschen Volke einst ein reines, fleckenloses Bild zurückstrahlen wird. 3- S» Hessische Kiicherschau. Deutsche Gedichte aus Oesterreich von A. Trabert. Erster Band: Schwertlieder eines Frieds amen. Frankfurt a. M. (Verlag von G. Wendel). Welchem Leser des „Hessenlandes" ist der Verfasser nicht ein lieber Bekannter? Oft erfreut er uns mit seinen tiefgefühlten, aus warmem Menschenherzen kommenden Weisen, in denen er besingt, was uns lieb und theuer istHerd und Heimath, Vaterhaus und Vaterland. Seit Jahren in der Fremde weilend, ist er doch ein treuer Sohn der hessischen Erde ge ­ blieben, und in wohllautenden Liedern strömt er diese Liebe und Treue aus. In den vorliegenden Gedichten nun schlägt er allerdings, wie schon der Titel anzeigt, einen anderen Ton an; es sind Kriegsballaden aus der österreichischen und theilweise hessischen Geschichte. Und daß Trabert gerade diese Gattung der Dichtung beherrscht, beweist er unwiderleglich. Das sind nicht trockene geschichtliche Erzählungen, in Reime gebracht, die er uns bietet, sondern lebendige, prächtige Dicht ­ ungen, die sich vernehmen lassen wie Trommelwirbel und Kampfesruf, Schlachtenlieder, deren Klang uns mitten in das Getümmel des Kampfes versetzt. Des Verfassers politischer Standpunkt ist bekannt, nicht Jeder wird ihn theilen. Aber für Jeden, der dem Menschen und Dichter das Recht zugesteht, seine Meinung frei und in der Sprache des Herzens zu sagen, werden die „Schwertlieder" eine Quelle der Freude bilden. Wir können unseren Lesern die schöne dichterische Gabe Trabert's warm empfehlen, zumal der Verfasser auch hier unser Hessen nicht vergißt, sondern seinen Söhnen manch würdiges Denkmal setzt. v. 8. Am 1. Oktober ist die Rhönbahn Fulda-Gers- feld feierlich eröffnet und dem Betriebe übergeben worden. An dem Zustandekommen dieser Bahn, welche schon vor länger als dreißig Jahren geplant wurde, hat der Rhönclub wesentlichen Antheil. Der äußerst rührige Präsident dieses blühenden Vereines, Dr. Justus Schneider, hat nun in den Nummern 121 und 122 des „Fuldaer Kreisblatts" die Geschichte der Eisenbahnen im Fuldaer Lande in einem sehr- interessanten Artikel „Zur Eröffnung der Nhönbahn Fulda-Gersfeld" geschildert, auf den aufmerksam zu machen wir nicht verfehlen wollen. Berichtigung. In dem Artikel der vorigen Nummer unserer Zeitschrift „Heinrich von Bibra, Fürstbischof von Fulda" sind Seite 293, Spalte 2, Zeile 14 v. u. aus Versehen zwei heute noch blühenden Linien des freiherrlichen Geschlechtes von Bibra unerwähnt geblieben. Es sind die Brennhäuser und die Bibraer, vormals Hochheimer Linien. Von den jetzt noch bestehenden Zweigen der Freiherren von Bibra ge ­ hören die Adelshofer, vormals Euerheimer, die Gleichen- wieser und die Schwebheimer Linien den: Valentinischen Stamme, die Brennhäuser, Bibraer und Jrmelshäuser Linien dem Bernhardischen Stamme an. Briefkasten. W. H. in Marburg. Ein geschichtlicher Artikel über den berührten Gegenstand ist uns sehr willkommen. Ph. L. in Kassel. Gedicht aus dem vorigen Jahrhundert kommt demnächst zum Abdruck. 0. 0. in Kassel. Mit Dank angenommen. L. W. in Fulda. Wollen uns die Sache überlegen. Verantwortlicher Redakteur und Verleger F. Zwenger in Kassel. — Druck von Friedr. Scheel in Kassel.