306 Erträge zur HeschLchle des Mäötchens Weöenstein und öer Uamilie Keß v. Wichdorff. Herausgegeben von Ernst Wolfgang Heß v. Wichdorff. II. Theil.*) (Schluß.) C<r. ; ^ '■' ' ? 7. Landtgraff Philippus hat einen Cantzlar ge ­ habt, der hieß Johann Feyge undt ist ein gar gelahrter kluger Mann geweßen, undt gar reich wordten, so aber gern andtere Leutt geutzet. Alß nun einßmahlen aufs einen landt-tagk der Landtgraff seine sürnehmen reihe, feldt-Hauptt- leutte undt andtere von Adel zur taffel gehabt undt Conrad Heß v. Wichdorff gegen den Cantzlar über gesehen, hat solcher ihn umb seinen Namen undt standt auffziehen wollen, sagende: Die Heßen wären untter denen Edtel-geschlechtern in Hessenlandt mit die eltesten, wie es doch zu ­ gangen, daß sie nit mehr so reich undt mechtig, wie andtere? Wormit er aufs den Riedt-Eßell geziehlet, so neben ihme gesehen. Hat Conrad flugß geanttwortt: wir Heßen sindt ein altt- knorrigt Steineychen-geschlecht, so gar kerglich undt zeh aufs denen bergen gewachßen, sindt dahero nit so geyll auff geschoßen, alß die Feygenbäum in denen hoff-gertten. Darob menniglich ge- lachet, daß auch der Landtgraff für lachen den wehn verschüttet. Hatt zum Cantzlar gesagt: siehst du Johanne, dieße Eychen-art hat auch gar schärfst dörn, daran man leichtlich hengen bleibet. Der Cantzlar hat darnach eine weyll mit Conrado getzürnet, sindt aber baldt wiedter freundt wordten. 8. Da Melchior Heß v. Wickdorff mit Anna v. Bohneburgk-Hohenstein zu Wichdorf hochzettt gehallten undt viel der Gast dageweßen, ist abendts speth der wehn auff die Neigen gangen. Hat Melchior die altte magdt, die Meckell, mit der großen Schlauff-kannen geschicket, auff die alte Kemnaden nach Nydenstein zu lauffen undt geschwindt noch wehn allda zu langen. Solche magdt ist ein guthwilligs, aber nit gar kluges inensch geweßen, hat ihn unrecht verstandten undt *) Alle Rechte vorbehalten. ist, anstadt nach dem Untter-Hoff zu Stadt- Nydenstein, wie ihr Herre gemeyuet, hinauff auff den altten Nydenstein geloffen, allda den wehn zu holen. Kvmbt vor die pfortten, so damahlen noch vor dem wüsten gemäuer geweßen, pochet undt ruffet undt fluchet endtlich, man sollt doch ins ff ff ff namen auff machen, dannen sie keyne zeitt hette. — Wirdt endtlich auff gethan undt kombt ein klein pucklicht mennlein, deß weißer barth bis übern gurth gangen, in einen rothen wambß Herfür, den sie noch nit gesehen. Nimbt ihr die kandtel ab undt bringet solche voll weynß wiedter. Hat das trinckgeld für seine müh nit genommen, aber der magdt verbotten, sie soll nit sagen, wo sie den wehn geholet. Alß sie nun den wehn inß hochzeit-hauß bringet, ists ein gar köstlicher wehn geweßen, daß sich alle darob gefreuet undt tapfer darüber Hergängen. Aber so viel sie auch getruucken, der wehn in der kandtel hat nit abgenommen, daß sich endt ­ lich alle verwundtert. Da nun lctzlich der Hauß- herre fraget, wie das zugienge undt wo der wehn her wehre, hat die magdt erst nit mit der sprach heraußgewolldt, auff ernstlich zuredten aber endtlich ertzehlet, wie es zugangen. Hat sie aber alßobaldt mitten im saal von ohnsicht- barer handt eine dermeßige Maulschellen ent- pfangen, daß sie zu bodten gefallen, auch bis an ihr endt einen schwartzen backen behaltten. In der kandtel ist aber kein tropffen weyns mehr geweßen, hat alßo die zech ein endt ge ­ habt undt auch denen Gästen der Durst ver ­ gangen. 9. Melchior Heß v. Wichdorff hat aus Welsch ­ land einen spiritum familiärem mitbracht, so ein wundterbahr feurig weßen, in ein Crystalen eingoßen geweßen, alßo gefaßet, daß man selbi ­ gen bequehmlich au einen riemlein an Halß tragen können. Doch hat solchen Melchior nit viel anhengen mögen, weylen es ein schier un ­