301 erfordert würde, ins Werk setzen.“ Zur anberaumten Zeit versammelten sich daselbst zwanzig Fürsten und Grafen, siebzehn Herren, zweiundfünzig Ritter und zweihundertachtundsiebenzig Edle. Die Hessen allein rückten mit hundertvierundvierzig, die Franken mit huudertzwanzig Helmen ein. Der gelehrte Kanonikus Franciscus Modius in seinem Werke „Pandectae triumphales“ (Frankfurt 1586) und nach ihm unser hessischer Historiker Johann Justus Winkelmann in seiner Beschreibung der Fürstenthümer Hessen und Hersfeld (Bremen 1697) führen die Teilnehmer an dem Turniere namentlich an; sie hier einzeln aufzu ­ zählen, würde zu weit führen. Schon an den ersten beiden Tagen offenbarte es sich, daß das Turnier nicht ohne Blutvergießen enden würde. Um diesem Uebel möglichst vorzubeugen, wurden statt der vier Vögte zwölf (je drei aus den Vierlanden) gewählt, welche die Schranken sorgfältiger als sonst errichteten und wohl verwahrten. Außerdem wurde die Zahl der Grießwärtel von vier auf zwölf erhöht, um in den Schranken selbst die Ordnung aufrecht zu erhalten. Am Mittwoch, da die Kämpfe beginnen sollten, wurden nach dem Zeichen mit der Trommete die Gesetze und Ordnungen verlesen und die Strafen für diejenigen, so gegen Herkommen und Turnierfreiheit handeln würden, verkündet. Sobald jedoch die Seile abgehauen waren, vergaß man der Gesetze, welche geboten, daß immer nur Einer aus Einer Familie hervortreten solle. Es ritten oft zwölf zu gleicher Zeit auf. Nicht lange, so erhob sich ein solcher Kampf, daß weder die Vögte noch die Grießwärtel die erbitterten Gemüther besänftigen konnten. Aus dem Einzelkampfe war ein Massenkampf, aus dem „Tiost“ ein „Buhurt“, um in der Turniersprache zu reden, geworden. Die Grießwärtel öffneten die Schranken, damit diejenigen Ritter, welche mit diesen Händeln nichts zu thun haben wollten, sich aus dem furchtbaren Getümmel retten konnten. Endlich, nach ­ dem viele schon verwundet, verstümmelt, siebenzehn Franken und neun Hessen erschlagen waren, ritten die Urheber von dannen, ohne die Dankausgabe ab ­ zuwarten. Doch wollte man die herkömmlichen Ge ­ wohnheiten nicht außer Acht lassen; durch einen Tanz, an dem die Vornehmsten sich betheiligten, suchte man die Schrecken des Tages aus dem Gedächtnisse zu bringen, man theilte den Dank aus und schied erst, nachdem für das folgende Turnier neue Vögte ge ­ wählt waren. Winkelmann schließt seinen Bericht über das Turnier in Darmstadt mit dem Reime: Zu Darmstadt in den Schranken Blieben neun Hessen und siebenzehn Franken. — F. Z. Sprüche an Häusern in Hessen. In Balhorn. „Wenn ich Salomos Weisheit hätte, Und Simsons Stärke, Und wonte oben am Rhein, Dann wollte ich hier kein Steinbrecher sein.“ — „O schau mich an u. tu mich lesen: Was du bist, bin ich gewesen, Alle Menschen aus der Erden Müssen Staub u. Asche werden.“ — „Gottes Gnade, gesunder Leib, Fromme Kinder, ein züchtig Weib, Ein gut Gewissen und baar Geld Das ist das Beste in der Welt.“ — „Hüte dich vor Uebeltaten Herz u. Mund kann dich verraten Hoch auf Bergen, tief im Tal Gottes Aug schaut überall.“ — In MartinHagen. „An zwei Acker sollst du denken: Einen nur besäestu, In den andern wird Dich senken Gottes Vaterhand zur Ruh, Darum sollstu heut' und morgen Für ein gutes Saatkorn sorgen.“ — „Was beredestu mich u. die Meinen Besiehe erst Dich u. die Deinen Wirstu Dich u. die Deinen recht erkennen Dann magstu auch mich und die Meinen nennen.“— „Allen, die mich könen (kennen) Und meinen Namen nönnen — Denen gebe Gott, Was sie mir gönnen.“ — N. S. — ,; ff. Die in der Nummer des „Hessenlandes“ vom 15. September 1887 aufgeführten Sprüche an alten Bauernhäusern riefen in uns die Erinnerung an eine Inschrift wach, welche sich an einem Querbalken eines großen Gebäudes auf dem s. g. Renthof — des unter kurmainzischer Herrschaft erbauten steinernen Renterei- gebäudes mit großen Fruchtböden — zu Naum ­ burg, Kreis Wolfhagen, befand, welches 1867 an den Zimmermann Lattemann in Balhorn auf Ab ­ bruch verkauft und in diesem Orte unter Wieder ­ einfügung des Jnschriftbalkens vom Käufer wieder aufgerichtet wurde. Die in den äußeren Tragbalken eingemeiselte Schrift lautet: