293 Pfingstmorgen ihre schürtzen voll thaues auffn Nydenstein sammeln undt vvr Sonnen-Aufgangk anst unßerer lieben Frauen alttar zu Nhdenstein oysfern. Alßdann dörffen sie die Burgk neuw auffbauen undt wiedter darauff haußen. (Schluß folgt.) Heinrich von WLbra, Wrftbischof von Kulöa. Von F- Swenger. Der 25. September ist ein Gedenktag in der Fuldaer Geschichte. An ihm schloß vor hundert Jahren die irdische Laufbahn eines der bedeu ­ tendsten Regenten des Fuldaer Landes: des Fürstbischofs Heinrichs VIII., Freiherrn von Bibra, dessen Regierung die Zeitdauer von 29 Jahren, von 1759 bis 1788, umfaßte. Ausgezeichnet durch hohe Regententugenden, stets auf das Eifrigste für das allgemeine Wohl be ­ sorgt, ein erleuchteter Gesetzgeber, ein Freund und treuer Pfleger der Wissenschaften, ein Reformator auf dem Gebiete des Schulwesens, ein Förderer der Landwirthschaft, der Industrie, des Handels und des Verkehrs, der Erbauer vortrefflicher Landstraßen, einfach in seinem Leben, frei von Leidenschaft, ein Feind des Aberglaubells und der Frömmelei, aber von wahrhafter Frömmig ­ keit und werkthätiger Nächstenliebe beseelt, konnte Heinrich von Bibra als das Musterbild eines Fürsten gelten zu einer Zeit, in welcher an den weltlichen wie an den geistlichen Höfen die Ueppigkeit, die Schwelgerei, die Genußsucht nur zll sehr überhand genommen hatten. Seltsam, während die meisten Fürsten jenes Zeitalters, auch die unbedeutendsten, ihre Biographen und Lvbredner gefunden haben, besteht u. W. aus jener Zeit nur eine Schrift, die sich eingehender mit der „Regierungs-Geschichte des Fürstbischofs Heinrichs VIII. von Fulda" beschäftigt, es ist diejenige des Hofkanzlers Eberhard von Kaiser, die wir in F. K. von Moser's „Patriotischem Archiv", Jahrg. 1785, Band 2, abgedruckt finden. Selbst große Sammelwerke aus der neueren Zeit, wie die Encyklopädie von Ersch und Gruber, nehmen nur geringe Notiz von ihm, und sogar Historiker, wie Schlosser und Häusser, thun nur vorübergehend, wenn auch mit aller An ­ erkennung, dieses vortrefflichen Regenten Er ­ wähnung, dessen Friedens- und Geistesthaten doch in den Annalen der Geschichte verzeichnet zu werden verdienen vor vielen anderen. Vor acht Jahren unternahm es der Verfasser dieses Artikels, in der von ihm herausgegebenen Zeit ­ schrift „Buchonia" ein Lebensbild des Fürst ­ bischofs Heinrich von Bibra zu entwerfen, doch blieb seine Arbeit nur ein Bruchstück, da ihm der innere Zusammenhang einzelner Begeben ­ heiten in jener Zeit verschlossen blieb; heute liegt ihm eine ausführlichere Schrift „Zur Biographie des Heinrich Freiherrn von Bibra, Fürstbischofs von Fulda" (Separatabdruck aus Bd. III. der „Familiengeschichte der Freiherren von Bibra", von W. Freiherrn von Bibra) vor, die er in der nachfolgenden Schilderung vielfach benutzt hat. Heinrich von Bibra entstammte einem alt ­ adeligen fränkischen Geschlechte, das sich schon im 13. Jahrhundert als tournierfähig erwies. Marquard von Bibra wohnte dem 13. Tournier in Worms (1209), Ernst von Bibra dem 14. Tournier (1235) in Würzbnrg, Heinrich von Bibra dein 16. Tournier in Schweinfurt (1295) bei. Die Familie von Bibra gehörte dem Kanton Steigerwald an und wurde 1698 in den Reichs- Freiherrnstand erhoben. Ihre Stammburg lag bei Römhild im Hennebergischen (Herzogthum Meiningen) am Fuße der Gleichberge. Sie wurde im Bauernkrieg (1525) arg verwüstet und ist heute nur noch eine Ruine. Im 14. Jahrhundert zweigte sich eine Linie Derer von Bibra ab und ließ sich in Schlesien nieder. Die fränkische Linie, in der allemal der Aelteste des Hochstifts Würzburg Erbmarschall war, theilte sich früh schon in mehrere Zweige. Unser Heinrich von Bibra gehörte der Schnabel- weyd'schen Linie an, die im Jahre 1826 mit dem Neffen des Fürstbischofs Philipp Anton Freiherrn von Bibra ausgestorben ist. Heute blühen noch die Adelsdorfer, die Gleichenwieser, die Schwebheimer und die Jrmelshäuser Linie. Zwei Bibra, Lorenz und Konrad, waren im 16. Jahrhundert Fürstbischöfe von Würzbnrg. Lorenz von Bibra hatte der Heidelberger Dispu ­ tation (April 1518) beigewohnt, welche auf ihn einen solchen Eindruck machte, daß er den Re ­ formator Luther dem Kurfürsten von Sachsen dringend empfahl. Konrad von Bibra hatte seine Erwählung zum Fürstbischof von Würzbnrg und den damit verbundenen Sieg über seinen Gegner Melchior von Zobel (1540) den Bemühungen des Ritters von Grumbach zu verdanken, den er für die geleisteten Dienste nicht nur zum Hof ­ marschall ernannte, sondern ihm auch einen