291 2. Da Lentfried Heß. der eltere dieß nahmens, noch ein page bei Grafs Volckweynen geweßen, hat er an dessen hoff bekandtschaft mit einem schönen freulein Jmma gemachet, auß dem hauß v. Cahnstein,' haben sich lieb gewonnen, auff ewigk verlobet, auch mit eynandter vermehlen wollen, wannen er erst ein Ritter wordten wehre. Da aber Lentfried nachhero mit dem kayßer zu feldt getzogen undt gar lang außblieben, hat sie sein daheym vergeßen undt sich von einen stiffts- herren bethören laßen. Derhalben sie ihr Batter inß Closter gestoßen, allwo sie eine pforttnerin wordten. Ist einstmahlen ein altt hexenwehb dahin kommen, sich inß Closter eindtrengen wollen undt da die pforttnerin sie mit gar hartten wortten gestraffet, hat die hexen sie mit ihren staab berühret undt alßobald in einen garstigen Raaben verwandtlet, so zur stundt darvon geflogen. Darnach, da Lenifridus wiedter heymkommen, undt die mähr vernommen j hat er sich fast entsetzet. Hat aber doch nachgehends eine andtere alß haußfrau heymgeführet, so Mech- tildt v. Kasterfeldt geweßen. Undt da sie ge- trawet wordten, ist ein raab in die Kirchen kommen undt immerfort umb die brautleuth mit häßlichem Geschrey herumb geflogen, bis der Chorknab mit dem weihwedtel nach ihme geschlagen. Da er zwahr auß der Kirchen gewichen, aber die jungen Ehleutt, so auffn Heßenstein getzogen, auch dahin vervolget. Tag und Nacht umb solch schloß herumb gekreyßet undt greßlich geschrhen, daß sie sich seiner kaumb erwehren undt des lebens allda nit froh werdten können. Ist auch wedter mit schießen noch werffen zu verdtreyben geweßen. Hat ihn dann eines Abendts, da man auff der Burgk das ave geläuttet undt der raab wiedter darumb gestrichen und geschrhen, der Jäger mit einem gesegneten Boltzen geschoßen, daß solcher hintter der Capellen in Zwinger herab gefallen undt alß man da gesuchet, hat man die Nonnen sterbende sundten. Hat Lentfriedo noch gefluchet undt dannen verschiedten. Solches ist kommen in Sachsen und Nordhessen erklären und es scheint, daß ihre Enkel aus Pietät den Familiennamen Heßi fort- sührten. Von Gisela's Söhnen wurde Bernhardt der Stammvater der sächs. Pfalzgrafen, sowie der Grafen v. Blankenburg und Regenstein, Hessico derjenige des eigent ­ lich so genannten Hessidischen Gaugrafenhauses in Ostfranken, sowie der Grafen im Leinegau, von Reinhausen, Dassel, wahrscheinlich auch der Grafen von Schaumburg und der Herren von Itter. — Gisela, an deren gräflichen Hofe die heilige Liutbirgis lebte, stiftete zwei Klöster, Caragoltesbach (bei Heßdorf im sränk. Saalgau) und Winethohusen (welches nach Einigen am Harze lag, von Wynkelmann aber, wohl irrig, an die Stelle des jetzigen Dorfs Windhausen bei Kassel verlegt wird) und setzte zu Aebtissinnen derselben ihre beiden Töchter, von denen Hruothildis dem ersteren, die uhrsach wordten, daß Lenfridus den Heßenstein verlassen, auch nachhero seinen Vettern v. Keße- bergk abgetretten hat. (Der in dieser Sage ge ­ nannte Graf könnte Graf Volquin von Schwalen ­ berg sein, der 1137 bis 1177 vorkommt und da Lenfried bereits 1167 in der Urkunde über seines Vaters Hugo Verzichtleistung auf die Güter zu Lindheim, Trehß rc. zu Gunsten des Stifts Fulda genannt wird, so würde er der Zeit nach wohl in seinen Jünglings-Jahren an des Ersteren Hofe gelebt haben können. — Aeltere Scribenten schrieben Landgraf Heinrich dem eisernen auf den Umstand hin, daß er 1342 mit den Vögten v. Keseberg die Burg Heßenstein gemeinschaftlich erbaut, die ursprüngliche Einrichtung und Be ­ nennung derselben zu; später ist aber urkundlich festgestellt, daß die Burg schon 1328 existirte, denn er verpfändete sie in diesem Jahr dem Kloster Haina. Es war also schon eine ältere Burg dieses Namens 1328 da und zwar wahr ­ scheinlich aus einer Zeit, in welcher die Landgrafen von Thüringen und Hessen noch keinen Besitz in dieser Gegend hatten und also auch diese erste Burg nicht erbaut und benannt haben konnten. Vermuthlich fand diese ältere Burg in den Kriegs ­ stürmen jener Zeit nach der Verpfändung ihren Untergang und der Landgraf mochte die Wieder ­ herstellung der alten Grenzveste in seinem In ­ teresse gefunden haben.) 3. Hugo Heß v. Wichdorff, der mittlere (gestorben 1244) war nach Wynkelmanns Stammtafel zweimal vermählt, 1., mit Else v. Itter und 2. mit Nesa v. Züschen. Erste soll ein tragisches Ende ge ­ funden haben und die Sage berichtet darüber: Vor altters hat droben auff dem Schwencken- berg ein altter Jäger gehaußet, der hat Sprinckel geheißen undt mehr gekundt als Brodt essen. Solcher jeger hat eine häßliche Tochtter gehabt, die von deme altten auch ettliche seiner büßen künst gelernet undt da sie einstmahlen untern Bergk an dem börnlein gewaschen, ist von ohn- Bilihildis aber dem letzteren vorstand. Hessico's Sohn, Adalbert Heßi, tritt urkundlich anno 837 zuerst als Graf des Saalgau's auf, sein Sohn Hessi II. als solcher 860, sein Enkel Heßi III. 923, sein Urenkel Hruodolf Heßi 953 und dessen Sohn Adalbert Heßi starb 962. Die Gau ­ grafenwürde im Saalgau, Sinngau, so wie in den Gauen Aschefeld. und Folkfeld wurde nun auf andere übertragen und es ist fraglich, ob dies geschah — wie Wynkelmann andeutet — wegen Betheiligung an einer Empörung. Das Geschlecht pflanzte sich jedoch in Franken und Sachsen mittelst verschiedener Linien im Unwian'schen Männesstamm fort und von diesem entsproß auch—darüber lassen die vorhandenen, früher bereits genannten, Urkunden keinen Zweifel — das im 12. und 13. Jahrhundert zum Dynastenstande zählende Geschlecht der Heßen v. Wichdorff.) —