282 dahin, daß die Aburtheilung durch den Kriminal- Gerichtshof des Fulda-Departements zu Kassel zu erfolgen habe, weil die, dem Betreffenden zur Last fallenden Verbrechen zum größten Theil in diesem Departement verübt worden seien. So wurde denn dieser grauköpfige Gauner unter dem 15. März von Marburg nach Kassel übergeführt, wohin aus gleichem Grunde die Auslieferung seiner Genossen: des Hann-Jost Mein; Kaspar Kreuz; scheelen Rößlers; Erkelschen Schusters; Lieder-Konrads und rothen Beckers bereits erfolgt war oder noch erfolgte. Im Gefängnisse zu Kassel befand sich bereits die ganze Druckersche Familie: die alte Druckerin, die nach der Gefangennahme des alten Druckers sich ihrem Galan, dem Erkelschen Schuster, wieder zugesellt hatte, ihre drei Töchter, Christiane, Druckers-Dickes (starb dort im Gefängniß), die schöne Gertrud, die sich in Welle im Waldeckischen mit dem zurückgekehrten schwarzen Hann-Adam wieder zusammen gefunden und eine 'zeitlang mit ihm gelebt hatte, der sechzehnjährige Konrad und die dreizehnjährige Anne-Marie. — Im Laufe der Untersuchung wurden noch ein ­ gezogen oder von auswärtigen Gerichten requirirt: Wilhelm Reinhold, Michelchen oder der kleine Michel (Hann-Michel Weißmann aus Laudenbach, Kreis Eschwege); Franz Megges (Schwager des rothen Konrad und ein Hauptvertrödler gestohlener Waaren); der Blankenroder Hüttenmann Lorenz Kins und die Brüder Philipp und Alexander Müller. Außerdem wurden noch eine Menge Wirthe, Herbergierer und jüdische Handelsleute als Hehler in den Anklage-Zustand versetzt. Die Gerichtsverhandlungen begannen am 27. Oktober und währten 14 Tage. Eine hervor ­ ragende Rolle spielte bei denselben, wie bereits angeführt, der ehemalige Schwarze Hann-Adam als „Königs"- oder „Kronzeuge." Am 10. bezw. 11. November wurde das Urtheil verkündet, es lautete bei der Mehrzahl auf lebenslängliche oder zeitweise mehr oder minderschwere Freiheitsstrafen, gegen den alten Drucker aber, Mannes, scheelen Rößler, Erkelschen Schuster und den kleinen Michel wurde auf Hinrichtung durch das Schwert erkannt. König Jerome begnadigte den alten Drucker mit Rücksicht auf seine grauen Haare und den Umstand, daß er geständig gewesen war, zu lebenslänglicher Eisenstrafe; an den vier Uebrigen kam dagegen das Urtheil am 7. Dezember 1812 auf dem Forste zum Vollzüge.* **) ) Folgen wir an dieser Stelle dem trefflichen Fr. Müller'schen Werke „Kassel seit siebenzig *) F. L. A. von Grolmann. Aktenmäßige Geschichte der Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden. Seite 461. Jahren."*) Nach ihm wurden die Verurtheilten zu gleicher Zeit hingerichtet. Man sah dieselben auf den Todtenschemeln an den vier Ecken des Schaffots befestigt. An dem jugendlichen, kleinen Michel oder Michelchen legte der Sohn des Scharfrichtes**) sein Probestück ab, indem er ihm kunstgerecht das Haupt vor die Füße legte, worauf der Vater ausholte und ohne zu pausiren und ohne das Richtschwert abzusetzen, an den drei Andern das Gerichts-Urtheil vollzog, welchem scharf ­ richterlichen Bravourstück das in großer Menge her ­ bei geströmte, neugierige Volk laut applaudirte. „So wurde auch das Schrecklichste in dieser Zeit wie eine Theater-Aufführung behandelt!" setzt der geehrte Verfasser bedeutsam hinzu. — Fünf Tage nach dieser schauervollen Hinrichtung in Kassel, am 12. Dezember 1812, folgte vor dem Kriminalgerichtshof des Werra-Departements sodann die Verurtheilung der Andern. Gegen Weidenbaums-Görg,denschwarzenLiborius, Gilbert Eller, Leyser, den rothen Konrad und Güul- Afromche wurde auf Hinrichtung durch das Schwert und gegen die Uebrigen, früher bereits namhaft gemachten, auf lebenslängliche oder zeitweise mehr und minderschwere Freiheitsstrafen erkannt. Der König begnadigte von den zum Tode Verurtheilten diejenigen, die sich während der Untersuchungen geständig gezeigt, so Weidenbaums-Görg und den schwarzen Liborius zu lebenslänglicher Eisen- und Leyser zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe, dagegen fielen die Häupter Gilbert Ellers, des rothen Konrad und Gäul-Afromche's die bis zum letzten Moment leugneten, am 1. Februar 1813 auf dem Rabenstein zu Marburg. Damit war das Land von einer Plage befreit, die wie ein schwerer Alp über ein Jahrzehnt lang auf ihm gelastet hatte; denn wenn auch ein großer Theil der Räuber entwischt war, so das schlaue jüdische Gesindel, namentlich der gefährlicheFührer desselben, Mentel Polack, so mieden sie doch für immer das Land. Gottlob, daß die Zeiten dahin sind, in welchen es möglich war, daß derartiges Gesindel zwei Jahrzehnte hindurch dem waltenden Arm der Ge ­ rechtigkeit trotzend, das Eigenthum gefährden und die Bevölkerung großer Landstriche in Angst und Schrecken setzen konnte. — *) Fr. Müller. Kassel seit siebenzig Jahren. Seite 51. Dort werden jedoch irrthümlich der „rothe Konrad" und „schwarze Peter" unter den Hingerichteten aufgeführt. Der rothe Konrad wurde in Marburg am 5. Dezember 1812 verurtheilt und am 1. Februar '1813 daselbst hin ­ gerichtet; einen „schwarzen Peter" aber führen die Akten nicht auf; es dürfte am Ende der große Hann-Peter (je= meint sein; doch starb dieser vor jeder Verurtheilung im Gefängnisse zu Marburg. Der Verfasser. **) Hann-Michel Rademann von Bettenhausen.