271 hards Erdbeschreibung der hessischen Lande, erschie ­ nen 1778, zu Rathe gezogen batte; dort heißt es auf S. 587.- „In dem letzteren französischen Kriege hat sie (die Stiftskirche) aber ihren Untergang ge ­ funden; Da sie von den Franzosen zu einem Magazine von Strohe und Heue ge ­ brauchet, solches bey dem durch die unvermuthete Anrücknng der Alliirten veranlasseten geschwinden Abzüge den 20. Februarius 1761 angestecket, und die Kirche darüber bis auf die Mauern abgebrannt und zerstöhret worden." Ich dächte, dem könnte man glauben. Dennoch seien zum Ueberfluß noch zwei weitere Gewährs ­ männer angeführt, die wohl ganz unverdächtig er ­ scheinen dürften. Friedrich Christoph Schmincke (lebte von 1724 bis 1795 als Bibliothekar und Archivar in Kassel) sagt in seinen Collectaneen von hessischen Städten und Aemtern*) bei Hersfeld: „Die Gebäude, des Oberamtmanns Haus, das Dach von der Cantzley, die große Stiftskirche, der Fruchtboden, sind im Februar 1761 von den Franzosen wegen der darin befindlich ge ­ wesenen Magazine angesteckt und gäntzlich ver ­ wüstet." Endlich berichtet der hessische General von Wut ­ gin au am 28. Februar 1761 aus Oberbreidenbach dem Landgrafen selbst:**) „Durch das von denen Feinden in Hirschfeld schon gedachtermasen verbrannte Magazin, welches mehrentheils in der dasigen Stiftskirche und dem Schloß zu ­ sammen gebracht gewesen, ist es geschehen, daß beyde Gebäude mit in Brandt gerathen und gänzlich ruiniret worden." Solchen positiven Zeugnissen gegenüber kann, denke ich, das negative des Herrn v. St. nicht weiter in Betracht kommen. Ob der genannte Herr deshalb, wie er selbst sagt, „aus seinem Berichte zu viel heraus gelesen hat," diese Frage zu beantworten, überlasse ich einem jeden selbst, ebenso, ob es ge ­ rathen war, die gemachte „Entdeckung" der Festkarte beizudrucken. Wir müssen für die Zeit des sieben ­ jährigen Krieges die Franzosen, zumal aber den Herzog von Broglio, einen anerkannt edlen Mann, von aller Barbarei freisprechen! Wenn man sich an dem Landgrafen, den man übrigens noch im Jahre 1761 von seinen bis ­ herigen Verbündeten ab- und zu sich herüberzuziehen hoffte, rächen wollte, so hatte man dazu andere Mittel: man hätte z. B. seine Schlösser in die Luft sprengen können. Jedenfalls wollen wir Deutsche nicht aufhören, auch unsern Feinden objective Ge ­ schichtsschreiber zu sein! Kugo Urunner. *) Auf hies. Landesbibliothek, Mss. Hass. fol. 117. **) Bericht im Kgl. Staatsarchiv zu Marburg. Aus Aeimath und Fremde. Kassel. Gallerie-Direktor Dr. O. Eisen ­ mann dahier hat soeben einen wissenschaftlichen Katalog derKasseler Gemälde-Gallerie heraus ­ gegeben und damit einem lang gefühlten Bedürfniß abgeholfen. Eingeleitet wird das Werk mit einer interessanten, vom Verfasser schon früher publicirten Geschichte der Gallerie und einem Nachtrag des Marburger Professors Dr. v. Dr ach über die Erwerbungen der Gallerie, aus archivalischen Quellen geschöpft. Der Katalog selbst giebt in kurzen Zügen biographische Notizen über die vertretenen Meister, nach den verschiedenen Schulen geordnet, sowie ausführliche Beschreibungen der vorhandenen Gemälde selbst und noch manches andere schätzenswerthe Material. Jedem, welcher sich eingehender mit den Werken unserer Gallerie beschäftigen will, dem es auf etwas mehr als einen flüchtigen Genuß ankommt, wird dieses Werk hochwillkommen sein. Für die außerordentliche Mühe, welche Herr Dr. Eisenmann für eine solche Arbeit, die Jahre erforderte, aufgewandt, verdient er Dank und Anerkennung in hohem Maße; ebenso für die treffliche Lösung der Aufgabe an und für sich. W. W. — In dem Schaufenster der Kay'schen Hof-Buch- und Kunsthandlung dahier hatte unser Landsmann Johannes K l e i n s ch m i d t zwei Bilder ausgestellt, welche während seines jüngsten Aufenthaltes in München von ihm gemalt worden sind und hier Aufmerksamkeit erregten. Sie zeigen, daß der an ­ dauernd wacker schaffende Künstler auch auf dem Gebiete des humoristischen Genre's Tüchtiges zu leisten versteht. Die beiden Gemälde sind als Gegenstücke (Pendants) aufgefaßt und stellen das Wohlbefinden desselben Mönches dar, das er bei dem Genuß eines trefflichen Mahles empfindet. Auf dem einen Bild beginnt er mit dem Tranchiren eines Huhnes, und köstlich ist der Ausdruck des Behagens dabei im Antlitz des Mönches getroffen. Auf dem zweiten Bild erblicken wir vor ihm die Reste der Mahlzeit und die geleerte Flasche, in der Hand aber hält er prüfend einen Römer mit den letzten Tropfen des köstlichen Trankes. M. M. — Universitäts-Nachrichten. Der bisherige Geheime Staats-Archivar Archivrath Professor Dr. Max Ludwig Eduard Lehmann in Berlin ist zum ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät Marburg ernannt worden. Ueber die Universität zu Gießen wird dem „Frankfurter Journal" von dort geschrieben: Unsere