248 am 10. November 1810 führte. Sie wurden zu 15 bezw. 10 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Ihre Ueberführung in das Zuchthaus zu Rockenberg fand alsogleich statt. Dort saßen sie so lauge, bis der Kriminalgerichtshof des Werra-Departe ­ ments vom Königreich Westphalen zu Marburg um ihre Auslieferung ersuchte, welche im November 1811 erfolgte. Nach der Razzia auf der Bredelarer Hütte schien es eine Zeit lang, als habe man die Bande bis auf den letzten Mann gefaßt oder dem Reste die Gegend verleidet; denn man hörte fast ein Jahr lang nichts mehr von Diebstählen und Einbrüchen. Das Platte Land athmete auf. — Da machte plötzlich ein Straßenraub, begangen am 14. September 1808 zwischen dem Waldeck'schen Städtchen Züschen und dem Niederhessischen Dorfe Hadamar an dem Handelsmann Johann Blankenmeyer viel von sich reden und verscheuchte wie mit einem Zauberschlage das kaum zurück ­ gekehrte Gefühl der Sicherheit. Diesem Raube folgten in rascher Reihenfolge eine große Anzahl anderer, wovon die Anklageschrift des General ­ prokurators des Königs, Freiherrn von Haustein zu Marburg *), fünfzehn aufführt, welche in dem Zeitraum eines Jahres begangen wurden, so ein in der Nacht vom 15. auf 16. August 1808 an dem Krämer Lorenz Ellerkamp zu Homberg an der Efze, und ein anderer vom 19. auf den 20. August an Feist Wallach's Wittwe, in der Ziegenhainer Vorstadt verübter. Diese beiden Verbrechen heben wir deshalb hervor, weil sie Gelegenheit bieten, auf die Person des „schwarzen Hann-Adam" zurück- ukommen, da er bei denselben zum ersten Male eit seiner Verurtheilung zu Braunschweig wieder auftaucht und auf der Bildfläche, der sich bald darauf entwickelnden Prozeduren vor Gericht eine interessante Erscheinung abgiebt. Die Wallach's, die noch jetzt zu den an ­ gesehensten jüdischen Familien der alten Schwalm ­ stadt zählen, wurden in jenen Tagen zu den reichsten der Umgegend gerechnet. Die Firma „Feist Wallach's Wittwe" hatte ihr Geschäfts- Lokal in der Vorstadt, von Alters her Weichhaus genannt. Nebenan wohnte ein jüdischer Nachbar, der Viehhandel trieb, sich mit dem Kuriren kranken Viehes abgab und deshalb unter dem Namen „Auscher Leib-Docter" in der Umgegend bekannt war. Die Antccedenzien dieses Menschen waren schlimmster Art. Geboren war er zu Obergrenzebach, einem der dreizehn echten Schwälmer-Dörfer. Nach dem Tode seines Vaters trat er als Knecht in die Dienste seines Vormunds Aaron Bacharach zu Neukirchen. *) Gedruckt zu Marburg 1812. Perl. P. Bairhoffer. Beschuldigt, in dessen Haus eineu Brand angelegt zu haben, verließ er das vormundschaftliche Haus und trat auf die eigenthümlichste Art und Weise die Erbschaft seiner indessen verstorbenen Mutter an. Die Geschwister waren nämlich verzogen und hatten die elterlichen Sachen zurückgelassen. Er kam wie ein Dieb in der Nacht, erbrach mit einem Helfershelfer von hinten das Haus, brachte von den Sachen, was niet- und nagellos war, in einer versteckten Kammer unter, die einen, nur ihm bekannten Eingang durch den Rauchfang hatte und schlug andern Tages Lärmen, er sei bestohlen worden. Seine Angabe fand umsomehr Glauben, als in einem Nachbardorfe ein Sack gefunden wurde, der mit Sachen voll ­ gefüllt war, die zu der Hinterlassenschaft gehörten. Daß ihn der Schlauberger aber selbst dorthin geschafft hatte, das zu glauben fiel keiner Menschenseele ein. Später veräußerte er dieses Anwesen und siedelte nach Ziegenhain über. Ein in dem Hinterhause seiner Wohnung aus ­ gebrochener Brand, dessen Entstehen man sich nicht deuten konnte, eine Prellerei im Kuhhandel gegen einen Bauer in Ncuenhain und der Umstand, daß er einen Bienendiebstahl veranlaßt hatte, brachten ihn in nähere Bekanntschaft mit dem Kriminal-Gericht und hatten am 16. August 1804 seine Verurtheilung zu uubestimmer Haft in „den Eisen" mit „Willkomm und Abschied"*) zur Folge. Daß die Frau Wallach in der Unter ­ suchung gegen ihn gezeugt hatte, das forderte seinen unauslöschlichen Haß heraus. Während seiner Haft machte er in den Eisen die Bekanntschaft eines Räubers von Profession, des Kaspar Rupprccht, der später zu Kassel hin ­ gerichtet worden ist, und beide planten schon da ­ mals den Raub, von welchem nachstehend die Rede sein wird. Rupprecht, der mit von der Partie bei Eller ­ kamps war, erinnerte sich der ihm vom Auscher-Leib- Docter gemachten Mittheilungen schon vor diesem Raube, namentlich auch, daß es in der dortigen Rentcrei viel zu holen gäbe und theilte das der Bande mit. Diese sandte sofort den schwarzen Hann-Adam und ihn zum Baldowern aus. Beide kehrten bei Auscher ein, welcher jedoch von einem Raube in der Renterei ab, und zu dem bei der Wittwe Wallach rieth. Nach dem Raube in Homberg erschienen Mannes und Mein auf Kund ­ schaft in Ziegenhain, betraten den Wallach'schen Kramladen, kauften sich ein Packet Tabak, gingen in die Küche, angeblich um sich Köhlchen auf die Pfeifen zu holen, in Wirklichkeit aber, um sich das Küchenfenster anzusehen, von dem Auscher *) Farrenstreiche auf der Prügelbank beim Kommen und Gehen.