247 seiner Poesie gehören. Das eine „An dem Azis- born", einen im Eichholz, nahe dem jetzigen Bahn ­ hof, hervorsprudelnden Bergquell, an dem er auf seinen Spaziergängen manchmal geruht, mit dessen Hellem Wasser er sich manchmal erquickt haben mag, das andere „Auf den Grabhügel seines Bruders Georg," der während seiner Abwesenheit in Gelnhausen im Hause des Rektor Cremer, dem er von dem Oheim zur Erziehung übergeben worden, gestorben war. Lottichs Studien waren vollendet. Der Jüng ­ ling war zum Manne gereift. Und nun begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt: die Zeit seiner Wanderungen, wo er als Führer und Lehrer einer Anzahl junger Leute edlen Geschlechts Frankreich und Italien, das Land, in welchem damals die klassischen und naturwissenschaftlichen Studien blühten, sah und, andere lehrend, seinen eigenen Gesichtskreis erweiterte und neue Kenntnisse sammelte. (Schluß folgt) ^schichte der Muberbanöe des „allen Druckers". Von Ludwig Mohr. (Fortsetzung.) Einmal im Zuge ging es nun nach der Stein ­ mühle au der Diemel, wo die Hausthür unter Feuerjo und Mordio mit einem Rennbaum ein ­ gerannt wurde. Der Besitzer der Mühle, Strie- pecke, welcher mit seiner Ehefrau in der Stube gleicher Erde schlief, erwachte beim ersten Anrann und floh mit seiner Frau unbekleidet in den dritten Stock. Indessen erbrachen die Räuber durch Abklemrnung der Thürbekleidung die Thür zu der unteren Stube. Ehe sie jedoch eindrangen, gab Einer derselben einen Schuß nach dem Ehe ­ bett ab, von dem man anderen Tages die Schuß ­ löcher, die von grobem Rehhagel herrührten, in dem Bettvorhang, dem zurückgelassenen Rock der Müllerin und in der weißgetünchten Kalkwand hinter dem Ehebette vorfand. In dieser Stube raubten die Mordgesellen einen mit Silber be ­ schlagenen Meerschaumkopf, ein paar silberne Schuhschnallen und eine Pistole. Dann stürmten sie in den zweiten Stock, feuerten jedoch, ehe sie unten die Stube verließen, noch einen Schuß ab nach der, dem Bette gegenüber befindlichen Wand, in welcher sich später eine Menge zerhacktes Blei vorfand. Im zweiten Stock öffneten sie mittelst eines, aus der unteren Stube mitgebrachten Schlüssels einen Schrank, erbrachen einen andern und eine Koinmode und raubten daraus: 3 Ka- rolin, 5 Louisd'or, 1 Dukaten, 40 Reichsthaler, 9 silberne Eß- und 5 dergleichen Theelöffel nebst einer Partie Kleidungsstücke. Dann zogen sie davon. Die Striepecke'schen Eheleute befanden sich in ­ dessen im dritten Stock in Todes-Aengsten. Das Rauschen des Mühlwassers, das tosend über die Mühlenräder stürzte, war so laut, daß sie nichts von dem Abzug des Gesindels gewahr wurden. Erst dann, als die Morgensonne durch die Fenster schien, wagten sie sich aus ihrem Versteck und schüchtern in die Mühle hinunter. Sie hatten also von der ganzen Bande auch nicht einen zu Gesicht bekommen. Erst später erinnerten sie sich, daß einige Wochen vor dem Raube ein Mensch auf der Mühle gewesen war, der auf Brandbriefe gebettelt hatte. Aus der später ein ­ geleiteten Untersuchung ergab es sich, daß dieses der große Hann-Peter gewesen war. An dem Raube aber waren alle die betheiligt, die den Einbruch in Welda bei dem Pastor Rappe mit ­ gemacht hatten. Die Bande nahm ihren Rückweg, au Stadt ­ bergen vorüber, nach der Bredelarer Eisenhütte, wo sie von den Drucker'schen Töchtern und Anderen bereits erwartet wurde. Dort nahmen sie die Theilung des Raubes vor. Als dieses geschehen, entfernten sich die Frauenzimmer; auch Weiden ­ baums Görg und sein Schwager Siepel verließen die Gesellschaft. Kaum waren sie außer Seh ­ weite, da erschien der Rentmeister Baum von Bredelar mit einer Anzahl von Häschern, nahm die Uebrigen, sechs an der Zahl: den alten Drucker, den schwarzen Liborius, den großen Hann-Peter, Gilbert Eller, Lehser und Gäul- Afromche gefangen und lieferte sie an die Groß ­ herzoglich Hessische Justizbehörde zu Arnsberg aus. Man fand bei ihnen eine große Partie aus dem Raube von Welda und der Steinmühle herrührender Gegenstände. Das Großherzogliche Hosgericht zu Arnsberg unterzog sich darauf der langwierigen und schwie ­ rigen Prozedur gegen diese, alles Eigenthum und die menschliche Gesellschaft so sehr gefährdenden Menschen, die bis zum letzten Augenblicke leugneten. Fast 5 Jahre währte die Untersuchung, die, trotz des Leugnens der Räuber, zu ihrer Verurteilung