239 bey damahliger grosser Kälte sich ins Feld gelegt und fleissige Wacht gehalten." Am 20. Dezember- würde der Herzog aus seiner Berschanzung gelockt und nach einem hitzigen Kampfe, wobei ihm selbst das Pferd unter dem Leibe erschossen wurde, mit einem Verluste von 100 Mann an Todten zum Rückzüge nach Amöneburg und Neustadt genöthigt. Von hier erließ er einen zweiten Drohbrief vom 28. Dezember an Alsfeld, worin er für den Fall, daß seine Befehle nicht befolgt würden, für den folgenden Tag blutige Rache in Aussicht stellte. Als der Herzog jedoch anrückte, stürzte sich ihm der Schottener und Ulrichsteiner Ausschuß unter Haupt ­ mann Schmelz zwischen Kirtorf und Erbenhausen entgegen, tödtete mehrere der braunschweigischen Reiter und jagte die Anderen in die Flucht. Zu Beginn des neuen Jahres mußte der Herzog sich über Fritzlar und Naumburg nach Westphalen zurückziehen. (Außer Beziehung auf das Theatr. Europ. I und Rommel II, 199 verweisen wir auf Mittendorff, Christ, von Braunschweig re. i. Arch. d. hist. Ver. f. Nieder ­ sachsen, N. F.) Dr. A. M. Aus Aeimath und Fremde. Kassel. Es wird für die Leser unserer Zeit ­ schrift von Interesse sein, zu erfahren, daß unseres hessischen Dichters Gustav Kastropp's Tragödie I u s s u f und Suleika, durchaus neu bearbeitet nach „Suleika", zur Aufführung im September d. I. am königl. Theater zu Hannover vorbereitet wird. In früherer Bearbeitung ist dieselbe am ungarischen National-Theater (in ungarischer Uebersetzung von Bartok), ferner unter Franz Treller's Regie in Riga, sowie auch in Oldenburg gegeben worden und hat eine sehr gute Aufnahme gefunden. — Seit Montag tagt in Hersfeld der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde. Die auswärtigen Theilnehmer wurden bei ihrer Ankunft von dem Hersselder Comitemitgliedern auf das Freundlichste empfangen. Das Versammlungs ­ lokal in den weiten Räumen des „Vereins" war festlich geschmückt. Nach der Sitzung des Vorstandes, am Mon ­ tag, die mehrere Stunden währte, fand gesellige Ver ­ einigung statt, die in gemüthlichster Weise verlief. Als Ort der nächsten Jahresversammlung wurde Marburg in Aussicht genommen. Eingehender Be ­ richt folgt in der nächsten Nummer. Todesfall. Am 29. Juli starb zu Berchtesgaden in seinem 61. Lebensjahre unser hessischer Landsmann, der Berliner Polizeioberst August Herquet. Geboren ist derselbe 1828 zu Fulda als jüngster Sohn des Regierungsdirektors Lothar Herquet; er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, trat dann als Avantageur in das kurhessiche Artillerieregiment, wurde 1848 zum Secondelieutenant ernannt und ging als Hauptmann nach der Annexion im Jahr 1866 in preußische Dienste über. Zunächst Hauptmann und Batteriechef im schlesischen Feldartillerieregiment Nr. 6 (Schweidnitz, bezw. Neisse), wurde er später zum Major im 2. hannoverschen Artillerieregiment Nr. 26 (Celle) und zum Abtheilungskommandeur in demselben befördert. Am 15. April 1880 wurde er zum Polizeioberst und Komman ­ deur der Schutzmannschaft in Berlin ernannt. Der Ver ­ blichene, ein kenntnißreicher und strebsamer Offizier, der sich namentlich auch im deutsch-französischen Kriege von 1870/71 ausgezeichnet hat, war ebenso wegen seiner trefflichen Charaktereigenschaften und seiner persönlichen Liebenswürdigkeit von seinen Kameraden hochgeschätzt, wie er bei der Mannschaft wegen seiner humanen und wohlwollenden Gesinnung in hohem Grade be ­ liebt war. Friede seiner Asche. — Universitätsnachrichten. An der groß ­ herzoglich-hessischen Landes-Universttät Gießen lehren in dem laufenden Sommersemester 55 Dozenten. Davon kommen auf die evangelisch-theologische Fakultät: 5 ordentliche Professoren und 1 Privat ­ dozent; auf die juristische Fakultät: 5 ordent ­ liche Professoren und 1 außerordentlicher Professor; auf die medizinische Fakultät: 8 ordentliche Professoren, 3 außerordentliche Professoren, 1 zweiter Lehrer der Thierheilkunde und 3 Privatdozenten; auf die philosophische Fakultät: 19 ordentliche Professoren, 5 außerordentliche Professoren und 4 Privatdozenten. Als neue Universitätslehrer halten seit Beginn dieses Sommersemesters Vorlesungen: in der juristischen Fakultät der ordentliche Professor Dr. Heinrich Otto L e h m ann, in der philosophischen Fakultät der ordentliche Professor I)r. Eugen Netto, sowie die Privatdozenten Dr. Lothar Heffter (für Mathematik) und Dr. Julius Lang. — Außerdem wirken in Gießen noch 3 Lehrerder „freien Künste": 1 Universitäts-Reitlehrer, 1 Universitäts-Musiklehrer und 1 Universitäts-Fecht- und Tanzlehrer. — Der ordentliche Professor der Rechtswissenschaft Dr. Konrad H e l l w i g (aus Zierenberg) hat einen Ruf an die Univer ­ sität Erlangen erhalten. — Die Zahl der Studirenden an der Universität Gießen beträgt in diesem Sommer ­ semester 546,von denen 104 der Theologie, 85 derRechts- wissenschaft, 85 der Medizin, 28 der Thierheilkunde, 4 der Zahnheilkunde, 33 den Kameralwissenschaften, 45 der Forstwissenschaft, 20 der Mathematik, 66 der Philo ­ logie, 23 den Naturwissenschaften, 5 der Geschichte, 18 der Pharmacie und 30 der Chemie sich widmen. 19 Hospitanten besuchen außerdem die Vorlesungen, mit welchen sich dann die Gesammtzahl der Hörer auf 565 stellt. Nach der Staatsangehörigkeit ver ­ theilen sich die Studirenden auf folgende Länder: Hessen 448, Preußen 61, Bayern 13, Braunschweig 4, Sachsen und Baden je 3 u. s. w. Im vergleich zu dem vorigen Wintersemester hat der Besuch sich um 30 Studirende vermehrt.