237 die Dirn', weiß der liebe Gott, mit dem Rechten heim!" Der erste Besuch, den das Brautpaar machte, galt dem Kränterbast. Weil er ihren Herzen den rechten Weg gezeigt hatte, sollte er auch zuerst sehen, wie unaussprechlich glücklich sie ge ­ worden waren. Dann gingen sie durch den stillen Grund dem Barthel entgegen und nahmen ihn mit sich auf den Jochenhof, wo am Abend die ganze Verwandtschaft des Brautpaares zusammen war, und auch allen Knechten, Mägden und Tagelöhnern ein großer Festschmaus gegeben wurde. Der Verspruch der steinreichen Erbin erregte im ganzen Kirchspiel großes Aufsehen. Berthold wurde im stillen viel beneidet, aber kein Mensch zuckte in Gegenwart anderer über die Wahl des Mädchens verächtlich die Achsel. Freilich besaß der Bräutigam kein Vermögen, allein er war ein ebenso braver als schöner Bursche und stammte aus einer Familie, die noch vor zehn Jahren zu den ersten weit und breit gehört hatte und auch zu den verstorbenen Eltern der Braut von jeher in den herzlichsten Beziehungen stand. Die Liebe machte also an dem Burschen nur wieder gut, was von bösen Menschen an ihm und seinen Eltern verbrochen worden war. Deshalb wurde dem Berthold sein Glück auch von vielen gegönnt, um so mehr, als er ja schon vor Jahren das Leben für seine Braut eingesetzt hatte und dessen stattliche Gestalt weit besser zu dem Mädchen paßte, als die aller ihrer zahlreichen anderen Freier. Ein paar Tage nach der Verlobung wurde der kranke Schimmel wieder besser, und wenige Wochen später war er bereits so gesund, daß er einen Wagen Klee aus dem Felde heimfahren konnte. Der Thierarzt that sich viel zu gut auf diese gelungene Kur, aber Hannes hatte seine eigenen Gedanken darüber. Freilich sprach er diese nur gelegentlich im Vertrauen aus, wenn es galt, den Ruhm des Kräuterbast und seiner wirksamen Zaubermittel weiter zu verbreiten. — — — Berthold und Marielies sind seit Jahren ein glückliches Ehepaar, das schon mit ein paar paus ­ bäckigen Kleinen gesegnet ist. Hannes beaufsichtigt dieselben, weil er im Stall nicht mehr arbeiten soll und sich doch bis an sein Lebensende von dem Jochenhofe und seiner Herrschaft nicht mehr trennen mag. — Barthel hat sich für immer in Wilden ­ born niedergelassen. Seit einem Jahre ist er mit der ältesten Enkelin vom Kräuterbast glücklich verheirathet. Dieser braut noch immer für Menschen und Vieh heilsame Tränklein, jedoch seit seine Enkel erwachsen sind und selbst arbeiten, geht er nicht mehr meilenweit, um ein paar Groschen zu verdienen. An jedem Sonntage bringt ihm die junge Frau aus dem Jochenhofe ein gutes Mittagessen. Kann sie es doch nie vergessen, daß Bast es gewesen ist, der ihr Herz mit kluger Art ans den rechten Weg führte. Marielies ist in ihrem Glück recht demüthig geworden. Wer es nicht weiß, wird sicher nie ahnen, daß das große Vermögen von ihr herstammt. Oft Sonntagabends, wenn es stille im Hofe ist, und die Kinder schon schlafen, dann sitzen die Gatten noch lange bei einander und reden von vergangenen Zeiten. Während sie dies thun, fliegt dann und wann ein dankbarer Blick auf ein vertrocknetes Vergißmeinnicht, das an der Wand unter Glas und Rahmen hängt und von den Ranken eines Epheustocks wie von einem grünen Kranze umschlossen ist. Alexander. Dem großen Alexander schrieb Einst Antipater: Hoher Herr! Olympias, die Mutter Dein, Treibt Politik und stört uns sehr! In Alles mischt die hohe Frau Die zarte Hand. Und sag' ich: „Nein!" So sagt sie ganz entschieden: „Ja" ! Sprich^ hoher Herr, ein Machtwort drein! Held Alexander las und schickt Dem Kläger den Bescheid nach Haus: „Nur eine Mutterthräne löscht Mir hundert Deiner Briefe aus!" HH. Kellner. Vielleicht! Vielleicht, dacht ich, und sah zum Abendsterne, Der zitternd über'm Horizonte stand, Vielleicht daß jetzt in weiter Heimathferne Auch sie den Blick ihm träumend zugewandt. Daß uns're armen Seelen, die hier unten So oft getrennt, so schmerzlich sich vermißt, Auf ihrem irren Lauf dort oben sich gefunden, Und leise, leise sich zum Gruß geküßt! Ricardo Jordan.