223 Heilquellen erworben hatte, gelang es dessen umsich ­ tiger Leitung und dessen unermüdlicher Ausdauer im Jahre 1838 die Bonifatiusquelle kunstmäßig und vollkommen rein zu fassen. Am 2. Juli des ge ­ nannten Jahres konnten die ersten Bäder daselbst verabreicht werden. Im Jahre 1860 verkaufte Dr. Martiny das von ihm gegründete Bad an den kurhes ­ sischen Staat und wirkte noch bis zum Ende des Jahres 1875 an dem Bade als dessen Leiter und als Badearzt, auch nachdem dasselbe bereits in den Besitz einer Aktiengesellschaft übergegangen war. Dr. Martiny hat sich die wesentlichsten Verdienste um das Bad Salzschlirf erworben. Ein Menschenleben lang hat er seine Kräfte dem Dienste der Kranken und Lei ­ denden gewidmet, die dort Rettung oder Linderung suchten, das Bad verdankt ihm seine Wiedererstehung, seine Blüthe, kurz alles, dessen es sich rühmen kann. Trotzdem sollte Undank der Lohn des uneigen ­ nützigen, stets zur Hilfe bereiten, wohlwollenden und mildthätigen Mannes sein. Ränken aller Art war er in den letzten Jahren seiner Thätigkeit in Salzschlirf ausgesetzt, die ihn veranlaßten, sich einen andern Wirkungskreis zu suchen und nach dem Sool- bad Orb überzusiedeln. Dort befiel ihn jedoch bald ein schweres Leiden, das ihn nöthigte, zu den Seinen nach Salzschlirf zurückzukehren. Ungeachtet der sorgsamsten Pflege erlag er seinem Leiden am 23. September 1876 in seinem 67. Lebensjahre. Seine Beerdigung fand am 26. September statt. Ein unabsehbarer Zug von Leidtragenden aus Salz ­ schlirf und der nächsten, wie weiteren Umgebung, von Großenlüder, Fulda, Hersfeld, Schlitz, Lauterbach, Alsfeld u. s. w. bewegte sich nach dem Friedhof, um dem allgemein beliebten Mann die letzte Ehre zu be ­ zeigen. Der katholische Pfarrer Leo Schumann hielt seinem Freunde, dem Protestanten, eine ergreifende Grabrede, die mit den bezeichnenden Worten schloß: „Dem Bad gab er das Leben, das Bad gab ihm den Tod!" Das Andenken an den edlen Menschen ­ freund Dr. Eduard Martiny, der nunmehr fast 12 Jahre int Grabe ruht, wird bei allen, die ihn kannten, stets ein gesegnetes bleiben. Dr. Martiny ist mit dem Bade Salzschlirf auf das Innigste verwachsen. Wir konnten es uns daher nicht versagen, seiner bei dieser Gelegenheit ganz besonders zu gedenken. A. A. — Der „Staatsanzeiger" brachte kürzlich einen Bericht über die Thätigkeit der Geologischen Landes ­ anstalt in der Provinz Hessen-Nassau während des Jahres 1887, dem wir folgende Mittheilungen ent ­ nehmen: Im Regierungsbezirk Kassel setzte Professor Dr. Kaiser die Aufnahmen in der Gegend von Marburg fort und vollendete hier die größere Hälfte des Blattes Nieder-Weimar. — Bezirks-Geologe Dr. Beyschlag begann nach einigen Orientirungs- touren in der Umgegend von Kassel die Aufnahme des Blattes Wilhelmshöhe. Derselbe führte ferner die letzten Revisionen in den Blättern Melsungen und Altmorschen aus und stellte die von dem ver ­ storbenen Landes-Geologen Dr. Moesta begonnene Aufnahme des Blattes Ludwigseck fertig. Professor Dr. Bücking führte die Aufnahme der Blätter Nens- warts, Kleinsassen und Hilders weiter. Berg-In ­ genieur Frantzen nahm die nördliche Hälfte des Blattes Salmünster und im Anschluß daran Theile der Blätter Steinau, Birstein und Gelnhausen auf. — Im Interesse der Eisenbahnverwaltung wurden von demselben Untersuchungen zur Auffindung von zur Anlage von Steinbrüchen geeigneten Bausteinen für die Ausmauerung des Milseburg-Tunnels mit gutem Erfolge ausgeführt. Sie gaben zur Eröff ­ nung eines großen Steinbruches im Enkrinitenkalk auf dem kleinen Ziegenkopf bei Kleinsassen Anlaß. — Professor Dr. Bücking führte unter Beihilfe des Dr. Linck eine Revision der Aufnahmen der Blätter Schmalkalden und Tambach aus. Hessische Dücherschau. König Elf's Lieder von Gustav Kastropp. Dritte Auflage. Stuttgart, Verlag von Adolf Bonz & Comp. Unser hessische Landsmann Gustav Kastropp ist ein von Gott begnadeter Dichter. Mit König Elf's Liedern, jener zarten, tiefempfundenen Dichtung, führte er sich vor nunmehr 17 Jahren als Dichter ein. Es folgten das Drama „Suleika", das dramatische Märchen „Dornröschen" und die „Gnomen ­ märchen". Durch seine großartigen Dichtungen „Kain" und „Heinrich von Ofterdingen" erwarb er sich den Ruf eines hervorragenden Poeten in Deutsch ­ land, sein Name war bald in Aller Munde. Er hat mit seinen Dichtungen die Bahnen betreten, die von Victors Scheffel's „Trompeter von Sückingen" aus ­ gehen, es ist die Form der poetischen Erzählung mit eingestreuten Liedern, ein Epos mit lyrischen Einlagen. In „König Elf's Liedern" beschreibt der Dichter eine nordische Sage, nach welcher Derjenige, der die Lieder des sagenumwobenen Königs Elf erlernt, im Meere seinen Tod findet, sobald er die letzte jener wunderbaren Weisen hat ertönen lassen. Mit dieser Sage verbindet der Dichter eine Liebes ­ geschichte, von der auch der Vers Heine's gilt: Es ist eine alte Geschichte. Doch bleibt sie immer neu. Gefesselt durch die anziehende Schilderung, die wunder ­ bare Sprache, folgen wir dem Gange der Handlung und legen in hohem Grade befriedigt das Büchlein aus den Händen, nachdem wir es mit gesteigerter Auf ­ merksamkeit durchlesen haben, um uns ja keine seiner Schönheiten entgehen zu lassen. — Es dürfte von Interesse für die Leser unserer Zeitschrift sein, einiges Nähere auch aus dem äußeren Leben des Dichters zu erfahren. Wir folgen dabei einer früheren Mit-