204 halte Gelegenheit damals das Wort zu ergreifen. .Vielleicht so ausführlich als bislang noch nirgends geschehen, habe ich aber mich, in meinem Nachtrags- Bande zu Vilmars Idiotikon, unter der Aufstellung „Bilstein" zur Sache geäußert. Noch allerdings möchte ich endgültig nicht schon mich schlüßig machen. Wem mein Idiotikon zugänglich ist, den lade ich freundlich zum Nachlesen ein. Hier will ich doch folgendes erwähnen — In Niederhessen gibt es nahezu unzählige Bilsteine, schier in jeder Gemarkung; oder gab solche. In der Flur von Zwehren z. B. heißt eine Wiese „am Bil ­ steine", wo doch nichts derlei vorhanden ist. Einige Dutzende habe ich im Idiotikon genannt. — Grimm's Bezeichnung auf jenes: den Hirsch zu Beile stellen, ist anfechtbar; nicht sprachlich, wol aber begrifflich. Freilich gab es außer dem Zeitworte: Kelle ball gebollen (wie noch Göthe cs abwandelt), auch ein starkformiges beile bil gebilen - gleiches Sinnes; die ganz gewöhnliche waidmännische Vor- komnis eines Abfangens gestellter Hirsche und des Halalis ereignet sich jedoch wol überall, und nicht gerade immer an einem Steine. Doch will ich dem Urteile deutscher Jäger und Förster gerne Raum laßen. Die in jüngerer Sprache verworrenen Hauptwörter Bili Billi (Schwert) und Bihal (Beil) haben ursprünglich nichts mit einander zu tun. Im fuldischen Hilde ­ brandsliede heißt es: breoton mih sinn Billiü — spalten mich suo gladio. Mit diesem Worte ist möglicher Weise Bill (Recht, Gesetz) verwandt: ähnlich wie unser „weihen" zugleich „kämpfen" bedeutete. Schwertes Zunge spricht Recht — ist alte Wendung. — Ein „Bil« als gottheitliche Benennung kann nur in keltosüchtiger Auffaßung leben. Der gallische „Bel" ist ja, strenge nach dem Gesetze der Lautverschiebung, unser deutscher „Phol". Diß betonte damals zu Kassel besonders auch Herr Dr. Rieger aus Darmstadt. Wir sitzen bei der Erwägung der Frage, nach wie vor, also feste, da tatsächlich mehrere Ausdeutungen doch möglich sind. Die oberhessischen Formen ver ­ wehren die Annahme eines echten mhd. i; nur unechte Dehnung möchte heute in Niederhessen Vorligen. Daß auch der Orts-Name Beilstein erscheint, ist gerade so mißverständlich, als Leute etwa Gerwein, Traut ­ wein heißen, durch Verwechselung von Win (anriet) mit kurzem i, und Win (Wein) mit langem i. — Zumeist geneige ich zu der Vermutung, daß die Bilsteine teils Gemarkungs-Grenzen, teils Gerichts- Stätten bezeichneten; ohne jedoch mich irgendwie vor ­ schnell binden zu wollen. Der Ausdruck selbst ist so überwigend chattisch, daß des Namens Auftreten anderwärts kaum in Be ­ tracht körnt; z B. in Österreich. Auch braucht er da nicht immer dasselbe zu meinen. Kermann v. Nstster. — Eine Meldung in dem dreißigjährigen Krieg im Jahre 1621. Dem Hochwürdigen Durchlauchtigen und Hochgeborenen Fürsten und Herrn! Herrn Moritz Landgraf zu Hessen, Herrn zu Catzenellenbogen, Dietz, Ziegenhain und Nidda: unserm genädigen Fürsten und Herrn! cito! cito! cito ! cito! cito! cito! citissime! Durchlauchtiger, Hochgeborner, genädigen Fürst und Herr! Diese Nacht um drei Uhr haben S. F. G. der Herzog von Braunschweig uns Ew. f. G. Hand ­ schreiben de dato Korbach zugeschickt, verlesen und dabei anmelden lassen: daß S. f. G. auf E. f. G. Begehren nicht alleine noch Morgen Donnerstags in dieser Grafschaft Quartieren: sondern auch E. f. G. ahn welches Ört's und auf welchen Tages derselben gelegen; gern sprechen und zu E. f. G. kommen. Auch Freitages nach derselben Nacht wendt (gegen) Meiners marschieren wollen, wie E. f. G. aus unsern ahn dieselben umb 11 Uhr abgegangenen Schreiben mit Mehreren genädig wird verstanden haben; und weil wir alle Stunde auf Resolution wegen unseres abgegangenen Schreibens gewartet; als haben S. f. G. mit Ausgebung der morgenden Quartiere: bis in dieser Stunde wir unterthänig aufgehalten. Weil aber keine Antwort kommen, welche Quartiere E. f. G. gelegen sein möchten: als haben S. F. G. der Hertzog die Quartiere selber genommen und werden derowcgen Morgen Donnerstags das Rendez-Vous: bei Strotzen um 8 Uhr auf dem Felde halten und darauf S. F. G. selbsten mit zween Compagnien: nach Twiste und die andern; nach Mühlhausen, Helm ­ stedt , Braunsen, Elleringhausen, Rieder-Waroldern, Deringhausen, Oberen-Waroldern; daselbsten der Oberstlieutenant logiren wird: marschiren und daselbst benachten, welches E. f. G. wir zur Nachrichtigung aufs schleunigst unterthänig nicht verhallen sollen: Resolution auf Twiste unterthänig erwarten. Nachts um 4 Uhr den 15. November 1521. O Malsburg'sches Siegel. Otto von der Malsburg. O Pappenheim'sches Siegel. Friedrich Georg von Pappenheim. Anm. S. f. G. der Herzog feint begierig E. F. G. ahnzusprechen und wollen zu Twiste auf Resolution warten und zu demselben kommen: wohin sie E. f. G. fordern werden. — Landgraf Moritz von Hessen, stand damals an der Spitze von 20,000 Mann im Lager bei Kirchhain und hatte erst kurz zuvor die Grafschaft Waldeck mit seinen Truppen besetzt, um einen Einfall des 25,000 Mann starken spanischen Heeres unter Gonzalo Fernando de Cordeba, welches sich in der Pfalz und am linken Rheinufer befand, nach Hessen zu verhindern. Herzog Christian von Braunschweig, welcher in einem geheimen Einverständniß mit dem