196 Ich vermied es zu antworten und sprach über Homer, und immer wieder von Homer, so daß Paskal schließlich glauben mußte, daß ich nichts anderes kenne; dann brachte ich die Sprache auf einen gewissen da Luca, den ich sehr lobte, und so ließ man mich endlich in Ruhe. Im Frühling 1799 verließ Tischbein Neapel in Gesellschaft der beiden Brüder Hackert und ging zu ­ nächst nach Kassel. Ein Versuch in Hamburg eine Zeichenschule zu gründen hatte keinen Erfolg. Endlich im Jahre 1808 bot ihm der Herzog Peter von Oldenburg eine sichere Existenz in Eutin an, und hier konnte der alternde aber schasfenskräftige Künstler in aller Ruhe und Muße ausführen, was seiner Seele vorschwebte. Es enstand eine Reihe von reizenden Aquarell ­ bildern idyllischen Inhalts, wie sie schon die Seele des Jünglings erfüllt hatten. Von seinen Zeitgenossen wurden sie mit Be ­ geisterung aufgenommen, wie denn überhaupt die damalige weicher gestimmte Zeit den Tisch- bein'schen Schöpfungen weit mehr als die Nach ­ welt entgegenkam. Man nannte den Meister den „Dichter mit der Palette" und die Rühr ­ seligkeit der romantischen Zeit äußerte sich in übertriebener Begeisterung von seinen Werken. Selbst Männer wie Göthe und Wieland blieben darin nicht zurück, aber selbst die rühmenden Urtheile des Erstern über die Leistungen seiner Zeitgenossen Tischbein und Hackert, haben vor der Kritik der Gegenwart nicht bestehen können. Göthe begleitete die Jdyllenbilder mit Versen die den Genius des großen Dichters nicht immer auf seiner Höhe zeigen. Eines der Bildchen be ­ singt er mit den Worten: „Glücklicher Künstler, in himmlischer Luft „Bewegen sich die schönen Weiber; „Versteht er sich doch auf Rosendust „Und appetitliche Leiber." Im Jahre 1829 starb der Künstler in Eutin, 78 Jahre alt. Der kunstsinnige Fürst, welcher ihn dahin berufen, hatte den Lebensabend des greisen Malers zu einem glücklichen und sorgen ­ freien gestaltet. Die Thätigkeit Tischbeins war eine ganz außerordentliche und ist nur zu erklären durch die geradezu wunderbare Schnelligkeit mit der er arbeitete. Die gewaltige reformatorische Bewegung, auf dem Gebiete der bildenden Kunst im ersten Dezennium dieses Jahrhunderts, welche mit dem Eklekticismus und mit dem akademischen Formel ­ kram brach und auf die Herrlichkeit der altdeutschen Meister hinwies, hat Tischbein mit anbahnen helfen. Er wies in seiner Lehrtätigkeit wieder energisch auf das Studium der Natur und der alten Meister hin und seine vielseitige Bildung arbeitete der neuen Schule wirksam vor, welche in Carstens; Overbeck und Cornelius ihre ausge ­ zeichnetsten Repräsentanten fand. Als Letzter der Gruppe, den wir in diese Be ­ sprechung ziehen müssen, sei nun noch Joh. Friedrich August erwähnt, der im Jahre 1812 in Heidelberg 62 Jahre alt starb. Als Maler hatte er sich ganz und gar der französischen Schule angeschlossen und that es den besten Künstlern von Frankreich an Grazie der Auffassung nnd an bezauberndem Kolorit gleich. Seine Vorbil ­ dung hatte er seinem Onkel, Joh. Heinrich dem Aeltern, zu danken, ebenso wie seine Begeisterung für französische Kunst, so namentlich für den liebenswürdigen Grenze, dessen Bilder heute nahezu unbezahlbar sind, für Frau Vigoe-Lebrün, die berühmte Portrait-Malerin, und Angelika Kauffman. — Obgleich längere Zeit in dem Atelier von David studirend, verstand er es doch ganz seinen eigenen Weg zu gehen und sich den weichen und lieblichen Zug zu wahren, der seinen Bildnissen einen hinreißenden Zauber verlieh. David bestand vor Allem auf strenge Zeichnung und auf Studium der Anatomie, die freilich, wie der geistreiche Künstler behauptete, schwer zu erlernen, aber noch schwerer zu vergessen sei. Die Schöpfungen dieses großen Künst ­ lers bekunden eine Wandlung des Urtheils, wie sie schroffer nicht gedacht werden kann. Zur Zeit ihrer Enstehung in den Himmel gehoben, werden sie heute mit wenigen Ausnahmen kaum noch be ­ achtet, während die lieblichen Bilder Tischbeins den Beschauer immer aufs Neue erfreuen. Nach langem Aufenthalt in Italien wurde Tischbein vom Fürsten von Waldeck zum Hofmaler und Rath ernannt, blieb indessen wegen der langen Ab ­ wesenheit des Fürsten nur kurze Zeit und ging zu seiner Familie nach Holland. Einige Jahre später beschäftigte ihn der Herzog von Anhalt- Dessau und endlich im Jahre 1800 ernannte ihn der Kurfürst von Sachsen, Friedrich August III., von dem Napoleon später sagte, „das ist der ehr ­ lichste Mann der jemals ein Königsscepter ge ­ halten" zum Professor und Direktor der Kunst ­ schule in Leipzig. Ueberblicken wir schließlich die Kunstthätigkeit der hervorragenden Träger des Namens Tisch ­ bein, bedenken wir, daß sie in einer, dem künst ­ lerischen Schaffen nichts weniger als günstigen Zeit lebten und nur durch angestrengten Fleiß und nie erlahmende Energie zu Ruf und Ansehen gelangten, halten wir vor Allem fest, daß sie der Mode und dem Zeitgeschmack in der Malerei huldigen mußten, so ist ihnen eine ehrenvolle, wenn auch nicht hervorragende Stelle in der Kunstgeschichte sicher. Vor den Leistungen der modernen Malerei mit der mächtigen Entwickelung ihrer Technik müssen die Meister jener Epoche zurücktreten und so hoch