173 Anwesenden mit kleineren Mauerresten vorgezeigt wurden,) lasse darauf schließen, daß es ein Sanunel- grab gewesen sei und würden sich bei weiterer Aus ­ grabung noch eine größere Anzahl solcher Lagen auf ­ finden lassen, nach der geringen Anzahl von Kohlenresten sei anzunehmen, daß sich die Brandstelle außerhalb des Grabes befunden habe. Nachdem die Anwesenden Herrn Dr. Pinder den Dank für seine Bemühungen ausgesprochen hatten, wurde die Fahrt durch die schöne, namentlich an prächtigen Aussichtspunkten reiche Gegend nach der alten Stadt Immen hausen angetreten, in welcher Kaiser Heinrich II. in Jahre 1015 das Pfingstfest gefeiert hat, von deren altem Glanze aber nur noch geringe Spuren sichtbar sind. Es galt hier haupt ­ sächlich der Besichtigung der Kirche, bei welcher der dermalige Pfarrer, Herr Vilmar, in freundlichster Weise die Führung übernommen hatte. Diese Kirche, welche bereits im Jahre 1385 und dann im dreißig ­ jährigen Krieg im Innern verwüstet wurde, ist be ­ sonders dadurch bekannt geworden, daß nachgewiesener ­ maßen in ihr zuerst in Hessen die Lehre Luthers gepredigt wurde. Wie nach einem Aufsatze A. S. B. Vilmars im B. II 17. S. der Zeitschrift des Vereins für- hessische Geschichte und Landeskunde anzunehmen ist, war dies der aus dem Dorfe Miest bei Gardelegen gebürtige Bartholomäus Rieseberg. Der Rath der Stadt hatte ihn zum Prediger berufen, der päpstliche Prädikant ihn aber in den Bann gethan, worauf Landgraf Philipp der Großmüthige, welcher die neue Lehre noch nicht angenommen hatte, am 12. Juni 1523 ihn festnehmen und in Grebenstein in einen Thurm legen ließ, aus welchem er aber schon nach einigen Wochen mit Hilfe einer Frau entwich. Von den wenigen aus alten Zeit herrührenden, im Innern der Kirche befindlich gewesenen Gegenständen, ist am bemerkenswerthesten ein hoher, jetzt im Pfarrgarten befindlicher Taufstein aus Sandstein mit der Jahres ­ zahl 1497, in dessen Rand Christus und die zwölf Apostel mit ihren Emblemen eingehauen sind. A. L. Auf der Ebern bürg wurde am 22. Mai der Grundstein des H u t t e n - S i ck i n g e n - D e n k m a l s gelegt. Das von Cauer entworfene Doppelstandbild wird auf der östlichen Plattform des Ebernburgberges aufgestellt werden und weit im Nahe- und Alsenz- thale sichtbar sein. Gerade gegenüber auf dem Niederwald, allerdings durch Bergzüge verdeckt, thront die Germania. Die Feier vollzog sich in programm ­ mäßiger Weise; die Festrede hielt Professor von Gneist, der bemüht war, die Gegensätze, welche zur Zeit Huttens im Reiche herrschten, Gegensätze, aus denen heraus Hutten ja selbst geworden war, durch einen versöhnenden nationalen Gedanken zu überbrücken. Anwesend waren Vertreter der bayerisch und preuß ­ ischen Behörden und zahlreiche Gäste aus Nah und Fern, darunter auch ein Nachkomme Sickingens, Graf Reccum, und ein Abkömmling deren von Hutten, Graf Bogdan Hutten-Czapski der (irren wir nicht) Offizier des in Kassel liegenden Husaren-Regiments' ist. Der eigentlichen Feier schloß sich ein Festessen in den Räumen der Ebernburg — die Ruine ist von einem Kreuznacher Bürger wieder lpohnlich ein ­ gerichtet — an, das in jeder Beziehung die Theil- nehmer befriedigte. S. Kurfürst Friedrich Wilhelm u n d Op ­ tik u s Gustav R u P p r e ch t. Kürzlich starb in Kassel im 88. Lebensjahre der Optikus und Mecha- nikus Gustav R u p p r e ch t, der durch seine vor ­ trefflich geschliffenen Gläser und optischen Instrumente einen weit über unser engeres Vaterland hinaus ­ gehenden Ruf genoß. Interessant ist eine Begegnung desselben mit dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm, die für beide, den Fürsten wie den einfachen schlichten Bürger, von charakteristischer Bedeutung ist. Wir schicken voraus, daß Gustav Rupprecht von zwerg- hafter, verwachsener Gestalt war, bei seinem einfachen Sinn sich um die konventionellen Formen der Welt, auch den Höchsten gegenüber, gar nicht kümmerte und darin seinen Ehrgeiz, wenn überhaupt jemals von einem solchen bei dem schlichten Mann die Rede sein konnte, suchte, ein ebenso tüchtiger Fachmann, wie wackerer Bürger zu sein Und nun zur Sache selbst: Der Kurfürst hatte in den 50. Jahren einen sog. Opern ­ gucker zu dem theuern Preise von acht Louisdor in Berlin gekauft. Zu seinem Schaden sollte er bei seiner Rückkunft nach Kassel entdecken, daß die Gläser . des Instrumentes seinen Augen nicht passend waren. > Der Kurfürst klagte darüber bei einem seiner Hof ­ diener und dieser machte ihn auf den Optikus Rupprecht in Kassel aufmerksam, der dem Uebelstande leicht abhelfen könne. Der Kurfürst ließ denselben rufen und dieser erschien dann auch sofort. Da soll sich dann ein Zwiegespräch entwickelt haben, das wir so wiedergeben, wie wir es früher schon gehört und neuer ­ dings von unterrichteter Seite bestätigt erhalten haben. Rupprecht beim Eintreten in das Wohnzimmer des Kurfürsten: „Guten Tag, Herr Kurfürst!“ Der Kurfü rst: „Guten Tag, Herr Rupprecht! Ich habe in Berlin diesen Operngucker für acht Louis ­ dor gekauft, kann ihn aber nicht brauchen, denn ich sehe nichts daraus." Rupprecht, den Operngucker untersuchend, er ­ klärt : Herr Kurfürst, der Operngucker ist recht schön, nur die Gläser taugen nichts, das ist Fenster ­ glas. Warum nehmen Sie nicht die von mir ge ­ schliffenen Gläser, die ich für ihre Augen passend mache, die kann ich Ihnen mit gutem Gewissen em ­ pfehlen „Herr Kurfürst", und Ihre Augen werden nicht darunter leiden." Der Kurfürst. Ja, das will ich auch thun. Aber wollen Sie mir in diesen Berliner Operngucker nicht andere Gläser einsetzend