166 Marl Herquet Nekrolog. Non F. Iw eng er- (Fortsetzung.) Die schriftstellerische Thätigkeit Karl Herquet's war eine sehr fruchtbare. Trotz seiner von Jugend an angegriffenen Gesundheit arbeitete er mit eisernem Fleiße. Keine literarische Erscheinung, die nur irgend ­ wie mit seinem Fache in Verbindung stand, ging unbemerkt an ihm vorüber. Er wußte derselben eine neue Seite abzugewinnen und verarbeitete sie in seiner gestaltungsvollen Weise, daher denn auch der Reiz der Mannigfaltigkeit in seinen Schriften und Abhand ­ lungen. Im Nachstehenden wollen wir wenigstens seiner Hauptschriften Erwähnung thun; alle seine Schriften und Abhandlungen, welche letzteren er meist in Zeitschriften veröffentlichte, aufzuführen, liegt außer unserem Vermögen. Im Jahre 1870 erschien sein erstes größeres historisches Werk: „Charlotta von Lusignan und Caterina Cornaro, Königinnen von CYpern" (Regensburg bei Pustet). Die Ge ­ schichte der cyprischen Königsfamilie Lusignan scheint ein Lieblingsstudium Karl Herquet's gewesen zu sein, denn noch einmal kam er darauf zurück in seiner Schrift: „Cyprische Königsgestalten des Hauses Lusignan/ welche 1881 zu Halle im Verlage der Buchhandlung des Waisenhauses erschien. Wie bereits in unserem vorigen Artikel bemerkt, war Karl Herquer im Jahre 1869 mit der Bearbeituug des städtischen Archivs zu Mühlhausen in Thüringen, der ehemals freien Reichsstadt, betraut worden. Er war in dieser Stellung thätig vorn 1. November 1869 bis Ende Januar 1873, mit Ausnahme der Zeit vom 15. August 1.-70 bis 15 März 1871, in welcher er als Subdelegirter des Johanniterordens in Frankfurt a/M. beschäftigt war. Im Frühjahre 1872 erhielt er einen zweimonatlichen Urlaub, den er zu einer Reise nach Spanien benutzte. Prächtige Schilderungen spanischen Lebens verdanken wir seinem dortigen Aufenthalte, die er zumeist in Zeitschriften veröffentlichte. In Mühlhausen entstand das bereits in der vorigen Nummer unserer Zeitschrift erwähnte „Urkundcubuch der ehemals freien Reichsstadt Mühlhausen/ (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen, Band III) Diesem Werke, sowie der erfolgreichen Thätigkeit Karl Herquet's in Mühlhausen, namentlich auch dessen Er ­ forschung der Urkunden des Klosters Annrode sprach der Direktor der preußischen Staatsarchive Dr. Duucker in einem uns vorliegenden Briefe die vollste Aner ­ kennung aus. Unterhandlungen mit dem herzoglich auhaltischen Ministerium wegen Anstellung bei dem Archive in Zerbst zerschlugen sich, da mittlerweile Karl Herquet seitens der preußischen Staatsregierung die Stelle als Archivsecretür des Staatsarchivs in Idstein angetragen worden war. Er nahm diese Stelle an und trat damit in den preußischen Archivdienst. In Idstein wirkte er vom 1. Februar 1873 bis Ende September 1874, zeitweilig versah derselbe auch während einer eingetretenen Vakanz die Funktionen des Archiv ­ vorstandes. Ueber seine dortige Thätigkeit liegt uns das ehrenvolle Zeugniß des dortigen Archivvorstandes vom 20. August 1875 vor. Daselbst heißt es u. a.: Entsprechend dem Bedürfniß des Jdsteiner Archivs war Dr. Karl Herquet vorzugsweise mit der Ordnung und Repertorisirung von Urkunden beschäftigt und hat durch seine tüchtige technische Durchbildung und Er ­ fahrung auf den hierher einschlagenden Gebieten der Wissenschaft, sowie auch durch seine große Sicherheit in der Lesung und in dem Verständniß mittelalterlicher Urkunden und die durch eigene Publikationen erworbene Vertrautheit mit denselben dem Archive wesentlich ge ­ nützt. Abgesehen von einigen kleineren Arbeiten hat er namentlich ein gutes Repertorium über die Original ­ urkunden der Abtei Eberbach im Rheingau (2216 Nummern) verfaßt, außerdem ein ausführliches Pro- memoria über die Herausgabe eines Codex Diplo ­ matien» Nassoicus ausgearbeitet, dessen Grundsätze auch die Genehmigung des Direktoriums der Staats ­ archive erhalten haben. In Idstein gab er auch die „Regesten des grüfl. Solms-Rödelheim'schen Archivs zu Assenheim (in Band XIII der Annalen des nassauischen Ge ­ schichtsvereins) sowie die Monographie „Kr ist an von Mühlhausen, Bischof von Samland 1 276 — 1 295), Halle 1874, heraus. Von Idstein wurde Karl Herquet nach Königsberg in Preußen und vom 1. Februar 1876 wurde er von da nach Breslau versetzt. Am 1. April 1878 wurde Karl Herquet die kom ­ misarische Verwaltung in Aurich übertragen und am 1. Juli desselben Jahres wurde er zum Vorsteher dieses Archivs mit dem Titel „Staatsarchivar" ernannt. Rührend ist, daß bei der Wahl der ostfriesischen Stadt Aurich höheren Ortes in Betracht gezogen worden war, daß dieser Ort ein weiches Seeklima hat und daher günstig für Brustleidende ist, denn mit Brust ­ leiden war Karl Herquet schon von Jugend an be ­ haftet. Man sieht hieraus, daß derselbe sich bei seinen Vorgesetzten, namentlich bei dem Direktor der preußi ­ schen Staatsarchive Dr. Heinrich von Sybel, seinem ehemaligen Lehrer in Marburg uub München, eines ganz besonderen Wohlwollens erfreute. (Schluß folgt.)