163 / des Gipfels keinen Platz dazu übrig ließ und der zeitweise eintretende Wassermangel auf der Höhe — einige spärliche Quellen unterhalb der Kuppe verstechten im Sommer — namentlich keine Viehhaltung daselbst zuließ. So entstanden ohne Zweifel am westlichen Fuße des Berges bald einige Wirthschaftshöfe. Das zur Besorgung dieser ökonomischen Wirthschaften dienende Gesinde bildete daher wahrscheinlich die erste Bewohner ­ schaft dieser ersten Niederlassung. Es mögen sich dann unter dem Schutze der nahen Burg nach und nach Handwerker und Krämer angesiedelt haben, auch schlugen in dem so entstandenen Orte, der schon 1229 Thal-Niedenstein genannt wird, einzelne der Burgbesitzer selbst oder deren Familien- Angehörige ihren Wohnsitz auf. Die schon erwähnten v. Heß'schen Familien- Nachrichten melden: „Daß das stettlein zu Nyedenstein damahlen (um 1170) noch nit erbawet geweßen, sondiern erst speterhin von denen leutten, so zur burgk gehörig, nach und nach unttern bnrgkberg ahn ­ gerichtet worbten." — Es heißt dann weiter: „Anno 1229 hat Hugo Hesso d. jünger, Lent- sridi söhn, von Theodorico v. Gassenhausen dessen Kemnoden auffn Nyedenstein sambt ein hoff zu thal-Nyedenstein lind zubehoernng umb 70 Mark erkansfet." Darauf findet sich die spätere Nachricht: „ Anno 1236 aufs St. Johannis abendt schlüge der Blitz in Heimeradi Wackermulen kemnoden anffn Nyedenstein undt verdürbe solche biß auffs gemäur, thät auch denen andteren gancrben schabten. Darvon Heimeradus schreckcns ver ­ storben undt sein Burgkseß auf die v. Elben kommen alß ein erbe." In der That erscheint etliche Jahre später der damals mächtige Ritter Conrad v. Elben urkundlich als Mitbesitzer der Burg, denn er stellt 1254 eine Urkunde in Niedenstein (Nyhenstein) in Castro nostro — in stupa nostra“ aus. Sein Einfluß wurde aber auch für das „ThalNiedenstein", dessen Entwickelung lind politische Zukunft von ent ­ scheidender Bedeutung, denn wir finden in obigen Nachrichten weiter: „Anno 1254 ist zur Vastnacht zu Thal Nyden ­ stein ein groß fewer ahngangen, hat die höff allda meist verderbet, darauff man solche new aufigebawet undt ist auf ahnstifften Conradi v. Elben von Grafs Gottfrido von Reichenbach, so domahlen ein stadthaldter in Hessenlandt geweßen, ein stettlein darauß gemachet, auch ahnfenglich mit ein pfahlziegelwerck sambt schantz- graben ümbfangen. Obwohlen die andtern ganerben zur burgk Nydenstein übell darmit zuffrieden geweßen, hat es doch nichtß geholffen undt sind selbige mit etzlichen güthern undt zinßen zu Gudensberg undt Venndten abge- speyßet worbten." — Damit war die Erhebung des Dorfes Thal- Niedenstein zur Stadt und ihre Zuwendung an die Landgrafschaft Hessen bewerkstelligt und man darf annehmen, daß dies noch in den fünfziger Jahren des XIII. Jahrhunderts geschah. Im Jahre 1266 hatte Niedenstein bereits einen landgräflichen Stadtschultheißen, denn in einer snb ckato Nydenstein in die Tiburtii et Va- leriani über Güter zu Wagenhausen ausgestellten Urkunde wird als solcher Engelbertus genannt und als Rathsherren kommen H. v. Gran und C. v. Besse vor. Theodoricus, Pfarrer zu Wichdorf, erscheint dabei als Zeuge. Die Besitzer der Burg hatten aufgehört, Herren des Ortes zu sein und waren fortan, insofern sie Häuser und Höfe in der nunmehrigen Stadt besaßen, Bürger derselben geworden. Noch blieb zwar die neue Stadt in kirchlichen Dingen vom Mutterorte Wichdorf abhängig, denn sie blieb noch lange Filial der Mutterkirche daselbst, aber die Erwerbung des Stadtrechts, worüber leider keine Urkunde auf uns gekommen ist, verlieh der zur civitas erhobenen Tochter bald den politischen Vorrang über die Mutter- gemeinde und sie wurde fortan thatsächlich der Vorort dieser Mark. (Fortsetzung folgt.) )u Ualerfamilie Wschbein. Von Louis Nntzenstein. n der Geschichte der Malerei einzig dastehend ist es, daß nicht weniger als vierzehn Maler dieses Namens aus einem bescheidenen Hause hervorgingen und daß Alle mehr oder weniger zu Ruf und Ansehen in ihrer Kunst kamen. Der Ahnherr dieser Künstlerfamilie, Johann Heinrich Tischbein, geb. in Marburg 1682, war Hospitalsbäcker in Haina, wo er im Jahre 1764 starb. Bei seinem prosaischen Gewerbe muß er ein Mann von einer, für die damalige Zeit nicht