162 Anträge zur Geschichte des Ktäötchens Webenstein und der Uamilie Keß v. Wichdorff. Herausgegeben von Ernst Wolfgang Hetz v. Wichdorff. (Fortsetzung.) ->czr> III. Die Stadt Niedenstein. I. Lage. Die Stadt liegt am westlichen Fuße des Niedensteiner Burgbergs auf einer sich sanft bis an die Wiehof herabziehenden Vorstufe desselben, die dann steil in den Rinnsal des Baches abfällt, so daß die Stadt durch diesen steilen Uferabhang gegen die Westseite eines natürlichen Schutzes genoß. Einen gleichen Vortheil bot ihr der nörd ­ liche Abhang der natürlichen Terrasse, auf welcher sie erbaut ist und die Südseite der Stadt ist durch eine ziemlich tief eingeschnittene schmale Bodenfalte, welche das vorliegende Terrain ab ­ schneidet und einen natürlichen Graben bildet, ebenfalls geschützt. Auf der Ostseite steigt die Stadt allmählig gegen den Burgberg hinan, der sich unmittelbar vor dem an dieser Seite liegenden Oberthore steiler erhebt und in einer 1518' hohen Basaltspitze gipfelt. Der so begrenzte Stadtrauin ist ziemlich be ­ engt, selbst für ihre bescheidene Größe sehr be ­ schränkt; die Straßen sind abhängig und schmal und man sieht allenthalben, daß man der von der Oertlichkeit gebotenen Sparsamkeit der räum ­ lichen Benutzung des gebotenen Terrains schon von Anfang an hat Rechnung tragen müssen. Die Umgebung der Stadt bietet viele land ­ schaftliche Reize. Zwar ist der Niedensteiner Burgberg, der früher um den Gipfel her mit einem dichten Bnrghaine bewachsen war, schon seit langer Zeit völlig abgeholzt und entbehrt so seines ehemaligen Waldschmuckes, aber seine Rasen ­ decke verleiht ihm doch wohlthuende Farbentöne (neuerdings hat man übrigens damit begonnen, den Berg stellenweise mit jungem Fichteubestand wieder aufzuforsten) und sein kühn emporstrebender Basaltgipfel verleiht ihm eine imposante Krönung. Nordöstlich der Stadt erhebt sich ein anderer schroff aufsteigender Basaltkcgel, welcher aber noch Alle Rechte vorbehalten. bewaldet ist, der Sengelberg, und an diesen reiht sich dahinter nach Norden wie ein Zwillingsbruder ein gleichfalls noch bewaldeter Basaltpik, der Steinbcrg, hinter welchem nordöstlich aus waldigem Thäte die Wiehoft hervorkommt. Nach Nordwesteu ragt der Reichenbachswald, welcher die Stätte der Altenburg trügt, und davon südwestlich der hohe Einßerberg empor, während sich durch das nach Süden geöffnete Thal die Aussicht nach der Ebene von Gudensberg mit ihren vereinzelten Basalt ­ gipfeln, dem Wartberg, Nacken- und Leuchtenberge erschließt. Aber wahrhaft großartig ist die Aus ­ sicht von der Kuppe des Niedensteiner Burgberges, denn sie beherrscht nicht nur das nächst umliegende Berg- und Thalgelände, sondern sie erstreckt sich weit über die ganze nach Nord und West gelegene Bergregion und man sieht von da die Riesenburg init dem Herkules bei Wilhelmshöhe, den Hasuuger Berg mit seiner Thurmruine, den Weidelberg mit seinen Burgtrümmern und die hinterliegenden Waldeck'schen Gebirge. Nach Süden hin schweift das Auge über die Ebene von Gudensberg bis zu den fernen Höhen des Knüllgebirges und selbst bis zum Vogelsberge. 2. Entstehung der Stadt. Die ersten Anfänge fallen ohne Zweifel noch in die letzte Hälfte des XII. Jahrhunderts, wohl schon in die ersten Jahrzehnte nach Erbauung der Burg Niedenstein. Die Besitzer derselben unterhielten, wenn sie auch selbst nicht alle ihren Wohnsitz auf derselben hatten, sondern zum Theil auf anderen Burgen hausten, ihre Vögte und Burglcnte darauf. Die Bedürfnisse der Burg- bewohner machten gewiß schon früh etwas Land- wirthschaft und die Errichtung dazu erforderlicher Gebäulichkeiten unterhalb der Burg nöthig, da die hohe Lage und schwierige Zugänglichkeit der ­ selben einem landwirthschaftlichen Betriebe da oben hinderlich war, auch die beschränkte Räumlichkeit