159 Lebenszeit durch ein schweres Leiden sehr getrübt war, bei Allen, die ihm im Leben näher getreten sind, ein bleibendes, ihn ehrendes Andenken. K. Am 9. d. M. starb zu Wiesbaden der General ­ lieutenant z. D. Albrecht Friedrich von Barde ­ leben, im 85. Lebensjahre. Er war der älteste von ben Offizieren der ehemaligen kurhessischen Armee. Als Kommandeur der kurhessischen Kawalleriebrigade, welche Stelle er von 1853 bis 1866 bekleidete, hat er sich das Verdienst erworben, die Ausbildung der hessischen Kawallerie auf jene Stufe zu bringen, durch welche sie sich so Vortheilhaft auszeichnete, und die ihr die allgemeine Anerkennung militärischer Fachmänner ge ­ sichert hat. Wir hoffen in der Lage zu sein, in der nächsten Nummer unserer Zeitschrift Näheres aus dem Leben dieses ausgezeichneten Offiziers mittheilen zu können. Am 13. d. M. verschied dahier nach langem schweren Leiden der Hauptmann im 4. Garde-Regiment zu Fuß, Max von L'Estocq. Seit 1883 Platzmajor von Kassel, war derselbe ein sehr eifriges Mitglied des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, in welchem er wiederholt Vorträge hielt. Er galt für eine Autorität auf dem Gebiete der Heraldik, und zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des genannten Vereins im Jahre 1884 gab er das treffliche Werk: ^Hessische Landes- und Städte-Wappen" (Kassel bei Freyschmidt) heraus, das eine sehr günstige Aufnahme fand. — Der Nummer 9 unserer Zeitschrift war der Prospekt des kürzlich in der N.G. Elwert'schen Universitäts-Buch ­ handlung zu Marburg erschienenen Werkes „Hessische Holzbauten/ herausgegeben von L.B ick ell beigefügt; der heutigen Nummer ist der Prospekt des im gleichen Verlage erschienenen Werkes: „St eitere Silb er ­ arbeiten in den Königlichen Sammlungen zu Kassel/ herausgegeben von Dr. Professor C. Alhard von Dracke in Marburg, beigegeben. Auf beide Prachtwerke, auf welche wir noch zurück ­ kommen werden, machen wir die Leser unsrer Zeit ­ schrift ganz besonders aufmerksam. Hessische Kücherschau. Chladni's Leben und Wirken nebst einem chronologischen Verzeichnis seiner literärischen Arbeiten, dargestellt von Dr. Franz Melde, Professor an drr Universität Marburg. Mit einem Bildnisse Chladni's und fünf Figuren im Texte. Zweite Auf ­ lage. Marburg. N. G. Elwert'sche Verlagsbuch ­ handlung 1888. Es ist eine in schöner, flüssiger, auch dem Laien ver ­ ständlicher Sprache geschriebene Schrift, die uns hier vorliegt. Zuerst im Jahre 1867 als Programm gelegentlich einer Marburger Universitäts-Feierlichkeit erschienen, ist jetzt eine zweite Auflage nothwendig geworden, bei welcher sich der Verfasser an der Hand Chladni'scher Schriften bemüht hat, die Darstellung zu erweitern und umzugestalten. Das vielbewegte Leben des weltbekannten Physikers, der sich durch seine epochemachenden Entdeckungen auf dem Gebiete der Lehre des Schalls, durch seine richtigen Ansichten über die F e u e r m e t e o r e unvergänglichen Ruhm erworben hat, bietet hochinteressante Momente. Ernst Florenz Friedrich Chladni war am 30. November 1756 zu Wittenberg geboren. Die Familie stammte aus Ungarn, von woher ein Vorfahre im Jahre 1673 nach Deutschland auswandern mußte. Der Vater, ein gelehrter Jurist in Wittenberg, erzog seinen Sohn sehr strenge. Früh schon trat bei dem jungen Chladni die Neigung für die Naturwissenschaft zu Tage, und diese, verbunden mit Medizin, wollte er auch, nach ­ dem er die Fürstenschule zu Grimma absolvirt hatte, studiren, doch der unbeugsame Sinn seines Vaters hatte es anders beschlossen. Er sollte und mußte sich der Rechtswissenschaft widmen, er schrieb auch in Leipzig zwei Dissertationen und kehrte mit den vorzüglichsten Zeugnissen und dem juristischen Doktor ­ titel nach Wittenberg zurück. Kurz darauf starb sein Vater (am 4. März 1782) und nun trat von neuem seine Neigung zu den Naturwissenschaften unwiderstehlich hervor, er hielt akademische Vorlesungen, und die Aufgabe, als Forscher auf dem Gebiete der letztern etwas Neues zu leisten, hatte er in ihrem ganzen Umfange erfaßt. Er eilte denn auch von Entdeckungen zu Entdeckungen. Eine der wichtigsten und schönsten ist die Entdeckung der Klangfiguren auf ebenen Scheiben, Figuren, die man nach ihrem Entdecker die Chlad ­ ni'scheu Klangfiguren genannt hat. Interessant ist die Art und Weise, in welcher Professor Melde diese Entdeckung darstellt. Er schreibt: „Wie es so oft beim Verfolgen eines Gegenstandes geht: daß nämlich ein Umstand eine plötzliche Idee erregt, welche unmittelbar eine Entdeckung zur Folge hat, so geschah es auch hier. Im Jahre 1771 hatte der Göttinger Professor Lichtenberg gefunden, daß der elektrische Funke, wenn er auf einen Nichtleiter überspringt, eigenthümliche Spuren zurückläßt, die sichtbar gemacht werden können, dadurch, daß man die betreffende Gegend mit einem Pulver (z. B. Harzpulver) bestreut. War der überspringende Funke positiv, so ordnete sich dieses Pulver zu einer strahlenförmigen Figur, war er negativ, so entstanden mehr wolkenförmige Gebilde. Diese eigenthümlichen Figuren, welche den Namen Lichtenberg'sche Figuren erhalten haben, erregten auch die Aufmerksamkeit Chladni's; er machte verschiedene Versuche der Art nach, wobei ihm plötzlich der Gedanke kam, ob sich nicht auf ebenen Scheiben, sobald sie klingen, durch aufge ­