157 scheu Heere gegenüber die alte hessische Tapferkeit und Ausdauer zu beweisen. Die verbündete Armee führte in 3 Colonnen ihren Umgehungsmarsch aus. Zwischen der 2. und 3. Colonne zog die französische Reserve-Artillerie. Als dieselbe nebst der französischen Infanterie-Reserve zurückblieb und dann später wieder nacheilte, schob sie sich zwischen das französische 1. und 2 Treffen, wodurch eine heillose Unordnung entstand. Nur die deutsche Infanterie unter dem Prinzen Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt hatte Ord ­ nung und Richtung bewahrt. Indessen war das preußische Heer abmarschirt und Seidlitz hatte sich mit der Reiterei, völlig unbemerkt vom Feinde, der die Preußen auf dem Rückzüge begriffen glaubte, hinter dem sog. Janus-Hügel so aufgestellt, daß seine Front die Marschrichtung der Verbündeten durchschnitt. Ebenda waren auch die schweren Geschütze aufgestellt. Plötzlich gaben dieselben das wirksamste Feuer ab auf die beiden, 16 und 17 Schwadronen tiefen Colonnen, welche die Spitze bildeten. Gleichzeitig warf sich Seidlitz mit 20 entwickelten Schwadronen auf die dichten feindlichen Reitermassen und faßte sie an der Spitze und in der Flanke. Wenn auch die die Spitze bildenden österreichischen Kürassiere und die Reserve- Kavallerie unter Broglie vorübergehenden Erfolg hatten, so war doch der ganze Kampf bald durch das rasche Eingreifen des preußischen zweiten Treffens entschieden. Auch gegen die Reichsinfanterie richtete ein Theil der preußischen Reiterei seinen Angriff bei der Verfolgung der geschlagenen französischen Regi ­ menter. Dieselben ergossen sich in regelloser Flucht auf die Colonuen der Reichsinfanterie, an deren Spitze sich das kaiserliche Regiment Würzburg und das hessen-darmstädtische Prinz-Georg-Regiment befanden. Während die vier übrigen Regimenter der Reichs ­ infanterie (6 fränkische Bataillone und zwei von Kur-Trier) die Flucht ergriffen, hielten die beiden vorderen Stand. In Folge ihrer vereinzelten Lage konnten sie nicht mehr in den eigentlichen Ent- scheidungskampf eingreifen. Mitten jedoch in der allgemeinen Auflösung traten die Hessen einen geordneten Rückzug an und bildeten die äußerste Nachhut. Oberstlieutenant von Löwen ­ feld, dem an Stelle des Obersten Stutzer das Kom ­ mando übertragen worden war, besetzte das südöstlich von Penstadt gelegene Gehölz; auf dem linken Flügel ließ er die Geschütze auffahren. Hier blieben die Hessen noch längere Zeit stehen, indem sie die feind ­ lichen Angriffe abwiesen. Erst nachdem alle Hoff ­ nung auf einen günstigen Ausgang des Gefechtes ge ­ schwunden war, räumten die Hessen auf den beson ­ deren Befehl des Prinzen Georg von Hessen ihre Stellung. Hierbei ließ derselbe noch mehrere Male gegen den heftig nachdrängenden Feind Front machen und in langsamem Marsche den Rückzug fortsetzen, unter beständigem abwechselnden Feuer der beiden Geschütze. — Wer also von uns jene bekannten Verse: „„ltnfc wenn der große Friedrich kommt Und klopft nur auf die Hosen, So läuft die ganze Reichsarmee, Panduren und Franzosen hört oder liest, der sei sich mit Stolz bewußt, daß die Hessen auch da nicht gelaufen sind. — Laubach in der Wetterau. Dr. August Uoeschen. Aus Heimach und Fremde. Kassel. Die diesjährige Hauptversamm ­ lung des Vereins für hessische Geschichte und Landes ­ kunde wird am 16., 17. und 18. Juli zu H ers f eld abgehalten werden. — Bei dem in der vorigen Nummer dieser Zeitschrift kurz erwähnten, am 30. v. M. in dem „Verein für hessische Geschichte und Landeskunde" von W. Rogge- Ludwig gehaltenen Vortrage hatte sich Redner die Aufgabe gestellt, auf Grund neuer Quellen, namentlich der erst im Jahre 1663 durch Veröffentlichung der Korrespondenz Napoleons I. bekannt gewordenen In ­ struktion, welche dieser dem Marschall Mortier bei Besetzung Kurhessens ertheilt hatte sowie auf Grund bisher unbekannt gebliebener Aufzeichungen von Zeit ­ genossen, frühere Darstellungen des Aufstandes der hessischen Soldaten zu ergänzen bezw. zu berichtigen. In der erwähnten Instruktion hatte Napoleon das gegen das Land einzuhaltende Verfahren in allen Punkten sehr genau vorgeschrieben, und aus seinen später erlassenen Anordnungen ergab sich, daß er, durch be ­ sondere Kundschafter von allen Vorgängen im Lande unterrichtet, mit dem milden Vorgehen, welches der von ihm als Generalgouverneur eingesetzte Divisionsgeneral Lagrange gegen die Aufständischen beobachtet hatte, höchst unzufrieden war und ihn zu den später von diesem ergriffenen strengen Maßregeln veranlaßt hat, wobei es aber anzuerkennen ist, daß Lagrange trotzdem die bestimmten Befehle Napoleons nicht vollständig zur Ausführung gebracht hat. So beruhte zunächst die Anordnung des Generalgouverneurs, welche den nächsten Anlaß zum Aufstand gab, aus den hessischen Soldaten drei französische Bataillone zu bilden, um sie aus ihrem Vaterlande zu entfernen, nicht, wie Piderit angibt, auf dem Rath eines Deutschen, sondern auf dem direkten Befehl Napoleons, welcher diese Truppen für den Dienst des Königs von Neapel bestimmt hatte. Von dem auf Grund der Aufzeichnungen von Zeit ­ genossen neu Vorgebrachten ist insbesondere die nament ­ lich von Lynker in seiner Geschichte dieses Aufstandes nicht erwähnte, von großem Einfluß gewesene Thätig ­ keit des als Retter des kurfürstlichen Schatzes bekannten