102 Mische Uonats-Uamen. Von H. v. f er Einführung des Christentumes sind doch manche Seiten unseres volkstümlichen Lebens recht unnötiger Weise zum Opfer gefallen, wo nur irgendwie Unterstellung heidnischer Be ­ züge hierfür etwaige Handhabe bot. So ward das Runen-Buchstabich von den christlichen Bekehrern, trotz dessen prägischer Schön ­ heit verschmähet. Recht leicht könnten damals die Runen zu allgemeiner Verkehrs-Schrift, nach einem Ausgleiche unerheblicher Verschiedenheit bei manchen Stämmen, weiter entwickelt sein. Doch selbst Wulfila schuf lieber sich schon nach ­ geahmte eigene Zeichen, ehe er die ehrwürdigen Runen belaßen hätte. Später, bei unseren westlichen Stämmen be ­ quemte man vollends stumpsinnig sich zu lateinischer Präge, woraus dann allmählich in Klöstern sich unsere heutige Schrift entwickelte: ein geringer Ersatz für Verlorenes. Auch die Monats-Namen wurden von eng ­ herzigem Eifer vernichtet. Die angeblich von Karl dem Großen herrührende oder veranlaßte Sammlung bietet mit Nichten die altheidnischen Namen dar, die übrigens wiederum nach Stämmen recht abweichend gewesen sein möchten, was noch heutige Mundarten erkennen laßen. Jene Samm ­ lung diente also zweien Gesichts-Punkten: einmal der Tilgung gewisser Anklänge ans Glaubentum der Vorfahren, dann aber auch wünschbarem landschaftlichem Ausgleiche. Ihre Benennungen sind gemachte: nüchtern und ohne frische Fär ­ bung dichterischer Ursprünglichkeit. Schon die er ­ müdende Gleichmäßigkeit der Zusammensetzung mit „Monat" verrät ihre Herkunft. Sei hier eine Aufstellung einfacher deutscher Namen versucht, die altes und neues vermitteln soll; die ebenwohl in unseren Mundarten, und vor allem im Hessenlande, zum Teile wurzelt. Hartung, Hornung, Spörlrel; Ostermond, Mai, Linding; Juli, Auchst, Icheiding; Gilbhart, Nebe ­ lung, Christmond. Die Franzosen hatten nach ihrer großen Stats- Umwälzung ja auch das vaterländische Bedürfnis volkstümlicher Namen gehegt. Sie scheiterten nur, indem sie — dem Götzen der Zehenfaltigkeit huldigend — solche Zehenteilung auch bürger ­ lichem Jahre, entgegen schöpferischer Ordnung, aufzwingen wollten. Männliches Geschlechtes sind nach bekannter Regel alle Monats-Namen. Zu ihrer Er ­ läuterung mögen sie einzeln gemustert werden. — Ms recht chattisch, und daher auch bei nieder ­ rheinischen Chatten einst üblich, bezeichnete I. Grimm den Hartung, Hartmvnd, sowie im Wort ­ spiele zwischen man und mann: Bruder Hart ­ mann. Gemeint mit „Hart" ist hier „Scholle", laut ­ verschoben einstimmig mit polnischem Gruda; nur daß Grudzieng dort für Christmond gilt. Des zweiten Monats deutscher Name: Hornung hat sich wundersamer Weise weiterhin behauptet. Versuchte Ausdeutungen schwanken; man nahm lange Zeit an, es bezöge sich aufs Abwerfen des Gehörnes der Hirsche. „Lenz" — Lenzinmanöt — vielleicht vom länger werden der Tage ursprünglich verstanden, will heute für den rauhen dritten Monat — dessen Herz hart heißt im Spruche — doch nicht mehr passen. Man denkt sich nimmer nun den März doch als Lenz; da unser Gefühl für diesen Ausdruck ein anderes geworden. In Schillers Gedichten vom holden Lenzen werden freilich unterschiedliche Gestaltungen der Jahres Zeiten verworren: er läßt die Erde sich bereits verjüngt haben, während doch erst des Eises Rinde springt! Im nordwestlichen Deutschlande wird der März mundartlich Ipd'rKel genannt. Diß mit um ­ stelltem r — Born: Brunne — von „Sprock", d. i. Windbruch, dürres Rcisich. Anstatt des foppenden Namens April wäre in christlichem Munde wol die würdigste Be ­ zeichnung Ostermond. Dann empföhle sich aber auch endliche Festlegung der Ostern. Daß, ent ­ gegen dem Geburts-Feste unseres Heilandes, dessen Todes-Tag wandelbar blieb — an sich widersinnig — ward übrigens gerade durch die heidnische Feier der Ostara mit veranlaßt. Einige sich gesammte Christenheit dahin, daß erster Donnerstag im Ostermonde doch grüner Donners ­ tag sei. Mai, ein Italern, Germanen, Slawen gemein ­ sames Wort, bedeutet eigentlich nur Laub; wo ­ her noch bei uns die Benennung „Maien" für grüne belaubte Zweige. Auch als persönlicher Eigennamen kömt „Mai" vor und zwar eben häufig in Hessen! Hinwider meint Wonnemond vielmehr Waidcmonat, wo die Stallsütterung aufhörte. Ein rechtes und echtes Kennzeichen des sechsten Monates, bei mitteleuropäischen Völkern ist offen ­ bar die Linden-Blüte. Da im Osten der Baum