98 Von W. Bücking. (Schluß.) An der südlichen Chorwand steht der aus Holz verfertigte, bemalte und mit drei Thürmen ge ­ krönte Celeb rantenstuhl, für die am Hoch ­ altar fungierenden Priester; der mittlere Thurm birgt ein aus dem 14. Jahrhundert stammendes Holzbild der heil. Elisabeth; nebenan steht eine Piszina (Gußstein). In der nördlichen Chorwand ist das zierliche go ­ thische Tabernakel angebracht, umgeben mit Malerei und lateinischen Sprüchen, welche auf das ehemals in diesem Schranke aufbewahrte Sakrament und auf Christi Gegenwart in demselben Bezug nehmen. Die Wände des Chors sind mit Todtenschilden der Ordensritter und mit Komturgrabmalen ge ­ ziert: Georg Daniel von Habel ch 1652, August, Graf zur Lippe ch 1701, Adolf Eitel von Nvrdeck zur Rabenau si 1667 und Philipp Leopold von Neuhos ch 1670. Neben dem Epitaphium des letzteren befand sich weiland in der Wand eine Pergamenttafel hinter Glas, auf welcher folgendes zu lesen war: Anno domini MCCX XXIII coeperunt habi- tare in Marpurg fratres domus theutonice. „Im Jahr des Herrn 1233 fingen an zu wohnen in Marburg die Brüder des deutschen Hauses." Anno domini MCCXXXV positum est fundamentum ecclesie augusto in vigilia as- sumptionis Mariae virginis. „Im Jahr des Herrn 1235 ist gelegt das Fundament dieser Kirche im August tags vor Mariä Himmelfahrt." Anno domini MCCXL obiit Iraker Conradus quondam lantgravius magister ordinis teutoni- corum. „Im Jahr des Herrn 1240 starb Bruder Konrad, weiland Landgraf, Meister des deutschen Ordens." Anno domini MCCLXXXIII calendis maji dedicatum monasterium beate Elisabeth in Marpurg. „Im Jahr des Herrn 1283 am 1. Mai wurde die Kirche der seligen Elisabeth in Marburg geweiht." Anno domini MCCLXXXX calendis maji dedicatum fuit summum altare. „Im Jahr des Herrn 1290 am 1. Mai ist der Hochaltar geweiht." Chor und Kreuzarme sind durchaus mit alten und neuen bunten Glassenstern versehen, welche theils Figuren theils Teppichmuster darstellen. Unter ersteren sind zu bemerken Christus, Johannes, Jakobus, Johannes der Täufer, Bartholomäus, Augustin, Maria. Elisabeth u. a. und einige biblische Darstellungen. Wände und Säulen der Kirche haben einen röthlichen, die Gewölbekappen dagegenjeinen blauen Anstrich bis auf die des Chors, welche mit Pflanzen ­ ranken, wilden Blumen und dem Deutschordens ­ kreuz bemalt bzw. übermalt sind. Durch drei Thüren gelangt man aus dem Chor in die Sakristei. Hier ruht hinter einem eisernen Gitter auf einem Gestelle unter Glas ­ verschluß der Sarg der heil. Elisabeth. Er ist von Eichenholz, rechteckig mit steilem Dache 1,71 Meter lang, 1 Meter hoch, mit vergoldetem Kupferblech überzogen und überall mit Edelsteinen und Perlen besetzt. Die Figuren daran sind von Silber und stark vergoldet. An der vorderen Seite erblickt man Christus in halbsitzender Stellung, seine rechte Hand etwas emporhebend, während er in der linken ein Buch hält, und zu beiden Seiten je drei Apostel. Auf der gegen ­ überstehenden Seite war Christus am Kreuz dargestellt, zu seiner Rechten Maria, zur linken Johannes, über Christus ein schwebender Engel, eine Krone über das Haupt des Erlösers haltend, und zu beiden Seiten je drei Apostel. Den Crucifixus und Engel sammt den kostbarsten Perlen und Edelsteinen entwendeten räuberische Hände, als das Monument in westfälischer Zeit 1812 nach Kassel verbracht worden war, wo es bis 1814 verblieb. Auf der vorderen schmalen Seite befindet sich Maria mit dem Kinde, aus der