87 Rückzug nach der Stadt ab. Hierbei sollen nach den Angaben Bessen's, in seiner Geschichte von Paderborn, 80 Soldaten, 20 Bürger, 30 Bauern und 19 Studenten des Jesuitenkollegiums von den Hessen niedergehauen sein. Doch die Tage unseres Helden waren gezählt und seiner kriegerischen Thätigkeit wurde bald ein Ziel gesetzt. Vielleicht verwöhnt durch die großen Erfolge, die er lediglich seiner Un ­ erschrockenheit verdankte, und vertrauend auf den Schrecken, der seinem Namen anhaftete, unterließ er in zu großem Selbstvertrauen die nothwen ­ digste Vorsicht zur Sicherung seiner Person. Als nämlich die Kaiserlichen durch andere Kriegsereignisse genöthigt waren, Lippstadt zu räumen, begab sich Mercier von der Burg Lip ­ perode aus mit nur 34 Pferden dahin, um diesen wichtigen Platz in hessische Hände zu bringen. Er ritt in die Stadt ein und verlangte zunächst nur den Durchzug von 1500 Mann. Die Bürger aber, diesem Ansinnen mißtrauend, verweigerten die an sie gestellte Forderung, da sie wohl nicht mit Unrecht eine neue dauernde Besetzung der Stadt fürchteten. Mercier, ob der ihm er ­ theilten abschlägigen Antwort ergrimmt, ließ sich dazu hinreißen, beim Wegreiten einen der am Thore wachehaltenden Bürger zu erschießen. Da griff die Bürgerschaft zu den Waffen und in dem sich nun entspinnenden kurzen Gefecht wurde Mercier nebst zwei seiner Offiziere und einem Korporal erschossen. *) Trotz dieser energischen Abwehr öffneten Ende *) Dr. R. Chalybaeus, Geschichte von Lippstadt, p. 177. 1633 doch die Bürger die Thore und nahmen freiwillig eine hessische Besatzung auf und glaubten so am besten dem, in keiner Weise zu entschul ­ digenden, blutigen Schicksale, welches kurz vorher Schweden und Hessen der Stadt Salzkotten be ­ reitet hatten, zu entgehen, denn ungesühnt wäre der Tod des tapfern Oberst Mercier bei.^ einer gewaltsamen Eroberung nicht geblieben. ~ Bis zum Frieden blieb Lippstadt, vor dessen Mauern einer ihrer hervorragendsten Führer gefallen war, im Besitze der Hessen. Landgraf Wilhelm aber ehrte seinen tapfern „kleinen Jakob" im Tode noch dadurch, daß er seine Leiche nach Kassel bringen und mit allen militärischen Ehren in der St. Martinskirche beisetzen ließ. Gleichzeitig mit demselben wurden am 31. Mai 1633 noch zwei andere Offiziere, Oberst Kurt Heinrich von Uffeln, Kommandant von Kassel, und Oberstwachtmeister Klaus Oexel vom blauen Regiment beerdigt. Die bei dieser Ge ­ legenheit von Hofprediger Theophilus Neuberger gehaltenen Leichenreden erschienen im folgenden Jahre gedruckt. Ein Exemplar, mit dem Bildniß Mercier's geschmückt, befindet sich in der stän ­ dischen Landesbibliothek zu Kassel. Am Schluß der Leichenrede steht der lateinische Vers: „Magna erat exiguo Jacobi in corpore virtus Hic supplantator sortis et acer erat.“ der in freier Uebersetzung ungefähr lautet: Groß war der männliche Muth in des Jakobs winzigem Körper, Tapferen, schneidigen Sinns, stellt er die Falle dem Feind. v. W. loföat wurde. Kleines aus großer Zeit. (Forlsetzung.) General Bastineller, der von Heiligenstadt gegenKassel vorrückte, traf schon am 28. September mittags in Helsa ein. Hier ging ihm die Nach ­ richt von dem Angriff Tschcrnitscheffs auf Kassel zu. Da er aber zu gleicher Zeit erfuhr, daß der König Kassel verlassen habe und sich auf der Frankfurter Straße zurückziehe, daß das Kauffunger Defilee von den Russen besetzt sei, wurde er in den zu ergreifenden Maaßregeln schwankend. Obgleich er außer zwei Kürassier- Regimentern noch 1000 Mann Infanterie und zwei Geschütze hatte, trug er Bedenken, das Defilee anzugreifen, das, bei dem ihm bekannten schnellen Marsch der Russen, doch nur von Reiterei, allen ­ falls auch mit einigen Geschützen besetzt sein konnte. Bald erhielten die Truppen Befehl, gegen Kaufungen vorzurücken, bald wurden sie wieder zurückgerufen, aber endlich faßte der General den Entschluß — das Kaufunger Defilee nicht an ­ zugreifen. Da der König Kassel verlassen hatte, hielt Bastineller diese Stadt für aufgegeben und wollte über Lichtenau und Spangenberg gehen, bei Morschen die Fulda überschreiten und sich mit den auf der Frankfurter Straße zurückziehenden Truppen des Königs vereinigen. Dieser Entschluß