38 Hessen abspielte, denn damit streife ich dann endlich noch die m o r a l i s ch e Seite der Sache, und mehr als eine rechtliche, politische und moralische Vertheidigung wird wohl kein Mensch verlangen können. Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß Landgraf Friedrich II. mit dem englischen Hofe in verwandtschaftlichen Beziehungen stand; seine Gemahlin war die Lieblingstochter des Königs Georg II., also eine Schwester des damaligen Königs Georg III. von England. Gleichwohl war Landgraf Friedrich II. gar nicht einmal geneigt, einen Subsidienvertrag mit England abzuschließen und der Umstand, daß England damals noch mehr als zwei Millionen Thaler aus früheren Verträgen an Hessen schuldete, war bei dieser Abneigung vielleicht nicht der letzte Grund.*) Die Landständeselbst wünschten indessen den Abschluß eines solchen Sub- sidienvertrages, und da der Minister, General von Schliessen, die militärische Unter ­ stützung des „nahen Anverwandten" des Land ­ *) Räth und Stamford, Hessische Geschichte S. 402. grafen aus politischen und wirthschaftlichen Gründen dringend unterstützte, so mußte sich endlich der Landgraf den Wünschen der mit seinem e r st e n M i n i st e r übereinstimmenden Stände fügen. Der ganzen Situation ent ­ sprechend, lautete dann auch der hessische Sub ­ sidienvertrag in seinem Eingänge (Art I.): „Es soll also vermöge dieses Traktates zwischen Ihren Nachfolgern und Erben eine 'genaue Freundschaft und eine aufrichtige, feste und beständige Verbindung sein, dergestalt, daß der Eine das Interesse des Andern als sein eigenes ansehen und sich auf Treue und Glauben bemühen wird, dasselbe zu fördern, und wechselseitig aller Unruhe und allem Schaden vorzubeugen und selbigen abzuwenden." Wir haben also nicht nur einen Subsidien- vertrag schlechtweg vor uns, sondern zugleich das, was die heutige Diplomatie unter einem Allianzvertrage versteht. Der Vertrag blieb auch nicht einmal Geheimniß, denn er erschien in deutscher und englischer Sprache schon im Jahre 1776 (Frankfurt und Leipzig). 5 folgt.) Wie ich Kolöal wurde. Kleines aus großer Zeit. (Fortsetzung.) Bis zur Zeit des deutschen Befreiungskrieges wurde das Königreich Westfalen von kriegerischen Ereignissen wenig berührt und nur das Jahr 1809 machte in dieser Beziehung eine Ausnahme, da die Versuche, in dem damaligen Kriege der Franzosen gegen Oesterreich das nördliche Deutsch ­ land zum Aufstande gegen die verhaßte Fremd ­ herrschaft zu bewegen, in dem ehemaligen Kur ­ fürstenthum einen ergiebigen Boden zu findeit hoffen durfte. Der Herzog von Braunschweig- Oels, Schill und Dörnberg waren die Partei ­ gänger, welche jene Versuche unternahmen. Da diese Aufstände nur dann von einem glücklichen Erfolg hätten begleitet sein können, wenn bei den Hauptkriegsereignissen im südlichen Deutsch ­ land Oesterreich Sieger geblieben wäre, so konnten sie, da dies nicht der Fall war, nur dazu dienen, der französischen Herrschaft neue Proben von dem tiefen Haß der Deutschen zu geben, so wie sie den Schaaren des Herzogs von Braunschweig und Schill's Gelegenheit gaben, deutsche Treue und Tapferkeit zu bewähren. Oberst v Dörnberg hatte die Landleute in der Umgegend von Kassel aufgeboten und, unterstützt von einigen ehemaligen hessischen Offizieren, führte er diese zwar patriotische, aber schlecht bewaffnete und wenig geordnete Schaar am 24. April 1809 auf dem linken Ufer der Fulda gegen Kassel vor. — Man hatte wohl darauf gerechnet, daß die west ­ fälischen Soldaten, bei dem zum Theil großen Widerwillen, mit welchem die Gemeinen dienten, ztt Dörnberg übergehen, daß diese zunt Kriegsdienst einer Fremdherrschaft gezwungenen Söhne des Vaterlandes nicht gegen ihre eigenen Brüder fechten würden — aber hierin tauscht inan sich nur zu oft. Beim Soldaten wirkt die Gewohnheit des Gehorsams, und er wird unter den Augen seiner Offiziere meist nur dann seiner Soldatenpflicht untreu werden, wenn diese das Beispiel dazu geben. Auch ist der Soldat von der Wasienehre zu sehr durchdrungen, als daß er vor einent Haufen nicht uuiformirter, schlecht bewaffneter Kämpfer zurückweichen oder zil ihnen übertreten