13 Trinken, und ihm ist auch das geflügelte Wort vom vielen Trinken und vom großen Durst zuzuschreiben, das uns Victor von Scheffel in seinem Gedichte vom Roden stein „Die drei Dörfer" in dem Verse wieder ­ gegeben hat: Man spricht vom vielen Trinken stets, Doch nicht vom vielen Durste. — Im Jahre 153(5 war Eoban ns von dem Land ­ grafen Philipp dem Großmüthigen als Professor der Dichtkunst und Historie an die Universität Marburg berufen worden. Hier traf er viele alte Freunde von Erfurt wieder. In hohem Grade erfreute er sich der Gunst seines Landcsfürsten, aber schon vier Jahre nach seiner Berufung ereilte ihn der Tod, er starb am 4. Oft. 1540. Der Schmerz um das frühe Hinscheiden des Dichters war ein allgemeiner. Mit seiner Familie trauerten Fürst, Schule und Stadt und die zahlreichen Freunde in der Nähe und Ferne. „Weinet ihr Musen," so begann der Rektor der Universität Ferrarius seinen Bericht im akademischen Album über den Tod des größten Poeten der Zeit. Am andern Tage wurde er auf dem Friedhöfe, welcher die Elisabethkirche umgab, beerdigt. Sein Freund Johann Drach hielt die Leichenrede. Von dem Charakter des Verblichenen hieß es in derselben, er habe, ein Löwe ohne Klauen, Niemanden je muthwillig verletzt oder betrübt. Von seinem letzten Werke, das er auf dem Siechbette vollendet (Uebersetzung der Iliasi, würden die Gelehrten singen und sagen, so lange die Sonne scheine. — Eoban hat nur ein Alter von 52 Jahren 9 Monaten erreicht. Groß ist die Anzahl der Schriften, die er herausgegeben hat. Sie finden sich verzeichnet in Strieder's hessischer Gelehrtengeschichte Bd. IV S. 392 bis 409. Daß auch die Literatur über Helius Eobanus Hessus keine geringe ist, ver ­ steht sich bei dessen Bedeutung als Dichter und Ge ­ lehrter von selbst. Von den neueren Schriften über ihn sind hauptsächlich zwei hervorzuheben, deren Ver ­ fasser geborene Kurhessen sind: die von l)r. G. Schwertzell (Marburg 1873) und das bereits citirte vortreffliche Werk von vr. Karl Krause, Helius Eobamis Hessus, sein Leben und sein Wirken. Ein Beitrag zur Kultur- und Gelehrtengeschichte des 16. Jahrhunderts." (2 Bde., Gotha bei Perthes 1879.) A« I. Das gestörte Banket. Episode aus dem dreißigjährigen Kriege. Es war zur Zeit des „Hessenkrieges* (1645 — 1648), jenes mit größter Erbitterung zwischen Hessen-Kassel und Hessen- Darmstadt um das Marburgische Erbtheil geführten Kampfes, in welchem sich die Niederhessen wie ihre Gegner, die Oberhessen, abwechselnd je nach den Chancen des Krieges in den Besitz von Marburg, der Hauptstadt des Oberfürstenthums, setzten Ein hessen-darmstädtischer General, der greise Christian Willich, war wegen Uebergabe des kaum haltbaren Marburgcr Schlosses an den niederhessischen General Geyse am 16. Januar 1646, vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode verurtheilt und am Markte zu Gießen enthauptet worden. Es soll Rache bei diesem Urtheil im Spiele gewesen sein, nicht Gerechtigkeit. Den Oberbefehl über die Hessen - darmstädtischen Truppen, an deren Seite die Kaiserlichen kämpften, übernahm der kaiserliche Feldmarschall Peter Melander, Graf von Holzapfel, der von 1633 bis 1640 als Generallieutenant und Oberbefehlshaber in hessen- kasselschen Diensten gestanden hatte, nachher aber in kaiserliche Dienste übergetreten war. Kommandant von Marburg war der tapfere niederhessische Oberst Stauf. Am 29. November 1641 begann die Be ­ lagerung Marburgs durch die Hessen-Darmstädter. Melander, welcher eine Reise an den Rhein unter ­ nehmen mußte, hatte die Belagerungsarbeiten dem kaiserlichen Feldzeugmeistcr Fernamont übertragen. Dieser ließ die Stadt aus drei Batterien beschießen und nach dreimaligem Sturm ging dieselbe über. Oberst Stauf zog sich nach heißem Kampfe un ­ erschrocken ans das Schloß zurück, entfernte hier Weiber, Kinder und Greise, vereitelte die mit Hilfe Hessen-darmstädtischer Burgknappen gelegten Minen durch Gegenminen und vertheidigte das Schloß über ­ haupt mit ebensoviel Tapferkeit wie Geschick. In ­ zwischen war Melander zurückgekehrt und hatte zu Marburg in der Wohnung des Wirths Daniel Seip am Grün — nachmals dem Regierungsdirektor Hast, jetzt dem Weinhändler Pfeiffer zugehöriges, freilich umgebautes Haus Nr. 4 der Grüner Straße — Quartier genommen. Auf den 18. Dezember 1647 hatte er daselbst ein Banket veranstaltet. Dies war dem Oberst Stauf verkundschaftet worden. Stauf ließ zu der bestimmten Stunde, als Melander sich mit seinen vornehmen Gästen, unter denen sich auch der junge Markgraf Leopold Wilhelm von Baden befand, unter Trompetenschall zur Tafel begeben hatte, die Kanonenkugeln einer ganzen Batterie auf genanntes Haus abfeuern. Diese Schüsse waren mit solcher Sicherheit abgegeben, daß sie ihr Ziel nicht verfehlten. Melander selbst wurde durch einen los ­ geschossenen Balken an Kopf und Brust verwundet, der Markgraf von Baden einiger Backenzähne be ­ raubt und der Schildwache des Tafelzimmers der Kopf abgeschlagen; dem Wirthe fuhr eine Kugel, ohne ihn zu verletzen, zwischen den Beinen hindurch. Fast zwei Jahrhunderte lang hat dieser Schuß, wie Vilmar in seiner „Hessischen Chronik" berichtet, zu den bekanntesten hessischen Denkwürdigkeiten des dreißig ­ jährigen Krieges gehört; so lange das Grüner Thor bestand, wurde die durch jenen Schuß heraus ­ geschlagene Ecke jedem Kinde gezeigt und eine von den Kugeln, welche in Melanders Zimmer gefahren waren, war noch in den 30er Jahren dieses Jahr ­ hunderts dort vorhanden. Ein Marburger Student hat ein Spottgedicht auf Melander verfaßt, in welchem