363 Akonneinents-Kiiltadurlg. Aeit dem 1. Januar d. I. haben wir, unterstützt von hessischen Schriftstellern, Dichtern und Gelehrten, die^ Zeitschrift „Kesieukand" herausgegeben, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens sich Bahn zu brechen vermocht hat. Heute bereits ist das „Kesie«ka«d" ein liebgewordner Gast in vielen Familien und immer mehr - - so hoffen wir — dringt es in alle Schichten der lesenden Bevölkerung Hessens ein, An einem Blatte, welches sich lediglich der „Pflege der Hessischen Geschichte und Literatur im weitesten Sinne des Wortes widmet", hatte es bisher gefehlt. Es mangelte eine Zeitschrift, welche die hessisch-geschichtlichen Forschungen, in volksthümlich belehrende Gestalt gebracht, dem gebildeten Leser in unserem engeren Vaterlande darbot. Ebenso entbehrte unsere literarische Arbeit unverkennbar der stammlichen Geschloffenheit, die anderwärts im weiteren Vaterlande anzutreffen ist; die Mundartdichtung, die in den verschiedensten Theilen Deutschlands der Theilnahme auch der Gelehrten und Gebildeten sich erfreut, erfuhr in Hessen kaum ernste Beachtung und die VolKopoesie überhaupt, ohnehin von der neuzeitlichen Ver ­ flachung bedroht, schien unbeachtet bei uns absterben zu sollen. Das „Kesie«ta«b" deffen Aufgabe es ist, den hessisch-geschichtlichen Forschungen einerseits, sowie der hessischen Literatur anderseits zum Mittelpunkte zu dienen, um so in jedem Hessen das Gefühl der Anhänglichkeit für die engere Heimath zu wecken und zu kräftigen, hat sich bestrebt, jenen Mängeln abzuhelfen und wenn wir uns auch bewußt sind, daß unsere Leistungen nur Stückwerk waren, so sind wir doch stolz darauf, für die geistige Arbeit unserer Stammesgenoffen einen Platz geschaffen zu- haben. Unser Blatt soll nach wie vor die von den Förderern unserer Vergangenheitskunde ge ­ pflegten wissenschaftlichen Bestrebungen weiteren Kreisen zugänglich zu machen suchen; es soll die Reste der Volkspoesie, die auf unserem Boden reiche Blüthen trieb, za erhalten bemüht, sein; es soll der hessischen Mundartdichtung in ihren mannigfachen Verzweigungen eine Stätte zu freier Entfaltung bieten; nicht minder soll es die schriftsprachliche Literatur, soweit sie mit dem Hessenland in Ver ­ bindung steht, berücksichtigen, wie es endlich alle verwandten Bestrebungen, die von Heffen ausgehen oder Heffen berühren, zu fördern bestimmt ist. Wir waren von Anfang an uns bewußt der Schwere der Aufgabe, die wir. übernahmen. Aber angesichts der Ausnahme, die das „K,sie«ka«b" fand, sind wir heute der Zuversicht, im ganzen Hessenlande frenbige Zustimmung und dauernde Unterstützung zu finden in allen Schichten und Ständen der Bevölkerung ohne Unterschied der Parteien jedweder Art, wie denn auch selbstverständlich unsere Zeitschrift von der Verfolgung politischer Zwecke sich ferngehalten hat und fernhalten wird. Unser Bemühen, darauf gerichtet, hessischen Sinn wachzuhalten durch Hinweis auf die ruhmvolle geschichtliche Vergangenheit unserer Altvordern, wie auf den Antheil, den unser Stamm an dem geistigen Ringen genommen hat und nimmt, muß sich der helfenden Theilnahme aller Derer erfreuen, in denen hessisches Stammesbewußtsein lebendig ist. Aus dieser Zuversicht schöpfen wir den Muth, weiter zu arbeiten an unserem bescheidenen Werke, indem wir alle Freunde hessischen Wesens bitten, nach ihren Kräften das junge Unternehmen zu unterstützen, damit es werde, was es erstrebt: ei« hessisches Aamitienbkott im vollen Sinne des Wortes. Und so laden wir denn zum Abonnement ans das mit dem I. Ianuär 1888 beginnende Neue Enartai unserer Zeitschrift „Hessenlanb" ergebenst ein. Die Redaktion de« „Hessenlandes". F. Zwenger.