352 Handen, was sehr zu beklagen ist. Vielleicht haben subalterne Hände nach Eingehen der Fabrik am Ende des vorigen Jahrhunderts die Acten vernichtet. Man wird deshalb die spärlichen gedruckten Notizen, die sich in der Litteratur des vorigen Jahrhunderts finden, möglichst sammeln müssen. So enthält nach einer Mittheilung des Herrn Zais die „Handelszeitung oder wöchentliche Nach ­ richten von Handel, Manufacturwesen und Oeko- nomie" (Gotha bei Ettlinger) im Jahrgang 1785 S. 38 ein Preisverzeichniß von Fulda. Jahr ­ gang 1787 S. 299 findet sich die Notiz: „die Fabrik in Fulda, welche herrschaftlich ist, hat in der Schönheit der Waare starke Fortschritte ge ­ macht, so daß das Porzellan in der Masse und Schönheit der Arbeit von Kennern geschätzt wird. Der Verwalter derselben ist Herr A. Ripp, bei welchem die Bestellungen gemacht werden". In dem Journal von und für Deutschland Jahrgang 1785*) findet sich ein längerer Aufsatz (S. 7 — 13) über Porzellanfabriken und ihre *) 3ch besitze von diesem Journal, das erst Gbckingk, dann der freisinnige Fuldaer Propst von Bibra redigirte, leider nur vie Jahrgänge 1785 u. 1789. die übrigen 6 oder 7 Bände sind in Folge der Schlacht von Bronnzell im November I8S0 zu Grunde gegangen, da die Strafbaiern auch die Bibliothek meines damals beretts verstorbenen Großvaters, der an diesem Journal mitgearbeitet hatt«, als feindliches Gut behandelten. Rentabilität, der von einem Fachmann herrühren muß. Don Fulda heißt es nur, daß Franken von hier aus Waaren bezöge. (Von der Fabrik in Kassel wird gesagt: Hessen hat seine eigenen Fabriken und doch halten die Kursachsen — Meißen — Meffe in Kassel). In demselben Jahrgang findet sich von S. 29 ab ein ausge ­ dehnter Preis-Courant der bekannten Fürsten ­ berger (Höxter) Fabrik. Eine 20 Zoll hohe Reiterstatue des Königs von Preußen kostet beispielsweise 45 Thaler, was für damalige Zeiten nicht gerade billig war. Mein verehrter Freund, der selbst reiche Samm ­ lungen, wenn auch nicht gerade von Fuldaer Porzellan besitzt, schreibt mir über dieses: „ganz hervorragend sind die Fuldaer zeitgenössischen Kostümfiguren". Wer von uns hätte sich nicht schon an diesen zierlich geformten und geschmack ­ voll bemalten Rokokofiguren ergötzt, die in ihrer ursprünglichen Heimath leider schon recht selten geworden sind! Sicherlich läßt sich aus Druckwerken des vori ­ gen Jahrhunderts, aus fuldaischen Kalendern u. oergl. noch Mancherlei zusammenstellen. Die vorzüglichen Leistungen der Fabrik hätten schon lange einen Lokalforscher zu dem Versuch einer Monographie derselben bewegen sollen. — Osnabrück. K. Kerquet. <SS- om Khristkinö. Veihnschlsbilö von W. Herbert. (Meiern wir den Christabend im alten, grauen, W winkeligen, weltvergessenen Bergstädtchen. C * 7 ! Dort wimmelt es von ärmlichen, altmodischen, echten, rechten Kindern, die den Tag über in der cheuen Erwartung zusammenhockten, „das liebe, Üße Christkind" um die Stubenecke stiegen zu eben; die schon seit Wochen doppelt ftomm zu ein sich bemühten, damit der Himmelsbote nicht vorübergehe, Kindern, die noch zitternd dem St. Nicolaus ihre Gebete hersagten und den seltsam eputzten, heiligen Mann im Flachsbarte und mit er Krone von Goldpapier mit einer Ehrerbietung beschauten, als käme er direct aus Gottes Wohnung, wohin er auch bald zurückkehren und Bericht ab ­ legen würde. Abends auf den Knien falteten sie die Händchen und sahen vertrauensvoll durch das dunkele Stubenfenster zum leuchtenden Abend ­ himmel auf. Dort oben bereitete das Christkind tausend und abertausend Weihnachtsbäume, und sie musterten nachdenklich die goldenen, blanken Sterne, auf welchem wohl der ihre geputzt würde. Morgens schlangen sie die Aermchen um den Hals der Mutter, irgend einen großen Wunsch auf dem Herzen. „Mutter, sag's doch, bitte, dem Christkind, wenn's dich fragt. Bitte, bitte, erzähl' ihm auch, wir hätten's nicht so bös ge ­ meint, als wir neulich ungezogen waren." Schon fällt der Schatten der heiligsten Nacht der Nächte des Jahres tiefer in die schmalen Gassen; Lichter funkeln auch hinter den blinden Fensterscheiben der Handwerker; dort und da strahlen sie bereits flimmernd, verheißungsvoll hinaus auf das holperige Pflaster: der Vater oder die Mutter arbeitet im Dienste des Christ-