338 Dabei wurde den Majestäten von dem Zunft ­ meister folgendes Gedicht überreicht. Freude herrscht in Kassels Hallen, Freude in des Volkes Brust, Jubeltöne hört man schallen Zu der schönen Fastnachtslust. Und nach hergebrachter Sitte Wallet fröhlich Schaar auf Schaar, Selbst aus armer, niedrer Hütte Bringt die Freud' ihr Opfer dar. Vater, König! freudig schlagen Unsere Herzen nur für Dich Doch mit Worten dies zu sagen, Mühen sie vergebens sich. Wenn die Brust von Lieb erfüllet Für den besten König schlägt, Sie die Wonne gern enthüllet, Die sie trunken in sich trägt. Um des heutigen Tages Freuden Schön und festlich zu erhöhen, Hatte Pan von seinen Weiden Auch ein Opfer ausersehen. Doch wir opfern unsere Herzen Euch erhab'nem Königspaar, Und der Freude Flammenkerzen Lodern auf dem Dankaltar. An Gedichten ähnlichen Inhalts hat es während der sieben Jahre der westfälischen Herrschaft zu keiner Zeit gefehlt; kaum aber waren die Franzosen abge ­ zogen, als auch zahlreiche Flugblätter erschienen, welche mit Recht die in solchen Gedichten ausgesprochene undeutsche Gesinnung auf die schärfste Weise rügten und verspotteten. So z. B. folgendes Gedicht mit der Ueberschrift: Der Lhrf -ev deutsch-französischen Lande. Ihr lieben Freunde höret an! Ich habe was zu sagen: ' Es hat sich viel und mancherlei Bei uns jetzt zugetragen. Inserviendum Tempori! Das lernt ich in der Jugend, Den Mantel hänget nach dem Wind! Das ist die erste Tugend. So lange Sr. Exellenz Der Graf Marienrode MstLoäies die Bürger schund, Da macht ich manche Ode. Er machte mich und manchen Wicht Zu Rittern von'der Elle; Auch saß ich wie ihr alle wißt, So ziemlich an der Quelle. Die Katzenpfoten konnt ich da Oft tückisch appliciren, Und doch dabei den Biedermann Stets klüglich simuliren. Selbst jenes Fürsten schont ich nicht, Der ehdem mich gehoben, Frech lästert ich sein deutsches Thun Anstatt ihn hoch zu loben. Jetzt aber nehmt die Larve vor Und spielt die Patrioten! Machts so, wie meine Wenigkeit, Zieht ein die Katzenpfoten. Ich wette tausend gegen eins 's wird sich ein Aemtchen finden, Dann sind wir wieder hagelweiß, Vergessen unsere Sünden. N.-L. Es ist kein erfreuliches Bild, das uns in obigem Artikel „loeervieväum tempori" vor die Augen tritt, wir können aber gottlob demselben aus der Zeit der für unser engeres Vaterland so verhängnißvollen Fremdherrschaftgleichem lichtvolleres Bild entgegenstellen, ein Bild, das das Herz erwärmt und den Muth stärkt, und zu diesem Bilde liefert uns Stoff und Farbe die Erinnerung an den feurigen deutschen Patrioten, den unbeugsamen Kämpfer für Recht und Wahrheit Ludwig Schwarzenberg den „Mann ohne Furcht und Tadel", wie ihn seine Mitbürger nannten, dessen hundertjähriger Geburtstag auf den 2 7. November fiel und den nun seit dreißig Jahren die Erde deckt. Ludwig Schwarzenberg war hier in Kaffel ge ­ boren. Er war der Sohn des Metropolitans Schwarzen ­ berg und deffen Ehefrau, geb. Knyrim. Er genoß eine sehr sorgfältige Erziehung. Nachdem er 1840 das hiesige Lyceum absolvirt hatte, studirte er zn Marburg und Göttingen Rechtswissenschaft. In seinem zwanzigsten Lebensjahre begann er in seiner Vaterstadt als An ­ walt seine bewegte Laufbahn. Die schmachvolle Unterdrückung seines Vaterlandes durch die Franzosen war dem deutschgesinnten Mann unerträglich und lebhaft betheiligte er sich an der von Dörnberg ge ­ leiteten Erhebung gegen die Fremdherrschaft. Nach dem unglücklichen Ausgange dieser Bewegung trat er als Freiwilliger in das berühmte Corps des helden- müthigen Herzogs von Braunschweig-Oels, machte den glorreichen Zug nach England mit und theilte, zum Lieutenant im Jägerbataillon ernannt, alle Schick ­ sale der Legion bis zur Belagerung von San Se ­ bastian im August 1813. Am Vorabend der Schlacht von Salamanca, 20. Juli 1812, wurde er bei Er ­ stürmung des Dorfes Val de Morisco durch den rechten Arm geschossen, wodurch er für einige Zeit kampfunfähig wurde. Später nahm er an der zweimaligen Belagernng von Badajoz, an den Schlachten von Fuentes d' Orno und Vittoria, sowie an der Belagerung von Burgos und San Sebastian Theil. Hier wurde er bei einem heftigen Ausfalle der Franzosen durch einen Kartätschen-