334 Marter vnd Pein, auch onzimlicher Worte, So das Halberstadische Kriegsuolck resxioitius ann etzlichen meinen amtsbevolenen gevbet vnd geredt", Signathum Ulrichstein, den 22. Julh Anno (1) 622, hinterlassen. Professor Philipp Dieffen- bach hat diese Urkunde, die ein würdiges Gegenstück zu jener bekannten Erzähluttg des Simplicissimus gebens halben. Sein Caspars weih haben sie gebrennet vnnd darnach bis auf den todt geschlagen. Caspar Ruln, Rachsperson, vnnd sein Weib haben sie gebrennet, ge ­ schlagen vnnd gegurgelt, vnd ist er an einer Halsgeschwulst Kurtzhernacher ohne Zweifel von gemeltem gestorben. Heintz Gudenhain einen alten Rathsgenoßen, haben sie geldt- gebens Halben durch einen arm geschossen«, darvon er in wenigen Tagen hernach gestorben. Conradt Aßmußen haben fie geldtgebens halben erschoßenn. Henrich Beckers witibe haben sie geldtgebens halben bis vff den todt ge ­ schlagen vnnd gar Jämmerlich gemartert, ist fast ein achtzig jähriges weib. re. re."" —- bietet, im 5. Bande des Hess. Arch., Heft I, IV, S. 95 ff. veröffentlicht. Auch im siebenjährigen Kriege spielte das feste Bergschloß Ulrichstein eine bedeutende Rolle. Wiederholt war es Zeuge höchster Tapfer ­ keit unserer Landsleute. Besonders in den letzten Jahren dieses Krieges bildete das Ohmthal den Schauplatz blutiger Kämpfe. ') 9 Wir folgen hier hauptsächlich dem klassischen Werke von Renouard, Geschichte des Krieges in Hannover, Hessen und Westfalen von 1757—1763, 3 Bände, Kassel ,863—1864 (Ueber diesen verdienstvollen Schriftsteller vgl.Nr. 2 des,Hessenlandes/S. n—12). —Außer ­ dem müssen wir hier noch nennen ein kleineres, aber treff ­ liches Werk: „Der siebenjährige Krieg der Hannoveraner und Hessen, Celle 1883," sowie noch eine andere, nicht minder treffliche Schrift: „Ein Dutzend Gedichte aus hessischer Kriegs-Geschichte. Mit erläuternder Schilderung der Begebenheiten und begleitender Umstände, Melsungen 1879/ — folgt.) Kilöer aus Wessen. Von Ludwig Mohr.. Der Windisch-GrStz kömmt! „Himmelwetter! Ich meine, ich müsse Sie im Leben mehr als einmal gesehen haben!" Mit diesen Worten redete mich ein Forstmann an, welcher aus dem nahen Busche am Hange des Meinhardt's getreten war und sich mir näherte, der ich mich, müd vom Aufstieg, an dem Stamm einer breitästigen Buche gelagert hatte und von diesem Auslug die liebliche Fernsicht in das Werrathal zu meinen Füßen genoß. „Entschuldigung, mein Herr, Sie sind doch nicht von Homberg? — sind " Ich nannte meinen Namen und ergänzte lachend: „Und Du, gelt Fuchsen — verzeih den Spitz ­ namen — Fuchsen " „Galina; sprich nur aus! Wozu die Umstände! Erinnern uns doch gerade die Spitznamen mehr als alles Andere an die frohe Kinder- und Burschenzeit. Ich glaube es sind dreißig Jahre her, daß wir uns nicht sahen. — Ja, ja, man wird alt; Dein Scheitel hat sich merklich ver ­ breitert, und mein Haar ist kitzegrau geworden." Noch während er diese Worte sprach, stellte er ein Jagdgewehr neben an die Buche und ließ ich zu mir in das Waldgras nieder, und nun B es an ein Fragen und Erzählen, das uns en so sehr behagte, daß wir nicht merkten, wie die Sonne immer tiefer sank und sich all ­ gemach den Umrißen des Meißner näherte. Erst als ihre Strahlen die Baumwipfel um uns her vergoldeten, mahnte das, im Thale sich geltend machende Dämmerlicht. zum Aufbruch. Noch mußte ich meinem Landsmann versprechen, ihn zur Kirmeß in seinem Walddorse zu besuchen, dann trennten wir uns; er verschwand auf dem Fußsteig seitlich im Gebüsch, und ich trat auf dem Waldpfad, der mich hergeführt, die Nieder ­ fahrt vom Berge an, um vor vollständiger Dun ­ kelheit zu Hause in Eschwege zu sein. Auf dem Heimwege aber beschäftigte mich der Spitzname meines Landsmanns, Galina, und rief ein Bild aus meiner Jugendzeit in mir wach, das ich in den nächstfolgenden Zeilen kurz zeich ­ nen will. Es war in dem aufgeregten Jahre 1848. Robert Blum fiel am 9. November in der Bri- gitten-Au zu Wien durch die Kugeln stehrischer Jäger dem Rachegerichte des Fürsten Windisch- Grätz zum Opfer. Nie hat wohl eine Nachricht das Deutsche Volk mehr aufgeregt, als die Kunde von dem Tode des Freiheitsmannes. Namentlich legten davon die Todtenfeiern Zeugniß ab, die man zu Ehren des großen Volkstribunen in Stadt und Land in Scene setzte. Aber „wie vom Erhabenen zum Lächerlichen oft nur ein Schritt ist", zeigten oft gerade diese, so die in meiner Vaterstadt Homberg. Dort war der' Veranstalter der Führer der