327 Sturme durch Tapferkeit der hessischen Garnison unter Hauptmann Ellenbergcr und der Einwohner mannhaft widerstanden (31. August 1637) zweimal furchtbare Plünderungen aushalten, und, nachdem es sich in der darauf folgenden Friedeuszcit ebenso wie die Umgegend durch Gründung französischer Niederlassungen, kaum erholt hatte, dann neue Bedrückungen im 7jährigen Kriege erfahren. Das Einrücken einer französischen Armee im Jahre 1806 in Hcsicn brachte der Stadt wieder Einquartierung in großartigem Maß ­ stabe, seit Gründung des Königsreichs Westfalen aber eine ständige Kavallerie-Garnison. Erst die Wiederkehr des Kurfürsten Wilhelm I. gab Stadt und Land die ersehnte Ruhe und bessere Zeilen, auch Gelegenheit zur Ordnung der inneren Verhältnisse. Nachdem von letzteren die Dreitheilung der Stadt Hofgeismar in Altstadt, Neustadt und Unterstadt mit ihren 3 Kirchen, der städtische Haushalt und die Gc- richtsverfaffung besprochen war. unterzog Redner den Gesundbrunnen nach Erwähnung der reich ­ haltigen Literatur über denselben einer besonderen Betrachtung. Die Quelle wurde im 30jährigen Kriege durch einen verwundeten kaiserlichen Soldaten entdeckt (1639) und dann alsbald von den dort gar»isonirten Truppen, besonders dem General Melandrr, und darauf auch auf deren Anpreisung von vielen Anderen ans Nah und Fern benutzt. Der wohlwollenden Fürsorge dcö Landgrafen Karl ist es zunächst zu verdanken, daß die Quelle gegen schädliche Einflüsse der benachbarten Gewässer geschützt wurde und ihm und seinen Nach ­ folgern, daß durch Erbauung von Badchäusern (Karls ­ bad, Wilhelmsbad, Friedrichsbad), des Schlößchens Schönburg und anderer Gebäulichkeiten, sowie durch Parkanlagen hier ein zu immer größeren Ansehen ge ­ langender Gesundbrunnen entstand. Im Näheren wnrden die Einrichtungen in den einzelnen Gebäuden und die Bestandtheile der Quellen (Trink- und Bade- Quelle) beschrieben, auch eine Reihe merkwürdiger Kuren sowie das Brunnen-Reglcntent (von 1789) mitgetheilt. Wenn jetzt die Zahl der Kurgäste eine sehr ge ­ ringe geworden, so sei der Grund darin zu finden, daß die Quelle durch irgend einen Zufall seit dem Anfange der 60er Jahre an Stärke verloren habe. Redner schloß seinen von der sehr zahlreich be ­ suchten Versammlung mit großem Beifall auf ­ genommenen Vortrag mit der Hoffnung, daß durch anzustrebende Verbesserung des Brunnens diesem und damit der an geschichtlichen Erinnerungen und in ihrer Umgegend an landschaftlichen Schönheiten so reichen Stadt Hofgeismar ein neuer Auffchwung verliehen werde. Soeben ist ein neues Verzeichniß der Mit ­ glieder deS Vereins für hessische Ge ­ schichte und Landeskunde (Kassel, 1. Oktober >887) zur Vcrthrilung gelangt. Dasselbe weist 1304 Mitglieder, darunter 5 Ehrenmitglieder und 163 auswärtige Mitglieder, auf. DaS zuletzt er ­ schienene Vcrzeichniß datirt vom 1. Februar 1884. Damals zählte der Verein 1226 Mitglieder. Zum Bischof der Diöcese Fulda ist am 4. d. M. Joseph Weyland,päpstlicherHanSprälat,geistlicher Rath, Dekan und Stadtpfarrcr von Wiesbaden'ge ­ wählt worden. Nach feierlichem Hochamte in der Kathedrale zur Anrufung des heiligen Geistes fand die Wahl seitens der Mitglieder deS Domkapitels in der Sakristei dieser Kirche statt. Als Skrutatoren fpngirte» Professor vr. Gutberlet, Hospitalspfarrer Lauer und Domkaplan Schmelz. Nach vollzogener Wahl verkündete der geistliche Rath Engel unter dem Geläute sämmtlicher Domglocken von der Kanzel herab das Resultat, zugleich bemerkend, daß der Papst dem Domkapitel die Weisung habe zukommen lassen, bei Bezeichnüng der Kandidaten für den erledigte» Bischofsstuhl °sich nicht auf Priester der Diöcese Fulda allein zu beschränken. Joseph Weyland ist am 13. März 1826 zu Hadamar in, Nassau als der Sohn eines ehrsamen Handwerksmnstcrs geboren. Er besuchte die Schulen seiner Vaterstadt, hiernach das Gymnasium zu Wcjl- burg, studirte nach Absolvirung desselben katholisHe Theologie zu Gieße», trat dann in daS Klerikal ­ seminar zu Limburg an der Lahn und wurde am 6. September 1848 zum Priester geweiht. Nachdem er vom 1. Oktober 4848 ab an verschiedenen Pfarr- orten der Diöcese Limburg, u. a. vom 1. Januar 1852 bis 1. September 1858 zu Frankfurt a. M., als Kaplan thätig gewesen war, wurde er am 19. No ­ vember 1861 zum Stadtpfarrrr in Wiesbaden er ­ nannt. Joseph Weyland hat die Bischofswahl angenommen. Zweifellos erfolgt nach vorausgegangenem Jnformativ- und Definitiv-Proceß die päpstliche Bestätigung und das Bisthnm Fulda wird in kürzester Frist wieder einen geistlichen Oberhirte» haben. Die Wahl wird allgemein als eine sehr glückliche bezeichnet. Alle Stimmen sind einig in dem Lobe deS Gewählten, dem die vorzüglichen Eigenschaften nachgerühmt werden. „Die Diöcese Fulda darf sich zu der Wahl ihres neuen Bischofs Glück wünschen", daS ist der Reftain, der von allen Seiten wiederhallt. — Joseph Weyland wird der fünfte Bischof sein, der »ach Wiedererrichttmg deS Bisthnms Fulda in der altehrwürdigen BonifatiuS- stadt die Mitra trägt und den Krummstab führt.